Ringier übernimmt Admeira

Roger Baur über seine neue Rolle

   Artikel anhören
Roger Baur ist Director Reach-Sales bei Admeira und neu auch Director Customer-Relation bei Admeira Broadcast und Ringier Print+Digital
© Ringier
Roger Baur ist Director Reach-Sales bei Admeira und neu auch Director Customer-Relation bei Admeira Broadcast und Ringier Print+Digital
Vergangene Woche wurde bekannt, dass Ringier die Werbevermarkterin Admeira komplett übernimmt. Admeira "Broadcast" konzentriert sich auf die TV-Vermarktung. Alle Print- und Digital-Inventare sind bei der Ringier "Print+Digital". Roger Baur ist neu Director Customer-Relation beider Einheiten. Der ehemalige IAB-Direktor spricht über seine neue Aufgabe, den Job und weshalb zwischen TV und Digital gar keine so grossen Unterschiede sind.
Herr Baur, haben Sie es schon bereut, vom IAB weggegangen zu sein? Die letzten Tage waren für Ihren neuen Arbeitgeber Admeira alles andere als ruhig. Ich hatte bereits letzten Sommer den Entschluss gefasst, den IAB zu verlassen. Unabhängig von dem, was ich in Zukunft machen wollte. Zu diesen Zeitpunkt stand also noch nicht fest, wo die Reise hingeht, da ich mit meiner Firma und meinen Mandanten noch immer genügend Projekte hatte.


Waren Sie eingeweiht in den Vorgang? In die Übernahme direkt nicht.

Worin besteht Ihre Aufgabe? Meine wichtigste Aufgabe ist das Zuhören!  Seit Jahren berate ich Unternehmen und höre dabei immer das gleiche: Die Vermarkter hören nicht zu, wenn sie äussern, was sie wollen, sondern sie sagen ihnen, was sie tun sollen. Meine Aufgabe ist es, zu verstehen, was die Agenturen und Werbekunden wünschen und an übergreifenden Lösungen benötigen.


Wie positionieren Sie sich? Wir verstehen uns als Partner, der die Agenturen und Werbekunden zur bestmöglichen Lösung begleitet. Insbesondere die Agenturen müssen wir noch besser verstehen lernen. Sie haben die Gesamtsicht auf den Markt und die Medien, machen die Strategien, planen und buchen die Kampagnen, zusammen mit den Auftraggebern, die am Ende entscheiden. Ich bin der Mann für die Agenturen, weil ich sie verstehe, gut kenne und zwar auch international und nicht nur aus der Schweiz.

 
Herr Baur, Hand aufs Herz, was verstehen Sie als Vollblutdigitaler vom Broadcasting? In allen Unternehmen, in denen oder für die ich tätig war, habe ich jeweils alle Medien bespielt. Seit 35 Jahren bin ich im Medienmarkt und seit 20 Jahren im Digitalmarkt. Ich war zwei Jahre in einem Unternehmen, das TV vermarktet hat. Vor 15 Jahren habe ich das erste digitale Out-of-Home-Netzwerk mit aufgebaut in der Schweiz. Ich verstehe, wie die Vertriebsorganisationen funktionieren, wie die Wertschöpfung funktioniert und ich kann sagen, wir haben Top-Leute bei Admeira und wir sind bereit.
„Meine Aufgabe ist es, zu verstehen, was die Agenturen und Werbekunden wünschen und an übergreifenden Lösungen benötigen.“
Roger Baur, Director Customer-Relation Ringier+Digital und Admeira Broadcast
Jetzt tauschen Sie unternehmerische Freiheit ein gegen goldene, erlauben Sie den Begriff, Managementfesseln. Da steckt mehr dahinter als Freude an einer «neuen Herausforderung». WIESO tun Sie das? Seit 15 Jahren arbeite ich mit Ringier in verschiedenen Bereichen zusammen und ich habe mich dabei stets wohl gefühlt. Ich habe erlebt, wie Ringier bei Scout24 einstieg und es verstand, die Firma basierend auf der bestehenden Kultur weiterzuentwickeln. Dass ich den Schritt jetzt mache, hat viel damit zu tun. Ringier ist ein Familienunternehmen mit Visionen und viel Unternehmertum. Beides bringe ich mit ein, beides ist willkommen hier und beides ist Voraussetzung, damit ich meine Aufgabe als Brückenbauer zwischen Print+Digital und Broadcast erfüllen kann.

