Swiss Media Forum

Ein Plädoyer für mehr Qualität in der Branche

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Nick Hayek im Gespräch mit Patrik Müller, Chefredaktor Zentralredaktion CH Media (v.l.)
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Nick Hayek im Gespräch mit Patrik Müller, Chefredaktor Zentralredaktion CH Media (v.l.)
Beim Swiss Media Forum setzt Nick Hayek einen fulminanten Schlusspunkt unter den ersten Tag. Der CEO der Swatch Group hält ein leidenschaftliches Plädoyer für einen engagierten Journalismus. Und erklärt, wann er Werbegelder in Medien investiert und wieso es mehr redaktionelle Vielfalt statt Einheitsbrei braucht.
Es gibt diese Momente, an denen man denkt: Schade, dass man jetzt nur die Akteure im Livestream am Bildschirm sieht und nicht die Gesichter der Zuhörer vor den anderen Bildschirmen. Das war gestern beim Swiss Media Forum so gegen 17.20 Uhr der Fall. Da ging es bei dem vornehmlich virtuellen Branchenevent schon seit ein paar Minuten um Covid-19, die Kommunikation des Bundesrates und wie die Swatch-Group so durch die Krise kommt. Es war das Aufwärmen für "Wie die Medien innovativer sein können" - das eigentliche Thema der Schlussrunde am ersten Tag des Swiss Media Forums.


CEO Nick Hayek im Plausch mit Patrik Müller, Chefredaktor Zentralredaktion CH Media. Ein paar Tipps, ein paar Impulse. Ein paar Zitate für die sozialen Netzwerke. Kurzweilige, spannende Unterhaltung mit etwas Nutzwert.

So die Erwartungshaltung. Es kam anders. Swatch-Mann Hayek hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für starke Medien und engagierten Journalismus. Man könnte auch formulieren, der CEO der Swatch-Group las Verlegern, Medienmanagern, aber auch Redaktoren die Leviten. Freundlich zwar im Ton, aber hart in der Sache. Vor allem zwei Punkte ärgern den Unternehmer, der Medien auf drei Ebenen begegnet: als Nutzer, als Unternehmer und als Werbeauftraggeber



1. Sparen auf Kosten der Qualität
"Wir brauchen Journalisten, die ihr Handwerk beherrschen", schreibt Hayek der Branche ins Pflichtenheft. Er kritisierte, dass Journalisten nicht mehr aus Zeitgründen nachfragen würden. Zudem würden sich manche mehr Gedanken über Ausgaben machen als über ihre Arbeit. Der wirtschaftliche Druck in der Branche entstünde vor allem, weil die Qualität nicht mehr stimme. Im Mittelpunkt einer Verlagsstrategie dürfe nicht in McKinsey-Manier das Kostensparen stehen, sondern das Entwickeln von Menschen und Titeln. Man müsse die Redaktoren führen, ihnen eine Zielsetzung geben und eine Kultur schaffen, mit der diese sich identifizieren könnten. "Investieren Sie in Ihre Journalisten", rät er an diesem Nachmittag den Zuhörern. "Engagieren Sie gute Leute." Es brauche Menschen, die sich interessieren und neugierig sind. Dass das nicht immer der Fall ist, weiss er aus eigener Erfahrung. "Es gibt viele, die verheizt werden, die ihre Arbeit nicht mehr machen können wie sie sollten."


2. Redaktioneller Einheitsbrei
Es ist das zweite große Thema, das ihm am Herzen liegt. Hayek sorgt sich um die redaktionelle Vielfalt in der Schweiz. Große Konzerne kaufen kleine Titel auf, höhlen diese aus und füllen sie dann mit ihren Inhalten, so seine Beobachtung. Was für Berater und Manager das Heben von Synergien und eine Vergrösserung der eigenen Reichweite ist, stellt für ihn eine "Bankrotterklärung" dar.  "Wir kaufen Marken, weil wir Potenziale in einer Nische sehen", erklärt er seine Motivation bei Zukäufen. Er fordert von den redaktionellen Angeboten eine eindeutige Differenzierung, eine Wiederkennbarkeit - um letztendlich eine Perspektive zu haben, wirtschaftlich und redaktionell. Der Fokus auf die Region ist für Hayek eine der Chancen, die Verlage nutzen sollten, um sich zu positionieren. Eine Appenzeller Zeitung brauche für ihn keinen USA-Korrespondenten. "Ich kaufe die Appenzeller Zeitung nicht, weil ich wissen will, was in den USA passiert. Ich kaufe diese, weil ich wissen will, was in Appenzell und in der Schweiz passiert." Diese Haltung prägt seine Erwartungen an die Medien.  "Wir brauchen Magazine und Zeitungen, die ein klares Profil haben." Ein Satz, der in der Diskussion mit Müller öfters fällt. Vielleicht auch, weil "Für was stehe ich?" bei der Swatch Group eines der eisernen Gesetze ist. "Wir geben jeder Marke - auch einer kleinen - ihre eigene Identität", erklärt Hayek. Will heissen: Es gibt in der Unternehmensgruppe für jede Marke eigene Teams und eigene Werte. Synergien würden allenfalls bei Themen wie der Logistik wichtig.

Me-too-Produkte, in denen das Gleiche steht, sind für den Unternehmer jedenfalls wenig attraktiv. Als Leser nicht und als Werbepartner noch viel weniger. "Sparen und mehr Werbung bekommen, das funktioniert nicht. Wir wollen unser Markengeld in Produkte investieren, die klar identifizierbar sind“, erklärt Hayek.

Das ist für ihn aber nicht nur ein locker dahergesagter Spruch. Als aus dem Chat von den Schaffhauser Nachrichten die Bemerkung kommt, man sei eine unabhängige Zeitung mit Profil, reagiert Hayek prompt. "Kontaktieren Sie mich und dann gibt es einen Termin." mir

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