Sport im TV

Hohe Summen, gewagtes Spiel

Weniger Fans der Kufencracks: Während im Schweizer Eishockey 16.000 Begegnungen jährlich stattfinden, werden laut offizieller Statistik an jedem Wochenende etwa 10.000 Fussballspiele ausgetragen
© zvg
Weniger Fans der Kufencracks: Während im Schweizer Eishockey 16.000 Begegnungen jährlich stattfinden, werden laut offizieller Statistik an jedem Wochenende etwa 10.000 Fussballspiele ausgetragen
Im September begannen die Saison 2018/19 der höchsten Schweizer Eishockey-Liga und die Gruppenphase der Fussball-Champions League. Damit ist eine weitere Runde im Kampf um Marktanteile zwischen UPC und Swisscom eröffnet. 
Den Überblick über Sportübertragungen zu behalten, wird schwieriger. Auch in der Schweiz, wo fußball- und eishockeybegeisterte Zuschauer immer häufiger recherchieren müssen: Was gibt’s wann wo für wie viel Geld? Massgeblich daran beteiligt sind die Telekommunikationsanbieter Swisscom und UPC, die TV-Konsumenten mit kostenpflichtigen Angeboten locken. Ein zähes Ringen.


Bei der Swisscom respektive ihrem Pay-TV-Anbieter Teleclub liegen die Übertragungsrechte für die beiden Fussball-Spitzenligen Super League und Challenge League (Preis: 33 Millionen CHF pro Saison bis 2021) sowie für die UEFA Champions League und die UEFA Europa League (bis 2021, diverse Kostenschätzungen). Die exklusiven Live-Übertragungsrechte fürs Schweizer Eishockey verlor der Blaue Riese an ein Konsortium aus UPC und weiteren Kabelnetzbetreibern (35 Millionen CHF pro Saison bis 2022). Deren Sender MySports ist seit der Saison 2017/18 on Air. Gemessen am Interesse an den Sportarten hat die Swisscom die bessere Ausgangsposition, um Kunden zu gewinnen, denn auch unter den Eidgenossen hat der Fußball in der Beliebtheitsskala die Nase vorn.

In der Schweiz ist mit der Swisscom relativ früh ein Telko-Unternehmen ins TV-Geschäft eingestiegen, heute liegt es damit voll im Trend. Die Voraussetzungen für das Geschäft mit bezahlten TV-Inhalten sind laut einer A.T. Kearney-Studie nicht die schlechtesten: Demnach sind die Schweizer eher bereit, für Fernsehinhalte zu bezahlen als ihre österreichischen oder deutschen Nachbarn. Dennoch können die Inhaber der TV-Sportrechte wohl kaum mit einer weitgehenden Refinanzierung ihrer Investitionen durch Abos rechnen. Ein Grund: Der Schweizer Sportfan ist noch nicht so sehr auf Free-TV-Entzug wie etwa der Zuschauer in Deutschland. Ein weiterer: Es bestehen mit Blick auf die Erfahrungen in Deutschland erhebliche Zweifel, ob sich König Fussball tatsächlich als das Zugpferd für Pay-TV erweist. Eine Voraussetzung für erfolgreiches Bezahlfernsehen ist nicht zuletzt, dass Zuschauer ihre Gratismentalität gegenüber dem Produkt TV (jenseits der Empfangsgebühr) ablegen. „Die Bereitschaft, mehrere Abos abzuschließen, reicht für zwei, maximal drei“, erläutert Florian Dickgreber, Partner und Geschäftsführer bei A.T. Kearney. „Den Zuschauer dazu zu bringen, diese Abos und vielleicht noch mehr abzuschließen, ist eine Erziehungsaufgabe.“ Diese wird seiner Meinung nach aber gar nicht aus den Sportrechten heraus gelöst werden, sondern aus anderen Pay-TV-Genres, zum Beispiel über Spielfilm-Angebote wie die von Netflix und Sky. „Und wenn, dann kommt die Erziehung aus dem Over-the-Top-Bereich, nicht aus dem Bereich der klassischen Fernsehsender oder der Telkos mit ihren TV-Angeboten.“


Dass der Fussball einen begrenzten Effekt auf die Abo-Entwicklung hat, weiß auch Swisscom-Chef Urs Schaeppi. Mit Blick auf die Halbjahreszahlen seines Unternehmens und auf die der Konkurrenz stellte er gegenüber der „Berner Zeitung“ fest, „dass Sport kein alleiniges Entscheidungsmerkmal für das TV-Angebot ist. Vielmehr achten die Kunden auf eine bedienungsfreundliche Plattform mit nützlichen Zusatzfunktionen und ein breites Angebot bei den Sendern und mietbaren Filmen“. Dazu passt, dass das Unternehmen nach dem Eindruck des Telekom-Experten Ralf Beyeler vom Online-Vergleichsdienst Moneyland.ch sein Sportangebot werblich bislang vor allem in den Zusammenhang mit seinem erfolgreichen Swisscom TV-Anschluss stellt und weniger unter der Marke Teleclub propagiert. Letztlich geht es nicht nur um Abos, sondern um Kunden, die bestenfalls Verträge für TV, Internet und Mobilfunk in Kombination unterschreiben.

Der Konkurrent UPC lässt sich seinen Sportsender nach eigenen Angaben 60 Millionen CHF pro Jahr kosten. Die Liberty-Global-Tochter und ihre MySports-Distributionspartner hatten laut „Bilanz“ in diesem Frühjahr gerade einmal 50000 Abonnenten. Der Abopreis für UPC-Kunden beträgt 25 CHF pro Monat. Das Investment in die Exklusivrechte für Schweizer Eishockey ist gewagt und beruht wohl auf einer unerfüllten Hoffnung: „Ex-UPC-CEO Eric Tveter hat auf ein Tauschgeschäft spekuliert“, sagt Beyeler. „Für die Überlassung von Übertragungen aus der National League hoffte er auf Sublizenzen für die Fussball-Rechte. Die Rechnung ist jedoch nicht aufgegangen.“ Nun ist die UPC von der Strategie abgerückt, Swisscom-Kunden von Eishockey-Übertragungen weitgehend abzuschneiden: Sie erlaubt via Sky Sport App den Zugriff auf „MySports Go“ und so auf alle Spiele der National League. Vom MySports-Distributionspartner Quick-line gibt es jetzt eine günstigere App namens YUU für 19,90 CHF pro Monat, mit der der Nutzer die Begegnungen unabhängig vom Provider live schauen kann – OTT-Lösungen sollen Erste Hilfe leisten.uf
stats