Schliessung Manor Bahnhofstrasse

Grosse Betroffenheit nach Manor Filialschliessung

© Baugeschichtliches Archiv, 2013
Zürich ist wichtig für Manor und Manor ist wichtig für Zürich. Das Warenhaus an allerbester Lage liegt den Zürcherinnen und Zürcher am Herzen. So lässt sich eine erste Sichtung der News- und Kommentarspalten in Zürichs Newsmedien zusammenfassen. Fakt ist: Die Manor Filiale an der Bahnhofstrasse Zürich schliesst Ende Januar 2020 nach 35 Jahren, wie heute Montag morgen bekannt wurde.

Kaufofferte zurückgewiesen

Selbst eine zuletzt eingereichte Kaufofferte von Manor über eine halbe Milliarde Franken konnte die Hausbesitzerin Swiss Life nicht umstimmen. Wohl zu attraktiv ist die Lage des 1912 erbauten Gebäudes an der Bahnhofstrasse 75 bis 79.

Suche nach neuem Standort läuft

Die Suche nach einem neuen Standort gestaltet sich als schwierig. CEO Jérôme Gilg dazu an der Pressekonferenz: "Man ist bereit, auch kleinere Flächen zu betreiben, jedoch nicht unter 5000 Quadratmeter. Hauptsache im Herzen der Stadt um die Bahnhofstrasse. Der Einzug ins Globusgebäude ist derzeit kein Thema."

290 Mitarbeitende betroffen

290 Manor-Mitarbeitende sowie rund 190 Mitarbeitende eingemieteter Firmen sind von der Schliessung betroffen. Manor hat für umliegende Filialen einen Einstellungsstopp verfügt und hofft so, möglichst viele der Mitarbeitenden in nahegelegenen Filianen unterzubringen. 90 Stellen sind derzeit in den umliegenden 16 Filialen vakant. Gemäss Personalleiter Lorenzo Plumettaz hilft Manor bei der Stellensuche in anderen Detailhandelsgeschäften. Man führe dazu auch Gespräche mit Coop und Migros.

Scharfe Kritik von der Unia

Scharfe Kritik übt die Gewerkschaft Unia. In einer Mitteilung schreibt sie: "Es ist nicht nachvollziehbar, dass Manor nun erwägt, das Personal zu entlassen. (...) Es liege nahe, dass die Schliessung des Standorts ein Vorwand ist, um Personal zu reduzieren." Das Unternehmen strauchle wegen der Digitalisierung schon länger.

Swiss Life kontert Kritik

Die Swiss Life schreibt in einer Mitteilung: "Es ist  nicht unsere Aufgabe ein Unternehmen zu subventionieren." Manor habe 8 Jahre Zeit gehabt, einen neuen Standort zu finden.

Keine Sieger

Für Manor CEO Jérôme Gilg ist es ein "Schwarzer Tag". Für die Zürcher Stadtentwicklerin Anna Schindler ist die Schliessung "extrem schade": "Es ist ein Verlust für die Kundinnen und Kunden, natürlich für die Angestellten und die Angebotsvielfalt an der Bahnhofstrasse." Und in den Kommentarspalten und in den Social Media Feeds dominieren jene Konsumentenstimmen, die Betroffenheit über die Schliessung und Unverständnis für die Haltung der Swiss Life zum Ausdruck bringen. Hier einige Zitate:


Ein User auf Twitter mit @swisslife_group - "Es ist eine Schande, dass Swiss Life keine einvernehmliche Lösung mit Manor gefunden hat!" Ein anderer: "Interessanterweise sinkt das internationale Niveau der Bahnhofstrasse mit jeder Aktion zur Renditemaximierung." Ein Tages-Anzeiger-Leser kommentiert: "Swiss Life. Aha. Dei sollten den Namen Swiss etwas zurückhaltender Ausführen."

Aber es gibt auch Kommentare, die Verständnis für die Haltung der Swiss Life aufbringen: "Wer von denjenigen, die sich hier beklagen, würde auf rund 12 Millionen mehr Miteinnahmen verzichten, nur damit Manor an der Bahnhofstrasse bleiben kann?"

Manor Bahnhofstrasse ist einer von Zürichs Love Brands

Aber klar, die Enttäuschung über die Schliessung überwiegt und sie ist gross. Manor ist für Zürich ganz offensichtlich ein, wie es Ex-Saatchi & Saatchi CEO Kevin Roberts sagen würde, LOVE BRAND. Roberts stellte in seinem 2004 publizierten Buch Der Lovemarks-Effekt die Theorie auf, dass es vor allem drei Faktoren sind, die Marken zu Love Brands machen:


Mystik? Erzählt die Marke eine Geschichte? Inspiriert ihr Storytelling den Konsumenten und verleitet ihn vielleicht sogar zum Träumen? Jeder von uns, der um oder in Zürich lebt, verbindet mit Manor irgend eine Geschichte. Sinnlichkeit? Ist die Marke mit den Sinnen erfassbar? Hat sie einen eigenen Sound, ein typisches Aussehen oder eine bestimmte Haptik? Warenhäuser leben von Gerüchen. Vor allem zur Weihnachtszeit: Der Geruch der kalten Strasse vermischt sich im Parterre mit den Düften aus der Kosmetikabteilung. Und aus der Ferne klingeln die Glocken des Weihnachtsmannes. Intimität? Ist es dem Kunden möglich, eine emotionale Beziehung durch Empathie, Leidenschaft und Hingabe zur Marke aufzubauen? Dafür hätten wir uns diesen Moment der Schliessung sparen können. Aber der (emotionale) Wert zeigt sich (leider) häufig erst im Verlust.

Manor ein Love Brand? Die Filiale von der Bahnhofstrasse auf jeden Fall, wie die Reaktionen zeigen. Diese Chance gilt es zu nutzen. Ein sehr kleiner Trost für den Moment aber eine womöglich umso grössere Chance für die Zukunft.
© Baugeschichtliches Archiv, 2013
 













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