Ringier

Enjoy, try, risk! - Die grosse Firmen-Show zum Jahr 2018

Am Ende der Show: CEO Marc Walder vor Ringiers 150 Marken-Logos
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Am Ende der Show: CEO Marc Walder vor Ringiers 150 Marken-Logos
Die gestrige Bilanz-Pressekonferenz von Ringier war als Show angekündigt - in einem Zürcher Kino. Und das war sie dann auch: Über weite Strecken eine eineinhalbstündige One-man-show von CEO Marc Walder, der zwischendurch mal ein paar Minuten lang von Verleger Michael Ringier auf der Bühne flankiert wurde, ebenso von zugeschalteten Personen aus Polen oder Myanmar.
Es war das erste Mal, dass Ringier seine Bilanz-PK nicht im Pressehaus an der Dufourstrasse, sondern in einem Kino durchführte, noch dazu nicht nur als Medienkonferenz, sondern gleichzeitig als weltweite Mitarbeiterinformation - und deshalb auf Englisch. Und es war das erste Mal, dass allein CEO Marc Walder vorne stand, bisher sass immer auch Verleger Michael Ringier vor versammelter Presse.
Ringers Umsatz im 2018 - projiziert auf die Leinwand des Zürcher Kinos Corso.
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Ringers Umsatz im 2018 - projiziert auf die Leinwand des Zürcher Kinos Corso.
Zu Beginn der eineinhalbstündigen Präsentation stellte Walder gleich die "eine grosse Frage": "Können wir auch in Zukunft noch journalistische Inhalte finanzieren?" Er sei in dieser Hinsicht skeptisch, gestand er. Liess aber im Laufe der Show durchblicken, dass er zumindest für die Schweiz Hoffnung hat - unter drei Bedingungen: "Wir brauchen mehr Daten, mehr Reichweite – und das Einbuchen der Werbung muss bequemer werden." Und wie ist das zu schaffen? "Wenn wir alle Schweizer Medienplattformen miteinander kombinieren, schaffen wir mehr Reichweite - ein Grund, weshalb wir so intensiv an der Schweizer Digital-Allianz zwischen Ringier, Tamedia, NZZ, SRG und CH Media arbeiten", sagte der CEO. Und er fügte hinzu: Es wäre ein einzigartiger Situation in Europa, wenn wir auf diese Weise zusammenfinden könnten. Denn damit hätten wir a) mehr Reichweite und b) bessere Daten." Das Buchen müsse aber auch noch einfacher werden, betonte er. Doch wie er dies bewerkstelligen will, dass liess er offen.
Marc Walder zu Beginn seiner eineinhalbstündigen One-man-show.
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Marc Walder zu Beginn seiner eineinhalbstündigen One-man-show.

Ein paar interessante Zahlen zu Ringer 2018 (in Mio Franken)

20172018+/- in %
Umsatz gesamt1002.91004.2+0.1
- Schweiz798.5798.0-0.1
- Osteuropa193.2198.0+2.5
- Asien + Afrika11.27.6-32.1
Umsatz nach Erlösarten1002.91004.2+0.1
Digitalerlöse425.3466.1+9.6
Vertriebserlöse247.3236.8-4.3
Anzeigenerlöse164.7144.6-12.2
Druckerlöse100.082.9-17.1
Sonstige Erlöse65.673.8+12.5
Umsatz nach Erlösarten – nur CH798.5798.0-0.1
Digitalerlöse331.0354.2+7.0
Vertriebserlöse197.3191.2-3.1
Anzeigenerlöse134.9121.2-10.2
Druckerlöse89.576.7-14.3
Sonstige Erlöse45.854.7+12.7
Quelle: Ringier

