Schweizer Automarkt

Für die Autobranche war 2020 das schlechteste Jahr seit über 40 Jahren

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Die alternativen Antriebe gewinnen in der Schweiz im Jahr 2020 an Bedeutung
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Die alternativen Antriebe gewinnen in der Schweiz im Jahr 2020 an Bedeutung
Die Bilanz für den Schweizer Automarkt hat es in sich. 2020 lieferte für die Branche mit 236.828 Neuzulassungen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein das schlechteste Ergebnis seit über 40 Jahren ab. Damit gingen die Verkäufe gegenüber 2019 um 24 Prozent zurück. Und das betrifft alle Hersteller. Bis auf BMW Alpina kann keine Marke unter dem Strich ein Plus aufweisen. Immerhin: Mit einem Marktanteil von 28,2 Prozent erreichen die alternativen Antriebe ein neues Rekordniveau. Das geht aus den aktuellen Zahlen von Auto-Schweiz hervor.
Es ist keine grosse Überraschung. Die Corona-Pandemie hat der Autobranche in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein das Geschäftsjahr 2020 massiv verhagelt. Nach den aktuellen Zahlen von Auto-Swiss ging die Zahl der Neuzulassungen um 24 Prozent auf 236.828 Einheiten zurück. So wenige Autos sind zuletzt in der Ölkrise Mitte der 1970er Jahre in beiden Ländern auf die Strasse gekommen. Das Marktniveau liegt damit leicht unter den von auto-schweiz erwarteten 240.000 Immatrikulationen. Daran hat auch der relativ starke Dezember nichts mehr geändert, der immerhin knapp 29.500 Neuzulassungen gebracht hatte. Der vergangene Monat war damit zwar der stärkste im gesamten Jahr 2020, lag aber dennoch 15,4 Prozent unter dem Dezember 2019.


Das Gesamtergebnis spiegelt sich auch bei den einzelnen Marken nieder. Lediglich BMW Alpina kann auf niedrigem Niveau in 2020 mit 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein Plus bei den Immatrikulationen vorweisen. Alle andere Marken verzeichnen zum Teil heftige Einbrüche. Mini steht mit einem Minus von 0,2 Prozent im Jahresvergleich stabil da. Gleiches gilt für Tesla, das gegenüber 2019 nur 0,3 Prozent verliert. Die Sportwagenmarke Porsche, die sich fast das ganze Jahr gegen den Negativtrend gestemmt hatte, büsst am Ende 1,3 Prozent ein. Volvo und Renault verzeichnen mit Rückgängen von 4,8 Prozent und 5,5 Prozent eine noch verkraftbare Bilanz.
„Beim Gesamtmarkt gehen wir von einem Niveau von 270.000 Immatrikulationen aus.“
Christoph Wolnik, Auto-Swiss
Ganz anders sieht es bei Marken wie SsangYong und Smart aus. Hier stehen Einbrüche von 98,1 Prozent beziehungsweise 76,8 Prozent in der Immatrikulationsbilanz. Hart gebeutelt werden aber beispielsweise Jaguar (-52,2 Prozent), Honda (-48,3 Prozent) und Subaru (-47,8 Prozent). Selbst Marktführer VW verliert mit 26.417 Einheiten fast ein Viertel bei den Neuzulassungen. Einziger Trost sind da die Dezemberzahlen. Hier meldet Auto-Swiss für den Wolfsburger Autobauer ein Plus von 13,1 Prozent. Stark unterwegs war im vergangenen Monat auch Mini mit einem Plus von 17,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Absoluter König bei den Neuzulassungen im Dezember ist allerdings Aston Martin. Die kriselnde Luxusmarke mit James Bond-Flair, bei der Daimler Ende Oktober als Investor eingestiegen war, kommt bei den Immatrikulationen auf ein sattes Plus von 300 Prozent. Ob sich da der ein oder andere Käufer ein Weihnachtsgeschenk vor den Baum gestellt hat?

Die Bilanz 2020 hat allerdings noch eine andere spannende Nachricht. Die Schweizerinnen und Schweizer setzen bei den Neuzulassungen immer stärker auf alternative Antriebe. Aktuell liegt deren Marktanteil bei 28,2 Prozent. Das ist ein neuer Rekord. Insgesamt kamen im abgelaufenen Jahr 66.687 Fahrzeuge mit Alternativ-Antrieb auf die Strassen. Das sind 63,8 Prozent mehr als 2019. Die Schweizerinnen und Schweizer liessen dabei vor allem Plug-in-Hybride zu (+238,6 Prozent). Ein starkes Wachstum mit 48,2 Prozent verzeichnen auch die rein elektrischen Modelle und Hybridautos ohne Lademöglichkeit (+46,1 Prozent). Zudem stehen in der Bilanz 42 neue Wasserstoffautos, 17 mehr als 2019. Lediglich Gas-Fahrzeuge mit CNG-Antrieb müssen bei den Alternativen mit einem Rückgang von 55 Prozent Einbussen hinnehmen.


Für 2021 erwartet Auto-Swiss eine Erholung des Marktes. "Beim Gesamtmarkt gehen wir von einem Niveau von 270.000 Immatrikulationen aus. Diese Schätzung basiert allerdings auf der Annahme, dass die negativen Folgen der Covid-19-Pandemie möglichst bald eingedämmt werden", erklärt Sprecher Christoph Wolnik. Dagegen erwartet der Verband bei dem alternativen Antrieben kein weiteres sprunghaftes Wachstum. Warum das so ist, begründet Wolnik so: "Die Modellauswahl wird nicht so schnell weiterwachsen wie 2020, zudem sind viele Kundinnen und Kunden gerade bei Antrieben ohne Verbrennungsmotor nach wie vor zurückhaltend. Die meist geringen Förderungen in Kombination mit dem zu langsamen Ausbau der Ladeinfrastruktur sind immer noch Hindernisse, die es zu überwinden gilt." mir

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