"TagesWoche"

Basels "bester Journalismus" erscheint am 16. November zum letzten Mal

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Am 16. November 2018 wird die "TagesWoche" in Basel ein letztes Mal erscheinen, dann stellt sie ihren Betrieb ein, die Herausgeberin Neue Medien Basel AG wird liquidiert, das Personal entlassen. Das kündigte gestern Abend die Verwaltungsräte Oscar Olano (Präsident) und Pascal Mangold auf der Website an.
"Es geht nicht mehr. Die 'TagesWoche' verdient zu wenig Geld. Darum ist dieses einzigartige journalistische Experiment am Ende." Mit diesen Worten beginnt die Mitteilung der beiden Verwaltungsräte auf der Website der "TagesWoche".


Dass gerade jetzt das Aus angekündigt wird, hat wohl zwei Gründe. Der Offizielle: Im Oktober 2017 kommunizierte die "TagesWoche", dass ihr ohne deutlich höhere Mehreinnahmen im März 2020 das Geld ausgehen werde. "Dieser Termin war unsere 'Deadline'", schreiben die beiden Verwaltungsräte. Es habe sich aber lange vor dieserm Termin gezeigt, "dass die fehlenden Einnahmen bei Weitem nicht erwirtschaftet werden können." Deshalb habe die Stiftung für Medienvielfalt der Mäzenin Beatrice Oeri die notwendigen Mittel für einen Sozialplan zur Verfügung gestellt, um die Mitarbeitenden zu unterstützen.
Die Verwaltungsräte Oscar Olano (Präsident) und Pascal Mangold läuten das Ende der "TagesWoche" ein.
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Die Verwaltungsräte Oscar Olano (Präsident) und Pascal Mangold läuten das Ende der "TagesWoche" ein.
Aber es gibt mit Sicherheit auch einen inoffiziellen Grund für das Aus zum jetzigen Zeitpunkt: Erst am letzten Donnerstag hat Tamedia mit Marcel Rohr den neuen Chefredaktor der "Basler Zeitung" angekündigt - und damit auch das definitive Ende der Aera Markus Somm. Es ist deshalb kein Zufall, dass die "Tages-Woche", die sich zwar nie als "Anti-BaZ" verstand, aber ein Stück weit durchaus ein "Anti-Somm"-Blatt war, jetzt, kurz nach dieser Ankündigung, den Entschied zum Aus bekannt gibt. Sie kann so ein Stück weit ihr Gesicht wahren, hat sie doch ihre Aufgabe (zumindest) teilweise erfüllt.

"Die TagesWoche startete 2011 als journalistisches Experiment und hatte eine Vorreiterrolle in Sachen Online", blicken die beiden Verwaltungsräte zurück. Warum es finanziell nicht reichte, begründen sie mit dem Strukturwandel in der Presselandschaft. "Journalismus als Geschäftsmodell wurde immer schwieriger – nicht nur für die 'TagesWoche', die in den letzten sieben Jahren für ehrlichen, anspruchsvollen Journalismus stand und eine unabhängige Stimme war."


Kein Wort verlieren sie aber über das, was dem Blatt am meisten Vertrauen gekostet hat: Dass die "TagesWoche" in den ersten Jahren ihre Auflage tüchtig "frisiert" hat. Als dies rauskam, erlebte das Blatt, das eigentlich den Anspruch hatte, den besten Journalismus in Basel zu bietenbei Lesern und Anzeigenkunden einen Glaubwürdigkeitsverlust, von dem es sich nie erholt hat. knö
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