Sanitas-Studie

Akzeptanz der Digitalisierung steigt

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Von der Digitalisierung zumindest teilweise verunsichert, sind allerdings noch 70 Prozent
© Monitor «Datengesellschaft und Solidarität 2021»
Von der Digitalisierung zumindest teilweise verunsichert, sind allerdings noch 70 Prozent
In der Bevölkerung wird eine optimistischere Sicht auf die digitale Transformation erkennbar. Das hat aber offenbar nicht nur mit den Folgen der Corona-Pandemie zu tun, wie eine Studie der Stiftung Sanitas Krankenversicherung zeigt.

Die Entwicklung zu einer positiveren Einschätzung des digitalen Wandels entspricht einem längerfristigen Trend. Noch 2018 waren nur 35 Prozent der Menschen in der Schweiz der Ansicht, dass die Digitalisierung vor allem Fortschritt und neue Möglichkeiten bringt. Jetzt teilen 47 Prozent diese Ansicht, wie aus der Studie "Datengesellschaft und Solidarität 2021" hervorgeht. Die optimistische Sichtweise hat jedes Jahr etwas mehr Rückhalt gewonnen.


Für den Monitor hat die Forschungsstelle Sotomo im Auftrag der Stiftung Sanitas Krankenversicherung vom 8. bis 18. Januar dieses Jahres insgesamt 2344 Menschen online befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Entwicklung zu einer positiveren Einschätzung des digitalen Wandels von Jung bis Alt und unabhängig vom Geschlecht feststellen lässt. Dennoch gehören immer noch die Jüngeren und die Männer häufiger zu den Digitalisierungsoptimisten als ältere Befragte und Frauen.

Zugleich hat der digitale Leistungsdruck der Untersuchung zufolge abgenommen. Waren es Anfang 2020 noch besonders die Jüngeren, die durch den Druck des digitalen Wandels verunsichert und gestresst waren, zeigt sich mitten in der Pandemie nun ein ganz anderes Bild: Am Arbeitsplatz, im Gesundheitsbereich, bezüglich Sozialer Medien wie
Instagram und Facebook, aber auch im Sport empfand die Bevölkerung im Januar 2021 deutlich weniger subjektiven Leistungsstress durch die alltägliche Lebensvermessung. Der Druck durch Überwachungs- und Vergleichsmöglichkeiten mittels digitaler Anwendungen hat sich in Zeiten von Homeoffice und Social Distancing deutlich entspannt. Besonders ausgeprägt ist der Rückgang des gefühlten Leistungsdrucks am Arbeitsplatz von 45 auf 18 Prozent für alle Altersgruppen.

Überraschend ist, dass die Corona-Pandemie den Sozialen Medien keinen Schub verschafft hat. Bei den Jüngeren hat sich die Nutzung von Social-Media-Kanälen gegenüber dem Vorjahr besonders stark reduziert (von 92% auf 80%). Zudem empfinden nur noch halb so viele junge Menschen zwischen 18 und 35 Jahren zusätzlichen Leistungsdruck wegen Social Media wie Instagram und Facebook (20% vs. 39% im Vorjahr). Die erzwungene Entschleunigung ist nach Meinung der Studienautoren zum Gegenmittel zur sogenannten Fear of Missing Out (FoMO) geworden - der Angst, etwas zu verpassen.

Demgegenüber hat sich die Nutzung der Videotelefonie, beispielsweise via Zoom, innerhalb eines Jahres von 33 auf 59 Prozent verdoppelt mit geringen Unterschieden zwischen den Altersgruppen. Streamingdienste wie Netflix scheinen auch bei den über 35- und über 55-Jährigen stetig mehr Anklang zu finden. Deren Nutzung stieg auf 61 beziehungsweise 30 Prozent.

Ein weiteres Ergebnis: Obwohl die allgemeine Verunsicherung gegenüber dem digitalen Wandel weiter abgenommen hat, bleibt die Skepsis bezüglich des Sammelns und  Weitergebens persönlicher Daten gross. Den Pandemie-Erfahrungen des vergangenen Jahres zum Trotz gilt dies auch für das Teilen von Daten zur  Nachverfolgung von Ansteckungsketten wie in der SwissCovid-App oder bei Online-Registrierungen in Restaurants. Der persönliche Nutzen, beispielsweise in Pandemie-Zeiten Zugang zum Restaurant mittels
Online-Registrierung zu erhalten, ist stark ausschlaggebend, ob man seine Daten teilt. Persönliche Vorteile verdrängen somit grundlegende Bedenken bezüglich Datenmissbrauch. Äusserst erstaunlich ist nach Meinung der Studienautoren zudem, dass 45 Prozent der Befragten es begrüssen würden, in einer weiteren Pandemie Handyüberwachung nach asiatischem Vorbild (mit reduziertem Datenschutz) gegen die Ausbreitung einer Krankheit einzusetzen - mit dem Ziel, die Alltagsfreiheiten möglichst zu behalten.

Der vollständige Bericht zum Monitor "Datengesellschaft und Solidarität 2021" ist hier zu finden.

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