Rüge des Presserats

Kinder beim Namen nennen geht gar nicht

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© lisa runnels auf Pixabay
Die Namen von Minderjährigen zu veröffentlichen und sie zu identifizieren ist ohne ein überwiegendes öffentliches Interesse nicht zulässig. Es verstösst gegen den Journalistenkodex. Selbst wenn andere Medien deren Namen bereits erwähnt haben, rechtfertigt dies eine Namensnennung nicht, da es Kindern erheblich schaden kann.

Beschwerde gegen Online-Portal gut geheissen

Der Schweizer Presserat bekräftigt dies nachdrücklich und heisst eine Beschwerde gegen das Tessiner Online-Portal «Tio.ch» gut. Am 4. Januar dieses Jahres berichtete die Website über eine angebliche Tessiner Betrügerin, die ihre Opfer als provokative Autostopperin lockte und vorgab, sie brauche Geld für die medizinische Behandlung ihrer Kinder. Der Artikel - der einen früheren Beitrag aktualisierte - enthielt detaillierte Informationen über die Frau, einschliesslich der Tätowierung der Namen der beiden Kinder auf ihrem Arm. Die Erwähnung dieser sehr ungewöhnlichen Namen, kombiniert mit anderen Informationen über die Mutter und ihre Wohngegend, macht die beiden Kinder in ihrem sozialen Umfeld und darüber hinaus erkennbar.


Das Online-Portal hat daher gegen Ziffer 7 (Achtung des Privatlebens) der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» verstossen und insbesondere gegen die Richtlinien 7.2 über die Identifizierung und 7.3, die einen stärkeren und besonderen Schutz von Kindern fordert.

Über den Schweizer Presserat

Der Schweizer Presserat besteht aus 21 Mitgliedern. Sechs Mitglieder sind Publikumsvertreter, welche keinen Medienberuf ausüben. Die übrigen Presseratsmitglieder sind Medienschaffende. Im Presserat sind alle Sprachregionen der Schweiz vertreten. Das Gremium tagt in drei siebenköpfigen Kammern. Sie diskutieren und beurteilen die eingegangenen Beschwerden auf Basis der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten». Der Schweizer Presserat arbeitet mit Ombudsstellen von Schweizer Medien, mit ausländischen Presseräten und weiteren ähnlichen Institutionen zusammen. Die Stiftung «Schweizer Presserat» gewährleistet die finanziellen, inhaltlichen und organisatorischen Grundlagen des Schweizer Presserates. Die Träger der Stiftung sind:

  • Impressum, Die Schweizer JournalistInnen
  • SSM, Syndikat Schweizer Medienschaffender
  • Syndicom
  • Verein «Konferenz der Chefredaktoren»
  • Verlegerverband «Schweizer Medien»
  • SRG SSR

Die Träger sind entsprechend ihrer Zuwendung mit einer gewissen Anzahl Mitglieder im Stiftungsrat vertreten. Der Stiftungsrat tritt mindestens einmal jährlich zusammen und besteht aus 18 Mitgliedern. Die Geschäftsstelle organisiert die Arbeit des Presserats und der drei Kammern. Zudem ist sie Ansprechpartnerin für Beschwerdeführende, Journalisten, Verleger, Partner und für die Öffentlichkeit.


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