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Chefredaktor Philipp Wyss nimmt gegenüber Horizont Stellung

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Philipp Wyss ist neu Chefredaktor des Medienkanals Online und Print.
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Philipp Wyss ist neu Chefredaktor des Medienkanals Online und Print.
Die Medienfamilie Südostschweiz legt ihre Medienkanäle Online und Zeitung organisatorisch zu einem neuen Kanal zusammen. Dieser bedient neu die digitalen Medien und die Printausgaben der Südostschweiz. Wir haben Chefredaktor Philipp Wyss gefragt, wer profitiert, welche neuen Chancen sich für Mitarbeitende ergeben und was schwerfiel.
Worin sehen Sie den Mehrwert der Zusammenlegung für den Medienkonsumenten? Journalisten erzählen Geschichten. Heutzutage erscheinen diese Geschichten in weit mehr und weit unterschiedlicheren Kanälen, als noch vor einigen Jahren. Zeitung und Online spielen unter anderem beide Geschichten in Textform aus. Unser Ziel ist es, bis jetzt gemachte Doppelspurigkeiten zu vermeiden.

 Welchen Nutzen bringt die Zusammenlegung für Ihr Unternehmung? Künftig soll eine Journalistin ein Thema für die «Bündner Zeitung» und für «suedostschweiz.ch» schreiben. Und ein anderer Journalist macht dasselbe mit einem anderen Thema. Erst in einem zweiten Schritt entscheiden wir dann, was wir wo ausspielen. Bisher haben oft ein Zeitungs- und ein Online-Journalist über dasselbe Thema geschrieben, womöglich noch gleichzeitig. Die neue Redaktion ist personell grösser, was am Ende des Tages mehr Geschichten ergeben wird – für unsere Leserinnen und Leser.

Welche neuen Chancen bieten sich dadurch Ihren Mitarbeitenden? Da die interne Umstrukturierung kein Sparprogramm ist, behalten alle ihren Arbeitsplatz. Unsere Idee ist es, die Leute dort einzusetzen, wo sie ihre Kompetenzen und Stärken haben. So wird in Zukunft ein Newsjournalist wohl eher weniger einen langen Hintergrund für die «Südostschweiz am Wochenende» schreiben, oder eine Jagd-Spezialistin einen Coronavirusticker für unsere Website betreuen. Wer aber über den heutigen Tellerrand hinausschauen mag, dem werden wir die Möglichkeit im anderen Kanal nicht verwehren. Welche Entscheidung im Zusammenhang mit der Zusammenlegung ist Ihnen am schwersten gefallen? Wir standen vor der Tatsache, dass beide Redaktionen gut funktionieren. Auch denke ich, dass die Anfangsskepsis bei den meisten Journalisten nach bald fünf Jahren im neuen Medienhaus der Erkenntnis gewichen ist, dass die Zeitung nach wie vor eine Daseinsberechtigung hat, und die Website ihre eigene Daseinsberechtigung längst unter Beweis gestellt hat. Darum war es nicht ganz einfach, diese beiden Teams aufzugeben und in einem neuen Team einfliessen zu lassen.

Welches war der beste Moment, jetzt im Rahmen der Reorganisation? Es gibt nicht einen besten Moment. Zuerst war da die Anfrage des neuen publizistischen Leiters, Reto Furter, ob ich den Job machen will. Dann die Unterstützung jener Leute, die ich in den Entscheidungsprozess einweihen konnte. Und seither alles, was schon gekommen ist, aber auch alles, was noch kommen wird. Ich freue mich auf die Diskussionen und Prozesse, die wir nun anstossen. Am meisten aber auf die Menschen, mit denen ich weiterhin zusammen arbeiten kann, und auf jene mit denen ich neu zusammenarbeiten darf. Journalismus ist wohl einer der spannendsten Berufe. Dahinter stehen Menschen. Wir verbreiten Nachrichten, gute und auch schlechte. Inmitten dieser Aufgabe mitbestimmen zu können, ist stets ein guter Moment.
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