Stumm geschaltet

Facebook, Twitter und Snapchat sperren Donald Trumps Konten

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© Bilder: Pexels
Eigentlich unvorstellbar aber war: Die privaten Social Media Konten des Präsidenten der USA, auf denen er seit Jahren erfolgreich unterwegs ist, sind gesperrt. Der mächtigste Mann der Welt stumm geschaltet. Snapchat ist das neueste Social-Media-Unternehmen, das Trumps Konto gesperrt hat.
Nach dem Sturm auf das Capitol gab Twitter als erstes Netzwerk bekannt, dass es das Konto von Präsident Trump sperren und Trumps persönlichen Zugang zu seiner Lieblingsplattform für 12 Stunden sperren würde. Das Unternehmen löschte auch drei der neuesten Tweets von Trump, darunter eine Videoantwort, die Trump nach dem gescheiterten Aufstand gab. Zudem scheinen inzwischen all jene Tweets gelöscht, in denen Trump die Wahl als gefälscht bezeichnet: "This claim about election fraud is disputed."
Facebook zog nach und sperrte Trump für 24 Stunden von seinem Facebook-Konto aus.
Nun hat auch Snap durchgegriffen und bekannt gegeben, Trumps Konto gesperrt zu haben. Trump ist nicht weiter in der Lage, Beiträge zu posten. Wie The Information berichtet , sagte ein Snap-Sprecher: "Wir können bestätigen, dass wir den Snapchat-Account von Präsident Trump gesperrt haben." Während die Sperre von Twitter 12 Stunden und die von Facebook 24 Stunden beträgt, bleibt die Sperre von Snapchat so lange bestehen, bis das Unternehmen dies für richtig hält.


Trumps verbleibender Social-Media-Account ist YouTube, wo er 2,6 Millionen Abonnenten hat. Bisher scheint sein YouTube-Konto nicht gesperrt. Gegenüber dem Portal Fast Company sagte ein YouTube-Sprecher, man habe ein Video entfernt, das am Mittwoch auf Donald Trumps Kanal veröffentlicht wurde und gegen die Richtlinien in Bezug auf Inhalte verstossen habe, die angeblich weit verbreiteten Betrug oder Fehler enthalten. Der Sprecher sagte weiter, man erlaube Kopien dieses Videos, wenn es mit zusätzlichem Kontext und ausreichendem pädagogischen, dokumentarischen, wissenschaftlichen oder künstlischerischem Wert (EDSA) hochgeladen würde. Um festzustellen, ob sich ein Video für eine EDSA-Ausnahme qualifiziert, werden verschiedene Faktoren untersucht, darunter der Videotitel, die Beschreibungen und der Kontext, der in den Audio- oder Bilddaten des Videos enthalten ist. YouTube schreibt dazu in einem Blogbeitrag: "Manchmal können Videos, die andernfalls gegen unsere Richtlinien verstossen, auf YouTube bleiben, wenn der Inhalt einen überzeugenden Grund mit sichtbarem Kontext für die Zuschauer bietet."

Nicht unumstrittenes Vorgehen

Das Vorgehen der grossen Plattformen ist nachvollziehbar aber nicht unumstritten, weil es die Isolation von Gruppen, in diesem Fall jene der Anhängerschaft von Donald Trump, befeuert. SRF-Korrespondent und USA-Kenner Thomas von Grünigen sagt in der Tagesschau auf die Wirksamkeit dieser Massnahmen angesprochen, Trump verliere damit in der Tat wichtige Kanäle, um seine Botschaften zu verbreiten. Aber, so von Grünigen weiter, müsse man wissen, dass sich Teile seiner Anhängerschaft bereits vor Wochen und Monaten auf eigene soziale Plattformen zurückgezogen hätten, auf denen sie frei und ungehindert kommunizieren können. Das verstärke die Isolierung, was diese Gruppierungen noch weiter weg von der Realität bringe und damit auch weg von Stimmen, die in eine andere Richtung gehen würden. Diese Entwicklung sei nicht unproblematisch. Viele konservative Kreise sähen das nun als Bestätigung dafür, dass die Elite sie ausschliessen wolle von der Kommunikation. Sie sehen sich dadurch in ihrem Widerstand bestärkt. Es ist eine ganz heikle Frage, wie die sozialen Medien mit dieser Situation umgehen sollen, ohne diese noch zu verschlimmern, so die Einschätzung des profilierten SRF-Journalisten.



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