Replay-TV

Jetzt wird die Diskussion gehässiger

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Die beiden Verbände geraten sich nun öffentlich in die Haare. Wie sie künftig einmal am selben runden Tisch eine gemeinsame Businesslösung finden sollen, wie sich das die nationalrätliche Rechtskommission wünscht, ist immer schwerer vorstellbar.
Die beiden Verbände geraten sich nun öffentlich in die Haare. Wie sie künftig einmal am selben runden Tisch eine gemeinsame Businesslösung finden sollen, wie sich das die nationalrätliche Rechtskommission wünscht, ist immer schwerer vorstellbar.
In einer Stellungnahme zu einer gestern publizierten Mitteilung der Kabelnetzbetreiber zum Thema Replay-TV werfen heute die TV-Sender den Verbreitern Polemik und mangelnde Sachlichkeit vor. Anlass ist ein kürzlich getroffener Entscheid der nationalrätlichen Rechtskommission.
"Der Kabelnetzbetreiber UPC und der Branchenverband Suissedigital, polemisieren mit unsachgemässen Äusserungen gegen die TV-Sender", steht einleitend in einer Stellungnahme der Interessengemeinschaft Radio und Fernsehen (IRF), die heute verschickt wurde. Darin werden insbesondere drei Punkte in der gestrigen Verlautbahrung der Kabelnetzbetreiber angeriffen: So stimme es nicht, dass die TV-Konsumenten mehr bezahlen sollen. "Sie sollen keinen einzigen Rappen mehr bezahlen." Denn schon heute würden sie "246 Millionen in die Taschen der Kabelnetzbetreiber" zahlen. Weiter stimme nicht, dass die Kulturschaffenden weniger Geld erhalten sollen. "Sie erhalten mindestens soviel wie bisher. Zudem wehren sich die Sender gegen den Eindruck, sie seien generell dagegen, dass ihre Sendungen im Replay angeschaut werden können. "Sie wollen das Replay weder verbieten noch einschränken. Replay entspricht einem Bedürfnis der Zuschauerinnen und Zuschauer,", schreiben sie. Die von der Rechtskommission vorgeschlagene Regelung gebe den TV-Sendern auch gar nicht das Recht Replay zu verbieten.
Fechten mit Zahlen
Die IRF führt in ihrer heutigen Stellungnahme folgende Zahlen auf: Die grossen TV-Verbreiter, u.a. UPC, kassierten 2017 246 Millionen Franken für das Replay von ihren Kunden ein. Davon hätten die TV-Sender bloss 9,7 Millionen Franken erhalten.


Die TV-Sender erleiden Werbeeinbussen, weil die Zuschauer im Replay die Werbung zu 60 bis 80 Prozent überspulen, schreibt die IRF aufgrund von Zahlen, "die uns vorliegen". Sie beziffert den Schaden für die Sender für 2017 auf 110 Millionen Franken. Dass die Netto-Einnahmen aus TV-Werbung in den letzten Jahren dennoch insgesamt konstant geblieben sind, begründet die IRF mit dem Schaffen von neuem Werbeinventar, insbesondere das vermarkten vieler neuer Sender und Werbefenster. Dem einzelnen Sender bleibe dennoch weniger in der Kasse.
Tatsächlich hat die nationalrätlichen Rechtskommission neulich entschieden, dass das Replay-TV erhalten werden soll, dass aber die TV-Sender direkt mit den Kabelunternehmen über das Überspulen der Werbung verhandeln können. Diesen Entscheid hatten die TV-Sender gelobt, die Kabelnetzbetreiber kritisiert.

"Die TV-Sender befürworten, dass sie künftig mit den Kabelnetzen zusammensitzen und die Bedingungen für den Umgang mit Werbung im  Replay gemeinsam aushandeln können. Dabei geht es auch um neue, innovative Werbeangebote und neue gemeinsame Businessmodelle", heisst es in der heutigen IRF-Mitteilung. knö
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