Swiss Radio Day

Kein Radio mehr für Zielgruppen, sondern für Räume und Fussgänger

Valerie Weber, Programmdirektorin des WDR.
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Valerie Weber, Programmdirektorin des WDR.
Hier noch einmal ein Rückblick auf den Swiss Radio Day - bei dem das Thema Smart Speaker ein recht dominantes Thema war. Neben verschiedenen konkreten Praxis-Beispielen stach vor allem Valerie Weber, Programmdirektorin des WDR, mit neuen Überlegungen auf. Künftig müsse man Radio nicht mehr nach Zielgruppen, sondern nach Wohnräume ausrichten, meinte sie.
Audio hat eine goldene Zukunft, zumindest wenn es nach Valerie Weber geht. Denn nicht zuletzt dank KI und Smart Speaker wird die Audio-Nutzung steigen – in allen Altersgruppen um je eine Stunde etwa. Nur hören die Leute dann natürlich nicht immer (lineares) Radio. Umso mehr muss sich Radio darum bemühen, künftig für seine Hörer interessant und unterhaltend zu bleiben. Doch wie?


Die WDR-Programmdirektorin nannte mehrere Ansätze. Etwa, dass sich Radios nicht scheuen sollen, neue Technologien, auch Künstliche Intelligenz, auszuprobieren, um ihre Nutzer und ihre Bedürfnisse besser kennen zu lernen. Vor allem aber plädierte sie dafür, künftig Radio für andere Räume, gemeint sind andere Wohnräume, zu machen. "Heute sind wir die Spezialisten für das Schaf- und Badezimmer und für den Arbeitsplatz", sagt sie. Doch für die Zukunft reiche das nicht. Denn Sprachassistenten stünden künftig in erster in der Küche und im Wohnzimmer herum, dort, wo Radio heute kaum präsent sei. "Wer hört heute noch Radio auf seiner Stereoanlage?", fragte sei rhetorisch.

Doch mit Alexa und Co. würde sich das wieder ändern. Nicht dass die alte Stereoanlage wieder in Betrieb genommen wird, aber dass in der Stube Audio-Dienste genutzt werden – möglicherweise auch Radio. Letzteres aber nur, wenn Radio in der Lage sei, auch für Wohnzimmer und Stuben das richtige Angebot zu bringen. Und dieses müsse sich vom heuteigen Schlaf- und Badezimmer-Sound garantiert unterscheiden. "Radio für Zielgruppen – das war einmal. Jetzt gilt es, Radio für Räume zu machen", sagte sie.


Noch etwas gab Weber zu bedenken: "Der einzige Möglichkeit, Radio mobil zu nutzen, war lange das Auto. Doch die neue Technik erreicht alle überall", mahnte sie. Denn heute habe jeder Fussgänger seine Stöpsel im Ohr – Radio müsse also auch auf Personen, die zu Fuss (oder auf dem Velo) unterwegs sind, zugeschnitten werden, wenn es diese nicht verlieren wolle. Dies aber bedinge "andere Inhalte, ein andere Kuratierung, eine andere Moderation", so Weber.

Ex-Radiomacher Cliff Fuet.
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Ex-Radiomacher Cliff Fuet.
Blockchain und künstlicher Intelligenz für Radio

Einige Beispiele dafür wie sich neuen Technologien auch für Radio einsetzen lassen, zeigte Cliff Fluet, Anwalt der Global Group und Ex-Radiomacher , auf. Blockchain gebe auch den Radios erstmals die Möglichkeit, bestimmte Dienstleistungen direkt zu Monetarisieren, meinte er. Dem Argument, Blockchain sei kompliziert und für Laien unverständlich, hielt er entgegen, dass auch die wenigsten verstünden, wie ihr Handy funktioniere, und trotzdem würden sie es täglich nutzen.

Weiter nannte er eine konkrete Anwendung von KI und Radio: Er demonstrierte ein Tool, das es den Radios ermögliche, Werbespots, die in völlig anderem Sound als der Sender daher kommen und deshalb störend wirken, mittels KI so dem Sound und Rhythmus des Senders anzupassen, dass die Werbung fast fliessend integriert wird und weniger stört.
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