SWA-Direktor Roland Ehrler

Optimistischer Blick und mehr Support, Daten, Transparenz, Werbefreiheit

SWA-Direktor Roland Ehrler
© zvg/SWA
SWA-Direktor Roland Ehrler
Roland Ehrler, Direktor des Schweizer Werbe-Auftraggeberverbands (SWA), zu den Aussichten im Werbemarkt, dem anstehenden Jahresmeeting und den SWA-Schwerpunkten. 

Herr Ehrler, wir haben den ersten Monat des Jahres 2019 hinter uns und die globale Großwetterlage trübt sich ein: Was bedeutet das für das Schweizer Werbejahr?
Dazu haben wir im Dezember unsere Mitglieder befragt und über 100 haben uns geantwortet. Die Werbungtreibenden sind trotz unsicherer Wirtschaftsentwicklung bezüglich Umsatzentwicklungen recht optimistisch. So rechnet mehr als die Hälfte der Befragten mit einer Umsatzsteigerung und nur ganz wenige mit einem Rückgang. Gleichzeitig melden aber die meisten Mitglieder, dass sie ihre Kommunikations- und Mediabudgets auf dem bisherigen Niveau belassen werden.



Wird es zu dramatischen Verschiebungen im Mediamix kommen?
Diese Frage haben wir dieses Jahr nicht explizit in der Umfrage gestellt. In den Jahren zuvor meldeten die Werbeauftraggeber, dass sie immer mehr Werbegelder in digitale Medien investieren wollen, dies in den meisten Fällen zulasten von Print. Persönlich glaube ich, dass sich dieser Trend fortsetzen wird, wenn auch nicht mehr im gleichen Ausmass wie in den letzten Jahren. Um die Veränderungen in der Mediennutzung genau zu analysieren, sind Werbeauftraggeber weiterhin auf eine unabhängige, aktuelle und verlässliche Medienforschung angewiesen.

Welches sind die aktuellen Herausforderungen der Schweizer Werbeauftraggeber?
Viele Unternehmen befinden sich gerade mitten in einem Transformationsprozess. Dabei gilt es, die richtigen Strategien, besten Mitarbeiter und Partner zu haben und mit den neuhesten Technologien und Möglichkeiten sinnvoll umzugehen. In der aktuellen Umfrage wurden uns die Erreichbarkeit des Zielpublikums, die Komplexität der Kanäle, die digitale Transformation und die Marketing-Automation als grösste Herausforderungen genannt.


Was kann der SWA hier konkret für seine Mitglieder tun?
Sehr viel! Der SWA kann die Anliegen der Mitglieder bündeln und dank seiner Stellung im Werbemarkt bei den richtigen Anspruchsgruppen adressieren. Damit gestalten wir die Rahmenbedingungen aktiv mit, statt eine Situation einfach hinzunehmen …

HORIZONT Report Schweiz
Das Gespräch mit SWA-Direktor Roland Ehrler ist Teil des HORIZONT Report Schweiz, der am morgigen Donnerstag erscheint. Die Redaktion hat neben Ehrler auch zahlreiche weitere Branchenvertreter wie Pietro Supino (VSM), Michi Frank (Goldbach), Christoph Marty (Clear Channel), Veronika Elsener (Victorinox) und René Plug (Admeira) zu ihrem Ausblick 2019 befragt. Ausserdem im Report Schweiz: Schweizer Schokolade auf dem deutschen markt, Warenhäuser, Agiles Arbeiten bei Swisscom, Namics-CEO Bernd Schopp, Limmatkontor, TV- und Radio-Reichweiten, IAB, Werbedruck-Bilanz 2018, Cannes & WerbeWeischer.
… die ähnlich auch in anderen Ländern ist, beispielsweise in Deutschland. Gibt es hier einen Austausch?
Aber ja. Mit der länderübergreifenden Zusammenarbeit, zum Beispiel mit der OWM oder der World Federation of Advertisers (WFA), bündeln wir unsere Kräfte zusätzlich. Hier entstehen Initiativen wie die „Global Media Charter“ oder die „Coalition for Better Ads“, welche dann in den einzelnen Ländern umgesetzt werden können. Mit positiven Auswirkungen für die ganze Werbebranche!

Was planen Sie in den nächsten Monaten?
Neben dem Tagesgeschäft sind wir derzeit intensiv mit den Vorbereitungen unseres SWA-Jahresmeetings vom 14. März beschäftigt. Mit dem Thema „Transform or Die?“ gehen wir der Frage nach, wie viel Transformation die Werbeauftraggeber und deren Partner im Werbemarkt brauchen. Daneben ist der Event das traditionelle Spitzentreffen der Schweizer Werbebranche und viele freuen sich auf den Austausch. Gleichzeitig bereiten wir die Treffen der sechs Fachgruppen vor und bieten unseren Mitgliedern wieder verschiedene Workshops an.

Mit welchen Schwerpunkten?
Unser Grundauftrag bleibt weiterhin die permanente und aktive Interessenvertretung unserer über 180 werbungtreibenden Mitglieder als deren Stimme im Werbemarkt. Dabei liegen in diesem Jahr wieder viele unserer Schwerpunkte im digitalen Bereich.

Das sind die Schwerpunkte des SWA 2019

1. Mehr Support

Der SWA will den Werbeauftraggebern mit seinen Veranstaltungen, Fachgruppen und Workshops noch mehr Inspiration, Support sowie eine Plattform für den Austausch bieten.

2. Mehr Daten

Die Schweizer Medienforschungen müssen den Veränderungen in der Mediennutzung noch stärker Rechnung tragen! Nur aktuelle Leistungsdaten können ihren Status als akzeptierte Mediawährung beibehalten. Die einzelnen Mediagattungen sollten zudem dem Werbemarkt mehr Daten über die konkrete Wirkung von Kampagnen bieten.

3. Mehr Transparenz

Der SWA fordert weiterhin mehr Transparenz, insbesondere bezüglich Visibilität, Ad Fraud, Brand Safety sowie der gesamten digitalen Wertschöpfungskette. Es braucht mehr und effektivere Regeln in der Zusammenarbeit aller Beteiligten, kompatible Messsysteme, Standards und mehr unabhängige Kontrollen.

4. Mehr Werbefreiheit

Wann immer es um neue Gesetze oder Vorschriften geht, will der SWA auch in diesem Jahr die Positionen der Werb-ungtreibenden proaktiv vertreten. Auf der Agenda stehen vor allem das neue Datenschutzgesetz, das Mediengesetz sowie die von der Wirtschaft geforderten Veränderungen in der Preisbekanntgabeverordnung.

 

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