SRG Jahresrechnung 2019

Service Public in Gefahr?

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Stark rückläufige Werbeeinnahmen belasten das Ergebnis von 2019. 2020 dürfte diesbezüglich kaum besser ausfallen.
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Stark rückläufige Werbeeinnahmen belasten das Ergebnis von 2019. 2020 dürfte diesbezüglich kaum besser ausfallen.
Die SRG schliesst das Jahr 2019 mit einem negativen Unternehmensergebnis von 22,2 Millionen Franken ab. Die Plafonierung des Gebührenanteils für die SRG sowie der starke Rückgang der Werbeeinnahmen konnten durch eine deutliche Reduktion der Ausgaben zwar kompensiert werden aber die Restrukturierungskosten belasten nun das Unternehmensergebnis zusätzlich, schreibt die SRG in ihrer Mitteilung.
Der Geschäftsbericht ist wird am 29. April 2020 auf der SRG-Webseite srgssr.ch publiziert werden.
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Der Geschäftsbericht ist wird am 29. April 2020 auf der SRG-Webseite srgssr.ch publiziert werden.

Ein Jahr im Zeichen der Grossproduktionen

Die SRG blickt erneut auf ein ereignisreiches Jahr zurück. 2019 stand programmlich im Zeichen von Grossproduktionen wie den eidgenössischen Parlamentswahlen, dem Schwing- und Älplerfest in Zug, der Fête des Vignerons in Vevey und anderen mehr. Neue Staffeln der Serien «Wilder» und «Quartier des banques» wurden gedreht. Und weitere Serien wie «Helvetica» und «Frieden» sowie mehrere Filme zur Schweizer Zeitgeschichte wurden von der SRG koproduziert.

Ein Jahr im Zeichen der Transformation und des Sparens

2019 war auch ein Jahr der Transformation des Unternehmens mit zahlreichen Projekten wie der Integration von TPC bei SRF per 1. Januar 2020, die Vorarbeiten zur Integration der zentralen Informatikdienste bei SWISS TXT (ebenfalls per 1. Januar 2020) sowie der Entwicklung des Projektes «Campus» in der Westschweiz. Im vergangenen Jahr wurde die Zahl der Kooperationen mit privaten Medienhäusern weiter intensiviert und der «Pacte de l'audiovisuel» zur Förderung der Schweizer Filmproduktion erneuert. 2019 stand aber auch im Zeichen der Umsetzung massiver Kostensenkungen.
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Corona-Krise

Die SRG beantragt für einen Teil der Mitarbeitenden Kurzarbeit

Die Absage sportlicher und kultureller Grossereignisse sowie markante Einbussen bei den Werbeeinnahmen haben gravierende finanzielle Auswirkungen auf die SRG. Die Geschäftsleitung der SRG hat deshalb nach sorgfältiger Abwägung beschlossen, für einen Teil der betroffenen Mitarbeitenden Kurzarbeit zu beantragen. Insgesamt sind 600 SRG-Mitarbeitende vom Arbeitsausfall betroffen.

Plafonierter Anteil an der Medienabgabe schmerzt

Am 18. Oktober 2017 hatte der Bundesrat den Anteil der SRG an der Medienabgabe per 2019 bei 1,2 Milliarden Franken plafoniert. 2017 lag dieser Abgabeanteil noch bei rund 1,25 Milliarden Franken. Eine Reduktion also um 50 Millionen Franken. Nach Berücksichtigung der Mehrwertsteuer führte dies 2019 zu einem Ertrag von insgesamt 1,18 Milliarden Franken für die SRG aus der Medienabgabe. Fazit: Die SRG wird nicht drum herumkommen, den Produktionsapparat zu entschlacken. Die Corona-Krise zeigt, dass Technologien da sind, die neue Formen des Broadcasting ermöglichen. Vor allem "Live" geht vielerorts durch die Decke. Wieso setzt man bei den SRG-Sendern nicht noch viel konsequenter Live-Formate ein?

Im Unfrieden mit dem Werbemarkt

Die Situation am Werbemarkt entwickelte sich im vergangenen Jahr weiterhin unerfreulich. Der Werbeertrag reduzierte sich 2019 um weitere 23,1 Millionen Franken. Gleichzeitig fragmentiert sich die Mediennutzung weiter und die A-la-carte-Nutzung des Programms ist der linearen Werbeform nicht förderlich. Zudem akzentuiert sich der Trend der Verlagerung von Werbebudgets vom linearen Fernsehen zu den internationalen Digital-Plattformen.

Über Pläne, Projekte, Lohnmassnahmen und natürliche Abgänge

Die SRG hatte bereits am 4. März 2018 auf die veränderten Rahmenbedingungen reagiert und einen Reform- und Reinvestitionsplan im Umfang von 100 Millionen Franken lanciert. Im Herbst 2019 musste diese Sparvorgabe aufgrund der weiter rückläufigen Werbeeinnahmen um 50 Millionen auf neu 150 Millionen Franken ausgeweitet werden. Dank der raschen Umsetzung konnten die Kosten mit diversen einschneidenden Massnahmen in allen Unternehmenseinheiten vor allem im Bereich von Distribution, Technik und Immobilien bereits im Jahr 2019 um insgesamt 60 Millionen Franken gesenkt werden. Darunter fällt auch, dass die SRG im vergangenen Jahr auf generelle Lohnmassnahmen verzichtete, was eine Einsparung von 8,4 Millionen Franken ermöglichte. Unternehmensweit wurde 2019 der Personalbestand (Stichtagswerte) um 74 Vollzeitstellen reduziert - dies mehrheitlich über natürliche Abgänge. Fazit: Die Corona-Krise zeigt, glaubwürdige Informationsquellen sind notwendiger denn je. Denn die Welt befinden sich am Rande eines Desinformations-Krieges. Unternehmen, die dagegen halten, sollten bei allen Schwierigkeiten Selbstbewusstsein ausstrahlen. Trotz historisch schlechten Rahmenbedingungen.

Ein Schrecken ohne Ende?

Die Transformation des Unternehmens geht im laufenden Jahr weiter. Die SRG muss sich den veränderten Marktverhältnissen und Nutzungsgewohnheiten weiter anpassen unter Beachtung eines immer enger werdenden Finanzrahmens. Und die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise werden die Situation noch schwieriger machen. 2019 beliefen sich die Restrukturierungskosten auf 36,2 Millionen Franken. Diese Kosten belasten die Jahresrechnung zusätzlich und haben gemeinsam mit den erwähnten Faktoren zu einem negativen Unternehmensergebnis geführt. Fazit: Kann die SRG den Service Public unter diesen, wie man herausliest, prekären Ertragsaussichten, weiterhin erfüllen?


Der Geschäftsbericht wird im Zirkularverfahren den Mitgliedern der Delegiertenversammlung zur Genehmigung zugestellt. Am 29. April 2020 wird dieser auf der Webseite der SRG (srgssr.ch) publiziert.


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