Tamedia

Im Printbereich schaut CEO Tonini sehr sorgenvoll in die Zukunft

So ist Tamedia nun seit dem 24.8. aufgestellt – was dem Konzern nun "360°-Angebote für Werbekunden" ermöglicht.
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So ist Tamedia nun seit dem 24.8. aufgestellt – was dem Konzern nun "360°-Angebote für Werbekunden" ermöglicht.
Bei seinen Bezahlmedien macht Tamedia nur noch wenig Gewinn. "Wir nähern uns hier dem Break even", sagte CEO Christoph Tonini. Deshalb sieht er weitere Stellenstreichungen als unumgänglich. Auf der Einnahmenseite hofft er auf eine schnelle Zunahme der Digitalabos.

Seit dem 24. August 2018 ist Tamedia offiziell Besitzerin von Goldbach Group. Letztere hat ebenfalls heute ihre Halbjahres-Zahlen veröffentlicht. Wäre Goldbach schon im 1. Halbjahr 2018 Teil von Tamedia gewesen, läge der Tamedia-Umsatz nun um 10 Prozent höher als effektiv ausgewiesen, und zwar bei 525 Millionen Franken. Der EBITDA hätte sich um 20 Prozent auf 102 Millionen Franken erhöht, und der EBIT um 17 Prozent auf 62 Millionen Franken.

"Die Zahlen befriedigen nicht"

Doch diese Aussichten vermögen nicht über die Probleme von Tamedia im Printbereich hinwegtäuschen. Das machte auch Tamedia-CEO Christoph Tonini an der heutigen Pressekonferenz deutlich. So sei zwar der Gesamtumsatz im 1. Semester 2018 stabil geblieben, jedoch nur dank der Konsolidierung von Neo Advertising. Auf Stufe EBITDA und EBIT hat die Mediengruppe 42 Millionen Franken weniger eingenommen (-33% und -45%), auf Stufe Ergebnis 37 Millionen (-48%). „Diese Zahlen können so nicht zu befriedigen“, sagte CEO Tonini.
Tamedia-CEO Christoph Tonini
Markus Knöpfli, © knö.
Tamedia-CEO Christoph Tonini
Wohl lasse sich ein grosser Teil davon relativieren – durch den bereits im Vorjahr ausgewiesene Vorsorgeaufwand, der im 1. Halbjahr 2018-1 um 28 Millionen Franken höher ausfiel als in derselben Vorjahresperiode. Trotzdem bleibt auf Stufe Ergebnis ein Rückgang um 18 Prozent. „Das zeigt: Wir haben ein sehr herausforderndes erstes Halbjahr erlebt“, schloss Tonini. Das Hauptproblem: Die Printrückgänge – und zwar für einmal nicht nur bei den Bezahlmedien, sondern besonders stark auch bei den Pendlermedien. Tonini sprach denn auch von einem „überraschend starken Rückgang“ des Printwerbumsatzes bei den Pendlermedien, der „mit -16 Prozent noch stärker als bei den Bezahlmedien“ ausgefallen sei. Diesen Rückgang habe man durch das digitale Wachstum im digitalen Bereich der Pendlermedien nur teilweise kompensieren können – so dass in diesem Bereich schliesslich beim Werbeumsatz noch ein Minus von 5 Prozent (-4 Millionen Franken) resultierte. Im Bereich Bezahlmedien betrug das Minus „bloss“ 4 Prozent (-13 Millionen Franken).


Positiv entwickelten sich einzig die digitalen Marktplätze: Vor alle dank JobCloud habe man hier im 1. Semester 2018 um 6 Prozent wachsen können.

Digitalaktivitäten machen schon bis zu 80 Prozent auf EBIT-Ebene aus

All dies führt dazu, dass Tamedia mittlerweile fast 40 Prozent des Umsatzes aus Digitalaktivitäten geniert (Vorjahr 37%). Auf Stufe EBITDA sind es – wegen der unerfeulichen Printentwicklung – gar schon 70 Prozent (Vorjahr 50%), und beim EBIT sogar gut 82 Prozent (Vorjahr 49%). Zwar zeige dies, dass Tamedia in Sachen Transformation schon sehr weit fortgeschritten sei, meinte Tonini lakonisch. Ganz wohl ist ihm dabei aber nicht: „In der Ausprägung ist dieser Sprung natürlich nicht erfreulich, weil er über unseren Erwartungen den Rückgang von Print dokumentiert und dieser Shift noch schneller von statten als wir das geplant haben“, sagte er.

In diesem Zusammenhang wies Tonini auf ein nahendes Problem seiner Bezahlmedien hin: Diese würden bloss noch ein EBIT von 7 Millionen Franken ausweisen, was einer Marge von unter 3 Prozent entspricht: „In diesem Bereich nähern wir uns dem Breakeven“, sagte er. Weitere Kostensenkungen seien deshalb unumgänglich. Diese sollten aber – abgesehen von den bereits angekündigten Entlassungen bei den Editorial Services – vorläufig ohne weitere Kündigungen, jedoch über Stellenstreichungen und natürliche Fluktuation bewerkstelligt werden.

Nur zwei kleine Lichtblicke für die Medien

Bei Pendlermedien fiel die EBIT-Marge zwar ebenfalls von 24 Prozent im 1. Halbjahr 2017 auf aktuell 17 Prozent zurück. „Aber das ist immer noch hohes Niveau“, sagte Tonini – zudem sei er angesichts der Trafficentwicklung auf den Portalen 20minuten.ch und heute.at zuversichtlich für das 2. Halbjahr 2018. Ganz anders die Situation bei den Marktplätzen: Hier konnte Tamedia die EBIT-Marge auf fast 30 Prozent steigern.


Zwei Punkte im Publizistikbereich kommen zwei kleinen Lichtblicken gleich: Betrachtet man allein das Publizistik-Geschäft, dann trägt hier der digitale Teil 18 Prozent zum Umsatz und 23 Prozent zum EBITDA bei. Vor einem Jahr waren es noch 16 und 15 Prozent.#
Ein Lichtblick bei Tamedias-Bezahlmedien: Die Zahl der Digitalabos nimmt zu.
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Ein Lichtblick bei Tamedias-Bezahlmedien: Die Zahl der Digitalabos nimmt zu.
Positiv auch: Tamedia konnte seine bezahlten Digitalabos gegenüber dem 1. Halbjahr 2017 um 55 Prozent auf mittlerweile über 70.000 steigern. Hier gehe es nun darum, bis Ende Jahr 100.000 zu erreichen und beispielsweise Tagespässe in höherwertige Monats- oder Jahresabos umzuwandeln, sagte Tonini.

Aber auch bei den Marktplätzen ist das Geschäft offenbar alles andere als einfach: So machte Tonini insbesondere bei JobCloud und Homegate „gewisse Disruptionsgefahren“ aus, weshalb Investitionen und neue Angebote nötig seien. Bei Doodle investiert Tamedia ebenfalls und verzichtet derzeit sogar „bewusst auf Ergebnisoptimierungen zugunsten des Nutzungswachstums", das man sich vor allem noch im amerikanischen Markt erhofft. knö

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