Swiss Radioday

63 Prozent der Radionutzung erfolgt nun digital

DAB + auf der Überholspur: Dieses Wunschbild der Radiobranche ist noch nicht Realität. In der Deutschschweiz aber sind die beiden Verbreitungsverktoren mittlerweile fast gleich beliebt.
© SRG
DAB + auf der Überholspur: Dieses Wunschbild der Radiobranche ist noch nicht Realität. In der Deutschschweiz aber sind die beiden Verbreitungsverktoren mittlerweile fast gleich beliebt.
Die digitale Radionutzung nahm von Herbst 2017 bis Frühjahr 2018 wieder um 2 Prozentpunkte auf 63 Prozent zu. Das gab die Arbeitsgruppe DigiMig (Digitale Migration) am gestrigen Swiss Radioday bekannt. Das Durcheinander um die möglichen UKW-Abschaltdaten blieb aber ungeklärt.

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) finanziert zwar die Kampagne, die die Bevölkerung schweizweit zum Umhören von UKW auf DAB+ auffordert. Auch hilft es den Radios finanziell beim Umstellen ihrer Technik auf die digitale Verbreitung. Doch Bakom-Vizedirektor Bernard Maissen machte am Swiss Radioday unmissverständlich klar, dass seine Behörde das BEstimmen des Termins, an dem die Radioverbreitung in der Schweiz definitiv von UKW auf DAB+ umgestellt werden soll,alein der Radiobranche überlässt. „Es sind die SRG und die Privatradios, die diesen Zeitpunkt bestimmen. Das Bakom will hier nicht steuernd eingreifen“, sagte er. Man werde zwar beraten. Doch sollte sich die Branche uneinig werden oder sich „verirren“, sei dies nicht die Schuld des Bakom.

Bernard Maissen, Vizedirektor des Bakom.
Markus Knöpfli (Alder, Supino) + zvg. (De Weck), © knö
Bernard Maissen, Vizedirektor des Bakom.
Maissen reagierte mit dieser Aussage auf diverse Branchenplayer, die vorgezogene Abschaltermine erwogen oder in den Raum stellten (teils schon 2021). Der Branchenvertrag sieht vor, dass UKW spätestens am 31.12.20124 abgeschaltet wird.


Am Swiss Radioday wurden zwar kein neuer Umschalttermin, immerhin aber neue Zahlen zur DAB+-Verbreitung und –Nutzung in der Schweiz  präsentiert. Die Studienreihe, bei der jeweils 2500 Personen in der ganzen Schweiz befragt werden, war vor drei Jahren gestartet worden und wird halbjährlich veröffentlicht. Gemäss der jüngsten DAB+-Studie vom Frühjahr 2018 63 von 100 Radiohörern in der Schweiz ihre Sender über digitale Verbreitungsvektoren (DAB+ 34%, Internet 29%), nur 37 Prozent hören noch rein analog (UKW). Das heisst: Gegenüber Herbst 2017 stieg die digitale Nutzung um 2 Prozentpunkte. Verglichen mit 2015, als die Forschung aufgenommen wurde, legte DAB+ somit um 11 Prozentpunkte zu, Internet um 3, und UKW nahm um 14 Prozentpunkte ab. In der Deutschschweiz ist die UKW-Nutzung verglichen mit den andern Landesteilen mittlerweile mit 36 Prozent am tiefsten und vor allem nur noch um 1 Prozentpunkt höher als die DAB+-Nutzung (35%). Es sei deshalb sehr wahrscheinlich, dass DAB+ UKW dereinst als Hauptverbreitungsvektor ablösen wird, meinte Manuel Kollbrunner, Projektleiter Forschungs AG Digitale Migration.

Niklaus Kühne, von SRG Devices, nannte seinerseits Zahlen zur aktuellen Verbreitung der DAB+-Geräte in der Schweiz: Ende 2017 seien es 3,5 Millionen Geräte gewesen, davon rund 1 Million in Autos. Zwar seien in der Schweiz mittlerweile 900 DAB+Radio-Modelle erhältlich, dennoch seien noch immer 26 Prozent aller verkauften Geräte reine UKW-Empfänger. Diese seien allerdings primär im Tiefpreissegment anzusiedeln, meinte Kühne.


Von den rund 400.000 Neuwagen, die in der Schweiz jährlich in Verkehr gesetzt werden, seien zudem noch immer 15 Prozent ohne DAB+-Gerät ausgerüstet. Dennoch: Den jährlichen DAB+-Geräte-Zuwachs bezifferte er mit „rund einer Million“ – 600.000 für den Gebrauch zu Hause, 350.000 in Autos.

Verschiedene Faktoren könnten nun die DAB+-Nutzung begünstigen: Bis Ende 2019 will das Bundesamt für Strassen alle Schweizer Nationalstrassen-Tunnels auf DAB+-Empfang umrüsten. Und schon in diesem Herbst wird das EU-Parlament eine Direktive verabschieden, die von der Autoindustrie DAB+-Geräte in Autos verlangt. knö

 

Seit einem Monat ist Iso Rechsteiner zuständig für die Kommunikation im Bereich DAB+. Auch er wollte nicht darüber spekulieren, wann denn nun das UKW-Ende ansteht. Er sehe seine Aufgabe vielmehr darin, Fakten zusammen zu tragen und zu präsentieren, die der Branche am Ende eine saubere Grundlage für den Umstellungsentscheid liefere. Und erstmals seit Beginn der Diskussion um das UKW-Ende brachte er als Teil der Gesamtkommunikation auch den enormen Materialverschleiss bei der Vernichtung aller heute betriebenen UKW-Geräte ins Spiel: Er sei überzeugt, dass ein gutes Recycling-Konzept mitentscheidend sei für ein gutes Gelingen des definitiven Umstiegs auf DAB+, sagte er.
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