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BaZ muss gegen 16 Stellen abbauen und einen Spagat wagen

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Weko prüft Übernahme der BaZ durch Tamedia genau
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Weko prüft Übernahme der BaZ durch Tamedia genau
"Die Gunst der aktuellen Leser erhalten und die früheren zurückgewinnen" – dieses Kunststück hat Tamedia der "Basler Zeitung" zum Ziel gesetzt. Wie das konkretisiert werden soll, ist noch offen. Klar ist einzig, dass sie dies mit weniger Personal schaffen soll.
Die Übernahme der "Basler Zeitung" durch Tamedia ist abgeschlossen, dies teilte der Zürcher Grosskonzern heute mit. Nun folge die Integration der BaZ in das Zeitungsnetzwerk von Tamedia. Dies allerdings ist zumindest auf redaktioneller Ebene längst geschehen: Die BaZ übernimmt schon seit Sommer grosszügig Artikel aus Tamedia Deutschschweiz-Redaktion, zudem liefern BaZ-Schreiberlinge auch längst schon Beiträge in diesen redaktionsübergreifenden Pool (HORIZONT Swiss berichtete). Ein fragwürdiges Vorgehen, nahm doch Tamedia diese Integration schon Wochen vor dem Placet der  Wettbewerbskommission vor.


Trotzdem benützt Tamedia in ihrer heutigen Mitteilung konsequent die Futur-Form: "Die Basler Zeitung wird mit einer eigenständigen Redaktion aus Basel über alle lokalen, regionalen und kantonalen Ereignisse inklusive Wirtschaft, Kultur sowie Sport berichten. Sie wird die Perspektive beider Basel zukünftig auch in das Zeitungsnetzwerk von Tamedia einbringen .... Gleichzeitig wird die Basler Zeitung von der Berichterstattung der Redaktion Tamedia über Ausland-, Inland-, überregionale Wirtschafts-, Kultur- und Sportereignisse profitieren."

"Synergien" kosten etwa 16 Stellen

Weiter hält Tamedia erstmals ihre Zielvorgabe an die BaZ vor: Sie soll die Gunst der aktuellen Leser erhalten und die früheren zurückgewinnen." Ein wohl ziemlich hoffnungsloses Unterfangen. Und wie soll das geschehen. Das ist zumindest inhaltlich noch offen. Immerhin plant Tamedia aber Investitionen in den Journalismus – und hier ist die Futur-Form angebracht. Im Fokus werden dabei offenbar der Ausbau des digitalen Journalismus sowie die technologische Infrastruktur stehen, um die Angebote zu erweitern und die Zahl der Digitalabonnemente zu steigern. "Dazu gehören insbesondere die Bereiche digitales Storytelling, Datenjournalismus, Video, Infografik und soziale Netzwerke", beschreibt die Mitteilung die aktuellen Defizit in der BaZ-Redaktion.

Weiter sehe man den Aufbau von Produkt- und IT-Entwicklungsteams vor, die eine verbesserte Usability, die Entwicklung neuer Angebote, eine bessere Sichtbarkeit der Bezahl-Mehrwerte sowie gezielte Marketing- und Pricing-Initiativen vorantreiben. All diese Massnahmen werden im Laufe des ersten Halbjahres 2019 umgesetzt – und haben ganz offensichtlich einen Stellenabbau in Basel zur Folge. Allerdings schrieb Tamedia bloss davon, dass "Synergien geschaffen werden" – durch die Integration des Verlags und der Corporate Services und durch die anstehende Vereinheitlichung der Produktionssysteme, Layouts und Produktionsprozesse. Auf Nachfrage von HORIZONT Swiss bestätigte dann Tamedia-Sprecher Romans Hess: "Betroffen sind max.16 Stellen." Bis Sommer 2019 werde Tamedia jedoch versuchen, den Mitarbeitenden aus den betroffenen Bereichen eine Perspektive zu bieten. "Nicht betroffen sind die festangestellten Journalisten aus der BaZ-Redaktion", fügte er hinzu.


Übrigens: Tamedia prüft auch Möglichkeiten, um speziell den Redaktionsstandort in Basel zu stärken. Was das genau heisst, blieb offen. Auch zur Nachfolge von Chefredaktor Markus Somm gab es auch noch keine weiteren Informationen. pd/knö 
 

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