Tamedia-Nachbefragung

SVP blieb mit SBI in ihrer Filterbubble hängen

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Kein Parteienlogo, ruhige, warme Farbe, keine Polterparole: Die Kampagne der SVP für ihre SBI verfing nicht, sie wurde sogar als unglaubwürdig wahrgenommen.
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Kein Parteienlogo, ruhige, warme Farbe, keine Polterparole: Die Kampagne der SVP für ihre SBI verfing nicht, sie wurde sogar als unglaubwürdig wahrgenommen.
66 Prozent lehnten die Selbstbestimmungsinitiative (SBI) am Sonntag ab. Die Tamedia-Nachbefragung macht deutlich, dass die SVP bloss die eigene Basis für ihr Anliegen begeistern konnte. Die SVP-Kampagne zur SBI wurde als nicht glaubwürdig taxiert.

Die Mediengruppe Tamedia hat auf ihren Newsportalen eine titelübergreifende Nachbefragung zur eidgenössischen Abstimmung vom 25. November durchgeführt. 9.120 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 23. und 25. November online an der Umfrage teilgenommen. Der Fehlerbereich liegt bei 2,4 Prozentpunkten. Wie die Tamedia-Nachbefragung zeigt, konnte die SVP mit der SBI praktisch nur bei der eigenen Basis punkten: 83 Prozent ihrer Anhänger legten ein Ja in die Urne. Mit zunehmnder Dauer des Abstimmungskampfes hat sich die Ablehnung bei den Wählern der übrigen grösseren Parteien verstärkt. So stimmten am Ende nur noch 18 Prozent der FDP-Wähler für die SBI, noch tiefer fiel der Ja-Anteil bei den Anhängern der Parteien links des Freisinns aus.

Die Tamedia-Abstimmungsumfragen

Die Tamedia-Abstimmungsumfragen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissen­schaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen, sodass die Stichprobe der Struktur der Stimmbevölkerung entspricht. Die Resultate werden jeweils umgehend ausgewertet, damit die Tageszeitungen und Newsplattformen von Tamedia schweizweit rasch und fundiert darüber berichten können. Weitere Informationen und der detaillierte Bericht zur Umfrage sind unter tamedia.ch/umfragen abrufbar.

Beteiligte Tamedia-Medien

Deutschschweiz: 20 Minuten, BZ Berner Zeitung, Der Bund, Tages-Anzeiger, SonntagsZeitung und ZRZ Zürcher Regionalzeitungen;
Romandie: 20 minutes, 24 heures, Tribune de Genève und Le Matin/Le Matin Dimanche;
Tessin: 20 minuti

Auch auf dem Land und in der Agglomeration, wo Anliegen der SVP vielfach auf mehr Unterstützung stossen als in der Stadt, schickten 64 beziehungsweise 66 Prozent die SBI bachab. Stimmberechtigte mit einem Abschluss einer Universität oder Fachhochschule (83 Prozent Nein) lehnten die Vorlage stärker ab als solche mit einer Berufslehre (60 Prozent Nein).

Stimmberechtigte beurteilen SVP-Kampagne kritisch

Die Hauptargumente für ein Nein waren laut der Umfrage, dass die Initiative die Menschenrechte schwäche und die Schweiz schon heute selbst entscheide, welche internationalen Verträge sie eingehe. Das mit Abstand stärkste Argument aus Sicht der Ja-Stimmenden war, dass es zentral sei für das Funktionieren der direkten Demokratie, dass Volksentscheide respektiert und umgesetzt würden.


Zu reden gegeben hatte im Abstimmungskampf auch die leise Hauptkampagne der SVP. Die Stimmberechtigten beurteilten diese mehrheitlich kritisch: Nur 25 Prozent gefiel der neue Stil, während ihn 41 Prozent als nicht glaubwürdig taxierten. 12 Prozent fanden die Kampagne zu brav. 22 Prozent taten keine Meinung kund.

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