Radio Planet 105

Mediengewerkschaften sprechen sich gegen Konzessionsübertragung an Tamedia aus

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Gewerkschaftliche Kritik an der geplanten Konzessionsübertragung von Radio Planet 105 der Radio 1 AG auf die Tamedia AG: Syndicom und das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) nehmen in der Anhörung des Bundesamts für Kommunikation (Bakom)  gemeinsam Stellung – gegen das Vorhaben.
Die Veranstalterkonzession von Planet 105 soll auf Gesuch des bisherigen Inhabers Roger Schawinski bzw. seiner Radio 1 AG an den Branchenriesen Tamedia übertragen werden. Tamedia beabsichtigt, den Sender in „20 Minuten Radio“ umzubenennen und möchte die Veranstalterkonzession bis Ende 2024 verlängern (HORIZONT Swiss berichtete). Der Sender soll aber weiterhin durch die Radio 1 AG betrieben werden, mittels eines Dienstleistungsvertrags mit der Tamedia.


Als Interessensvertretung der Medienschaffenden lassen sich die beiden Gewerkschaften gegenüber der verschachtelten Übertragung kritisch vernehmen. Ihrer Meinung nach sind "massgebende Fragen im Gesuch der beteiligten Unternehmen nicht beantwortet". "Gibt es auf der Redaktion von '20 Minuten Radio' genügend ausgebildete Berufsleute, die das Heer von Praktikantinnen und Praktikanten professionell begleiten kann?", fragen Sie etwa. Ungeklärt sei ferner die Dauer eines Praktikum, die Höhe der monatlichen Entschädigung und ob die BerufseinsteigerInnen nach Abschluss ihres Praktikums die Chance haben, festangestellt zu werden.
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In den Unterlagen "etwas gar vage festgehalten" sei, dass Aus- und Weiterbildungen in Form von internen Workshops und Seminaren sowie eine Zusammenarbeit mit dem MAZ vorgesehen seien. "Doch wie viele Mitarbeitende dürfen den anspruchsvollen MAZ-Lehrgang Journalismus besuchen? Wer bezahlt die für junge Menschen mit kleinen Einkommen besonders teuren Lehrgänge?", fragen die Gewerkschaften.

Verbesserungsanstrengungen vermisst

Weiter verweisen die Gewerkschaften auf die Programmanalyse 2018, wonach Planet 105 zu den Sendern mit der geringsten Informationsproduktion gehöre. Der Info-Anteil mache nur rund 3 Prozent der Sendezeit aus, weniger als ein Viertel davon beziehe sich auf das eigene Konzessionsgebiet. Zudem wurden die eher tiefe Orientierungsleistung und die intransparente Quellennennung kritisiert. "Das Gesuch verliert kein Wort daüber, mit welchen Massnahmen Gegensteuer gegeben werden könnte", so SSM und Syndicom.

Offen bleibe ferner, wie viel Wert auf Qualitätskriterien und berufsethische Standards gelegt wird. Im vorgelegten Gesuch fänden sich keine Informationen, ob ein Redaktionsstatut existiere, das die innere Medienfreiheit garantiert?

Mehrumsatz durch (ungenügend deklariertes) Native Advertising?

Die mittelfristige Planung sehe zudem vor, dass die Werbeumsätze von 1,15 Millionen Franken im Jahr 2020 auf 1,65 Millionen Franken im Jahr 2023 gesteigert werden sollen. Angesichts sinkender Werbeeinnahmen sei jedoch höchst zweifelhaft, ob diese Ziele realistisch sind. Die Gewerschaften vermuten deshalb, dass Tamedia die wegbrechende klassische Werbung mit Native Advertising ersetzt, um den Umsatz zu steigern. "Das kann gerade für einen Jugendsender nicht der richtige Weg sein", kritisieren sie jedoch. Die Tamedia-Publikationen seien in letzter Zeit wiederholt wegen getarnter Werbung in den redaktionellen Spalten kritisiert worden.


Zusammenfassend halten SSM und Syndicom deshlab fest, dass es unter diesen Umständen fraglich sei, wie die Redaktion von "20 Minuten Rado" den anspruchsvoll tönenden Programmauftrag erfüllen könne. "Die Senderverantwortlichen und Tamedia sind aufgefordert, vor einer Konzessionsübertragung überzeugende Antworten auf diese Fragen zu liefern."
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