Aus aktuellem Anlass: Warum soll ein Kunde bei Blick-TV buchen? Weil die Lancierung eines TV-Kanals, der den Nutzergewohnheiten auf dem Smartphone entspricht, eine geniale Idee ist. Bewegtbild ist hier nicht bloss skizzierte Zukunft, Bewegtbild ist umgesetzte Realität. Kombiniert mit der starken Marke «Blick» werden wir ein sehr erfolgreiches Werbeumfeld schaffen. Davon bin ich überzeugt.

SWA-Direktor Roland Ehrler sagt, was er nach der Übernahme von Admeira durch Ringier erwartet: «Die bisherigen crossmedialen Angebote für die Werbeauftraggeber sollen beibehalten werden.» Geht das in der neuen Struktur? Danke für die Frage. Genau darin, dies sicherzustellen und weiterzuentwickeln, besteht eine meiner Hauptaufgaben. Ich bin mit meinem Team verantwortlich für die Entwicklung und Koordination crossmedialer Kampagnen und Vereinbarungen. Wir werden die bestehenden crossmedialen Lösungen weiterentwickeln und Neues kreieren und dies, ganz wichtig, nicht im stillen Kämmerlein, sondern in enger Zusammenarbeit mit Agenturen und Werbeauftraggebern. Hier sind wir sehr offen. Alles soll sich um lösungsorientierte Konzepte drehen und ich fungiere hier als Eintrittsfenster.
„Es geht immer darum, den Kunden bestmöglich zu unterstützen. Das ist meine wichtigste Botschaft. “
Roger Baur, Director Reach-Sales bei Admeira
Rivella-Marketingchef Thomas Warring sagt uns: «Bei Bedarf werden wir für digital journalistischen Content auf den Ringier Plattformen mit diesem Team in Kontakt treten." Wie kann ein Paket für Rivella konkret ausschauen? Rivella ist ein gutes Beispiel für ein Unternehmen mit zwei Werbezielfeldern: Markenentwicklung und Abverkauf. Für beide sind wir gut aufgestellt, weil wir das ganze Spektrum an Medien anbieten, die helfen können.

Was passiert dann? Ich habe einen Spezialisten, der aus der Agenturwelt kommt, einen kreativen Menschen. Mit ihm entwickeln wir Ideen, mit denen wir anschliessend zum Brand-Sales-, zum Reach-Sales-und zum Braodcast-Team gehen, um für die Umsetzung der Rivella-Idee eine Lösung zu liefern.

Wie stehen Sie zu den Kreativagenturen? Mein Team und ich sprechen mit Kreativ- oder Mediaagentur.

Sie sagten, dass viele Vermarkter und Vertriebsorganisationen das Kundenbedürfnis nicht verstanden hätten. Welches ist das Kundenbedürfnis, auf den Punkt gebracht? Der Punkt ist der KPI, den sich der Kunde ins Konzept geschrieben hat, auf dem die Strategie basiert. Beispiel Autobranche: Die wollen Autos verkaufen. Also helfen wir, Autos zu verkaufen. Andere wollen Mode verkaufen. Dritte wollen ein neues Produkt lancieren und sich dabei ausschliesslich auf Branding fokussieren. Entscheidend ist, zusammen mit dem Kunden die gesteckten Ziele zu erreichen. Es geht also um den Customer Journey? Die KPIs entlang der AIDA, vereinfacht gesagt?Wieso geht einer, der 15 Jahre Agenturen und Publisher beraten hat zu einem Vermarkter? Weil er die Wertschöpfung versteht. Ich war auf allen Seiten und ich hatte immer den Eindruck, hier stimmt etwas nicht. Nun sage ich: Lasst uns lernen zu verstehen, was wir tun müssen, um diesen Customer Journey zu bedienen.

Wie stehen Sie zu Google und Facebook? Sie sind da und sie bleiben. Jetzt kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass man sie bekämpfen muss. Ich denke, man muss sie verstehen bzw. etwas entgegensetzen können. Man braucht entweder Produkte, die da mithalten können oder man spricht mit GAFA über  mögliche Formen der Zusammenarbeit. Sich gegen Google, Amazon, Facebook und Apple aufzustellen, sie raushalten zu wollen, ist keine gute Idee.

Wie steht es denn um die Trennung redaktioneller und promotioneller Inhalte? Wichtig ist, dass wir qualifiziert ausweisen, was es ist, so dass es der Kunde auch erkennt und unterscheiden kann.

Herr Baur, keine Angst, zwischen den Broadcastern und Digitalen aufgerieben zu werden? Nein. Es geht immer darum, den Kunden bestmöglich zu unterstützen. Das ist meine wichtigste Botschaft.

Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats