Presserat

"Blick" ignorierte Anspruch auf Privatsphäre

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"Es ist nicht alles zulässig, wogegen sich niemand beschwert", sagt der Presserat
© Screenshot blick.ch
"Es ist nicht alles zulässig, wogegen sich niemand beschwert", sagt der Presserat
Der Schweizer Presserat hat die Beschwerde eines Lesers teilweise gutgeheißen. Der hatte zwei "Blick.ch"-Artikel über einen tödlichen Autounfall im Tessin moniert. Das Medium hatte darin die Privatsphäre eines Opfers verletzt.

"Blick" hatte online am 13. November ("Horror-Crash im Vollrausch") und am 14. November 2017 ("Jetzt muss der Raser in U-Haft") über den Verkehrsunfall auf der A2 berichtet. Ein "Raser" habe "sturzbetrunken" einen Roller gerammt, der Rollerfahrer sei noch auf der Unfallstelle gestorben. Der Unfallverursacher sei festgenommen worden, bei ihm sei ein Blutalkoholwert von mehr als zwei Promille festgestellt worden. Ergänzt wurde der erste Artikel mit einem – damals noch unverpixelten – Foto des Verstorbenen "Andrea T." und mit verschiedenen persönlichen Angaben über ihn. Im zweiten Artikel befand sich unter anderem eine Bildergalerie mit einem Foto, das das Opfer mit seinem Baby im Arm zeigte, seinerzeit ebenfalls noch ganz unverpixelt. Die Bildunterschrift lautete: "Opfer Andrea T. war frischgebackener Papa."



Die Prüfung des Falles durch den Rat hat ergeben, dass der "Blick" durch die Veröffentlichung von unverpixelten Bildern ohne Zustimmung der Angehörigen die Ziffer 7 der "Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten" verletzt hat. Auch deshalb, weil das Unfallopfer mit der Angabe zu vieler Details identifizierbar gemacht wurde. Andere Beschwerdepunkte hat der Rat abgewiesen: "Blick.ch" hat demnach weder gegen Ziffer 4 der "Erklärung" (Unlautere Methoden beim Beschaffen von Information) verstoßen noch gegen Ziffer 7 unter dem Aspekt "Veröffentlichung der Bilder von Verstorbenen".

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