Presserat

Vorwürfe gegenüber RTN, "Arc Info" und "La Côte" zum Teil gerechtfertigt

Stellungnahme des Schweizer Presserats
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Stellungnahme des Schweizer Presserats
Die Selbstregulierungsinstanz hat sich mit Beschwerden gegen das Neuenburger Regionalradio RTN und die anderen Radiosender der BNJ-Gruppe (RFJ und RJB) sowie gegen die Zeitungen "Arc Info" und "La Côte" befasst.

RTN und in der Folge RFJ und RJB haben nach Angaben des Schweizer Presserats morgens einen Online-Artikel veröffentlicht, in dem über ein Mediationsgesuch von einem Dutzend Mitarbeitern der Neuenburger Staatskanzlei bezüglich ihres Arbeitsklimas berichtet wurde. Der Artikel sprach von "autoritärem Management, das bis zur Belästigung geht" und dass "sich die Vorwürfe gegen die Kanzlerin und den Vizekanzler" richteten. Beide wurden namentlich genannt. Ein Mitglied der Neuenburger Regierung bestätigte das Mediationsgesuch. Etwa zehn Stunden später äußerten sich Kanzlerin und Vizekanzler in den gleichen Medien.



Der Rat ist zu dem Schluss gekommen, das der Beschwerdeführer in Person des Vizekanzlers hätte sofort angehört werden müssen, und hat die Beschwerde deshalb teilweise gutgeheißen. Werde eine Person schwer angeschuldigt, müsse sie ihren Standpunkt im ersten veröffentlichten Artikel darlegen können, so der Rat. "Eine Information am Morgen zu veröffentlichen und die Sichtweise der Person am Nachmittag nachzuschieben, reicht nicht aus und verstößt gegen den Journalistenkodex."

Im Fall der französischsprachigen Zeitungen ging es um Artikel, die auf einem internen Bericht und auf Zeugenaussagen basierten. Demnach herrsche im Neuenburger Teil der Gewerkschaft Unia zwischen einem großen Teil der Mitarbeitenden und ihren Chefs dicke Luft. Die Gewerkschaft monierte daraufhin, dass die Zeitungen aus anonymen
Zeugenaussagen und einem Bericht zur Abteilung Arbeitslosenversicherung Schlüsse gezogen hätten, ohne deren partielle Aussagekraft zu betonen oder gar deren Inhalt zu überprüfen. Zahlen über die Austritte von Mitarbeitern seien nicht hinreichend überprüft worden, außerdem sei ein Vertreter der nationalen Gewerkschaft nicht mit dem genauen Inhalt bestimmter Vorwürfe konfrontiert worden.


Auch in diesem Fall gab der Presserat dem Beschwerdeführer in Teilen recht, und zwar wegen Irreführung der Leser. Nicht die widersprüchlichen Zahlen als solche, die die Zeitungen einerseits eindeutig der Direktion der Gewerkschaft und andererseits einer anonymen Quelle zuschrieben, seien das Problem gewesen. "Allerdings war die Passage über den Gehalt des als Quelle zitierten Berichts so verwirrend, dass die Leserschaft in die Irre geführt wurde." Zudem sei der befragte Mediensprecher der Gewerkschaft nicht mit einzelnen spezifischen Vorwürfen konfrontiert worden.

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