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BaZ einigt sich mit der Arbeitsmarktkontrolle – und gewährt letzterer ein Selbstinterview

Markus Knöpfli, © knö
Ein ganzseitiges Interview mit dem Verein "Arbeitsmarktkontrolle für das Baugewerbe" (AMKB) - wobei die AMKB sich die Fragen gleich selber stellen darf. Das ist sicherlich kein Ruhmesblatt für die "Basler Zeitung". Der Hintergrund: BaZ und AMKB haben eben erst einen Rechtsstreit aussergerichtlich beendet - vor der Schlichtungsbehörde Basel-Stadt.
Auf der Fontseite der heutigen BaZ ist das ganzseitige Interview mit AMKB-Geschäftsführerin Cosima Thurneysen nicht angekündigt. Und auf der Website baz.ch war es zumindest am Freitag-Vormittag auch nicht zu finden. Kein Wunder: Auf Seite 21 schreibt die BaZ relativ kleinlaut, dass sie den Rechtsstreit mit der AMKB beendet habe. "Diesbezüglich räumt die BaZ der AMKB nachfolgend in einer ‚Carte Blanche' die Möglichkeit ein, zur Berichterstattung insgesamt umfassend Stellung zu nehmen." Ferner fügte sie noch ein Kästchen mit Korrekturen zu ihrer AMKB-Berichterstattung hinzu. Gleichzeitig publiziert sie das Interview mit Thurneysen - unter dem Titel: "Es gibt immer wieder 'Schwarze Schafe', welche die GAV-Bestimmungen nicht einhalten". Darunter steht etwas kleiner, aber vielsagend: "Carte Blanche': Im Interview äussert sich die AMKB-Geschäftsführerin Cosima Thurneysen zur Auseinandersetzung mit der BaZ. Die Fragen stellte die AMKB."
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Im Interview nimmt Thurneysen denn auch zu diversen Vorwürfen der BaZ in der Aera von Markus Somm, die diese in der Vergangenheit wiederholt erhoben hat, Stellung, bezeichnet sie als "Unterstellungen" und "Verunglimpfungen", als Anschuldigungen ohne jegliche Grundlage und kommentiert klipp und klar: "An den Vorwürfen ist nichts dran." Die Basler Kantonsregierung und das Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga Baselland) hätten das ebenfalls bescheinigt. Und weiter sagt Thurneysen: "Die Basler Zeitung war nicht bereit, selbst offenkundige Falschmeldungen zu korrigieren" und habe die "Gebote der Fairness, Objektivität und gewisse journalistische Spielregeln" nicht beachtet.
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Wie das Interview genau zustande kam, ob es Teil der aussergerichtlichen Einigung ist und worauf man sich sonst noch geeinigt hat, darüber war seitens Tamedia nichts in Erfahrung zu bringen.


Anders bei der AMKB. Zum konkreten Inhalt der Einigung will Cosima Thurneysen zwar auch nichts sagen. "Im gerichtlichen Vergleich haben die Parteien Stillschweigen über den Inhalt des Vergleichs vereinbart." Auch auf die Frage, ob denn die AMKB für das Interview habe bezahlen müssen, wiederholt sie zunächst ihre Antwort, fügt dann aber hinzu: "Ich kann Ihnen aber versichern, dass die AMKB nie einen solchen Vergleich eingehen würde, wenn sie für ein Interview bezahlen müsste."

Etwas letztes noch: Was geschieht mit den Artikeln, die die BaZ offenbar fälschlicherweise über die AMKB publiziert hat? Am Freitag waren sie noch abrufbar. Bleibt das so? Dazu Thurneysen.: "Im gerichtlichen Vergleich haben die Parteien Stillschweigen über den Inhalt des Vergleichs vereinbart. Jeder Internet-User kann sich selber ein Bild machen, jetzt oder später." knö
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