Auch eine Rückblende auf bald 10 Jahre Walder an der Spitze von Ringier

Immer wieder blendete Walder dann in die Vergangenheit zurück - zu den Anfängen in Afrika vor einigen Jahren, zum Einstieg bei Scout24 vor 12 Jahren oder zum Kauf von Jobs.ch, der Lancierung von "Blick am Abend" etc etc. Immer wieder gab er einige Anekdoten preis. Etwa dass Ringier das Portal Jobs.ch schon vier Jahre vor dem Kauf angeboten worden erhielt - für 170 Millionen Franken, doch Ringier lehnte erst mal ab. Vier Jahre später dann wurde das Portal erneut angeboten - für 390 Millionen Franken. Damals griff man zu - zusammen mit Tamedia.
Rückblick: Der verspätete Einstieg bei Scort24 war nicht die einzige verpasste Chance von Ringer...
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Rückblick: Der verspätete Einstieg bei Scort24 war nicht die einzige verpasste Chance von Ringer...
Haben sich diese Investitionen gelohnt? Diese Frage stellte Walder an Michael Ringier. "Absolut", sagte dieser ohne zu zögern. "Sonst wären wir heute nicht hier." Man habe damals zwar schlicht nichts von solchen Plattformen verstanden, aber eines gewusst: "Wir müssen etwas tun." Darum sei man damals eingestiegen, und heute betreibt Ringier 36 Plattformen in 19 Ländern. Am Beispiel Scout24 zeigte Walder auch auf, wie sehr sich die Sache rentierte: In den letzten 10 Jahren sei der EBITDA der Plattform, die Ringier im Joint Venture mit der Mobiliar betreibt, jährlich um durchschnittlich 17 Prozent gewachsen. Zudem seien 80 Prozent aller verkauften Gebrauchtwagen in der Schweiz auf Scout24 ausgeschrieben gewesen.
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BlickTV als Ringiers "next big move"

Als "next big move" bezeichnete Walder ferner das Projekt BlickTV (HORIZONT Swiss berichtete). Als Gründe für dieses Projekt nannte er drei Punkte: Videos nehmen zu, die Nutzer lieben Video, und die Werbemarkt verlange danach. Videowerbung verzeichne zudem einen höheren Tausendkontaktpreis als andere digitale Werbeformen, ferner bewegten sich die Werbegelder langsam weg von TV hin zu Digitalvideo. Man müsse deshalb mit seinen Videoinhalten auf allen Plattformen präsent sein, sei es Youtube, Instagram, Facebook,etc. Seit 2014 habe Blick.ch seine Videoviews von damals 62 Millionen pro Jahr auf 418 Millionen im 2018 steigern können, beinahe eine Versechsfachung.
In nur fünf Jahren 6x mehr Videoviews auf Blick.ch
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In nur fünf Jahren 6x mehr Videoviews auf Blick.ch
Als Grund für die Partnerschaft mit CNN nannte er einem Punkt: "Wir benötigen jede Menge an Live-Material bezüglich globaler Politik, globaler Nachrichten und globalen Wirtschaftsinfos." Man werde auch viele Videoclips von CNN erhalten, was bei Breaking News umso wichtiger sei: In solchen Fällen habe BlickTV die Möglichkeit, das Live-Signal von CNN zu übernehmen.
Die Ratschläge des Ringier-CEO an seine Belegschaft.
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Die Ratschläge des Ringier-CEO an seine Belegschaft.

Enthusiasmus für BlickTV

Walder betonte, dass es sich bei BlickTV nicht bloss um eine Video-Plattform handle, sondern um ein echtes, digital distribuiertes Tagesvollprogramm von morgens bis spätabends. Wobei man sich über die genauen Zeiten noch nicht im Klaren sei. Man verfolge mit BlickTV zwei Ziele: "Wir wollen das führende DigitalTV sein in diesem Land." Und "Blick" habe damit das Potenzial, die führende Newsmarke der Schweiz zu werden. Aber BlickTV sei ein Abenteuer, das grösste Abenteuer für die Blick-Gruppe in den letzten zwei Jahrzehnten, gestand der CEO auch.
Auch Teil der Show: der zugeschaltete Aleksander Kutelo, COO von Onet, Polen
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Auch Teil der Show: der zugeschaltete Aleksander Kutelo, COO von Onet, Polen
Vorbild sei "Expressen", eine Boulevard-Marke in Schweden, die schon vor einigen Jahren ExpressenTV, ein DigitalTV, lanciert habe. Dieses habe man sich angeschaut und daraufhin entschieden, BlickTV in der Schweiz einzuführen. Später im Laufe der Präsentation sagte dann Verleger Michael Ringier, im Verwaltungsrat sei man sich trotz der hohen (nicht näher bezifferten) Investitionen innert Minuten einig gewesen, ja, es sei sogar Enthusiasmus aufgekommen.
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Von Walder gefragt, wie er den die 2018er Zahlen von Ringier kommentiere, sagte der 70jährige VR-Präsident: "Die Zahlen sind okay" angesichts des "ökonomischen Massakers" im Medienmarkt. "Begeistert" sei er aber über die voranschreitende Transformation bei Ringier. Zudem äusserte er einen Wunsch an seine Angestellten: Sie sollten so handeln wie Ringier in den letzten Jahren - kurz: "Enjoy, try, risk - nicht nur in der Firma, auch im persönlichen Leben! Und engagieren Sie sich für die Gesellschaft, in der sie leben!"
Marc Walder und Michael Ringier
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Marc Walder und Michael Ringier
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