Ringier-Buchvernissage I

"Das Ringen um Ringier geht weiter"

Kurz Aeschbacher und Verleger Michael Ringier
Markus Knöpfli, © knö.
Kurz Aeschbacher und Verleger Michael Ringier
Rund 350 Gäste fanden sich gestern Abend im Zürcher Opernhaus zur Vernissage des Buches ”Ringen um Ringier” von Ex-Blick-Chefredaktor René Lüchinger ein – und sie wurden nicht enttäuscht: Drei spannende Stellen aus dem Buch wurden von drei prominenten Personen gelesen, darunter waren notabene zwei wichtige Akteure.

Das Buch ”Ringen um Ringier. Über die Kunst der Digitalisierung in einem Schweizer Medienkonzern” umreisst etwa die letzten 15 Jahre der Geschichte des Ringier-Konzerns., also in etwa die Zeit, in der Internet und Digitalisierung den rund 180jährigen Print-Verlag zu einem digitalen Medienhaus transformierte. Genauer: in der die Ringier-Führungsspitze die digitale Transformation an die Hand nahm und umsetzte. Rund 2 Milliarden Franken hat das Unternehmen in dieser Zeit in die Digitalisierung investiert und über 50 Transaktionen getätigt.

Kurt Aeschbacher begrüsst CS-VR-Präsident Urs Rohner.
Markus Knöpfli, © knö.
Kurt Aeschbacher begrüsst CS-VR-Präsident Urs Rohner.
Drei Episoden dieser Transformation brachte Kurt Aeschbacher, der als Moderator durch den Abend führte, gestern zur Sprache: Wie es dazu kam, dass Tamedia und Ringier gemeinsam die Rubrikenplattform Job.ch kauften – für total 390 Millionen Franken. Keine Selbstverständlichkeit, denn zuvor hatten die beiden Verlage noch gegeneinander geboten und liefen Gefahr, einander gegenseitig den Preis hochzutreiben. Es war Ringier-CEO Marc Walder, der über Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, Tamedia an den Tisch holte und so das heutige Joint Venture begründete. Den besagten Abschnitt aus dem Buch las übrigens – Urs Rohner. Ein toller Coup.
Eloquent wie eh und je: Ex SRG-Generaldirektor Roger De Weck
Markus Knöpfli, © knö.
Eloquent wie eh und je: Ex SRG-Generaldirektor Roger De Weck
Und der zweite folgte sogleich: Die Gründung von Admeira, die gemeinsame Vermarktungsfirma von Ringier, Swisscom und SRG, kam gestern ebenfalls zur Sprache, vorgelesen von Akteur Nummer 2 – Ex-SRG-Generaldirektor Roger De Weck. Und schliesslich wurden auch die Anfänge von Walders Initiative zur Gründung des Vereins DigitalSwitzerland thematisiert – gelesen vom ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Ringier-Berater.


Natürlich kamen zwischen den Lesungen auch Verleger Michael Ringier, CEO Marc Walder und Buchautor René Lüchinger zu Wort, interviewt von Aeschbacher. Dabei bedauerte Ringier, dass der Journalismus heute “völlig unterbewertet” werde. “Es wird immer schwieriger, ihn sich zu leisten – dabei ware er wichtig für die Gesellöchaft, nicht für die Aktionäre.”
Kurt Aeschbacher spricht mit Buchautor René Lüchinger.
Markus Knöpfli, © knö.
Kurt Aeschbacher spricht mit Buchautor René Lüchinger.
Walder wiederum wies darauf hin, dass die Transformation keineswegs beendet sei. Er wisse nicht, wie viel des Weges zurückgelegt sei, sicher aber sei, dass man sich nun nicht ausruhen dürfe. "Das Ringen um Ringier geht weiter."

Lüchinger schliesslich sagte anerkennend, dass er heute mehr denn je glaube, dass der Konzern ein Familienunternehmen bleibe. Diese feste Absicht der Familie habe er jedenfalls beim Studium der Dokumente immer wieder feststellen können.
Über das Buch und sein Autor
"Ringen um Ringier" ist im deutschen Steidl-Verlag erschienen. Auf 320 Seiten wird ein tiefer Einblick in den Transformations-Prozess eines der beiden grössten privaten Schweizer Medienunternehmen gegeben.


 Der Schweizer Journalist, Autor und Publizist René Lüchinger (Jahrgang 1958) hat diesen Wandel erstmals in all seinen Facetten und durch Einbezug von internen Dokumenten, Protokollen und zahlreichen Gesprächen wiedergegeben – rund eineinhalb Jahren arbeitete er daran. Der Wirtschaftsjournalist war einst Chefredaktor beim Schweizer Nachrichtenmagazin "Facts", beim Wirtschaftsmagazin "Bilanz" sowie bei der Boulevardzeitung "Blick". Darüber hinaus ist Lüchinger Autor zahlreicher Bücher (Klaus J. Jacobs, Elisabeth Kopp, "Swissair – Mythos und Grounding"). 2001 gründete er die Lüchinger Publishing GmbH und realisiert Projekte im Bereich Content und Corporate Publishing.
Schröder war es aber, der Buch und Anlass in einen erweiterten Kontext stellte: Es sei wichtig, dass auch in der heutigen Zeit der “assozialen Sozialen Medien” die Wahrheit immer wieder ermittelt werde. Und es sei nicht selbstverständlich, wenn ein Verleger nach wie vor Mittel dafür aufwende. “Kampf für guten Journalismus ist Kampf für Demokratie”, sagte Schröder unter Applaus. 

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