Valora und Post

Kein Problem mit deutschem Verbot für Amazons WLAN-Bestellknopf

Valora bietet seit 9 Monaten einen ok.-button an, mit dem man sich EnergyDrinks bestellen und nach Hause liefern kann.
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Valora bietet seit 9 Monaten einen ok.-button an, mit dem man sich EnergyDrinks bestellen und nach Hause liefern kann.
Das Oberlandesgericht München hat Amazon das weitere Abgeben und Aktivieren des WLAN-Bestellknopfs untersagt (HORIZONT berichtete). In der Schweiz gilt das Urteil natürlich nicht. Trotzdem: Wie reagieren Post und Valora, die im Zusammenhang mit dem "Internet der Dinge" ähnliche Modelle anbieten, auf das richterliche Verdikt?
Auf Anfrage betonen sowohl Valora als auch die Schweizerische Post, dass ihre Bestellmodelle ziemlich anders funktionieren als jene von Amazon. Zudem handelt es sich beim "Post Home Button" der Post erst um einen Test, der in den Regionen Olten, Liestal und Sissach durchgeführt wurde und derzeit ausgewertet wird. Bei Valora hingegen wird der "ok.– button" seit dem 23. April 2018 vertrieben, bisher jedoch ausschliesslich in der Schweiz.
So beschreibt Valora die Funktionsweise des ok.-Buttons.
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So beschreibt Valora die Funktionsweise des ok.-Buttons.
Martin Zehnder, Senior Corporate Communications Manager bei Valora, schreibt dazu, das über den "ok.– button" zahlreiche ok.–EnergyDrinks vertrieben würden. Zudem: Anders als bei Amazon erhält der bestellende Kunde eine SMS mit der Bestätigung des Einkaufs und des Preises. "Daraufhin hat er 30 Minuten Zeit, die Bestellung allenfalls rückgängig zu machen", erklärt Zehnder. Da Valora auch in Deutschland tätig ist und vielleicht auch vorhatte, einen solchen Knopf auch in unserem Nachbarland einzuführen, stellt sich natürlich die Frage, wie das Unternehmen auf das Urteil aus München reagiert. Dazu Zehnder: "Valora nimmt das Urteil zur Kenntnis und wird dieses auch prüfen. Derzeit ist jedoch kein Handlungsbedarf angezeigt."
Das Urteil aus München
Der kleine WLAN-Knopf an Waschmaschine, Kühlschrank, Kellertür, Kaffeemaschine oder Drucker und künftig Waschmittel, Getränke, Kaffee, Katzenfutter oder Toner per Knopfdruck einkaufen - solche Bestellknöpfe darf der Online-Händler Amazon Kunden in Deutschland nicht weiter vertrieben und nutzen: Gemäss Oberlandesgericht München führten die aufklebbaren, nur mit dem jeweiligen Hersteller-Logo versehenen Knöpfe  zu intransparenten Bestellungen weil Informationen zu Inhalt, Preis und der klare Hinweis auf eine zahlungspflichtige Bestellung fehlten. Damit verstoße Amazon gegen die Gesetze für den Internethandel.
Über die Anzahl abgesetzter Buttons in der Schweiz (hierzulande kosten sie 5 Franken) gibt Valora übrigens keine Auskunft. Nur so viel: "Die Kunden, die über einen 'ok.– button' verfügen, nutzen diesen viel häufiger, als wir erwartet hatten", schreibt Zehnder. Und er fügt hinzu: "Valora hat mit dem ok.– button bislang gute Erfahrungen gemacht." Seitens Konsumenten oder Konsumentenschützern seien bislang keine Reklamationen bekannt.
Kein eigentlicher Knopf, sondern ein Scannerstift mit Auslöseknopf, um den Pöstler um einen Hausbesuch zu bitten: Der "Post Home Button".
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Kein eigentlicher Knopf, sondern ein Scannerstift mit Auslöseknopf, um den Pöstler um einen Hausbesuch zu bitten: Der "Post Home Button".
Ganz anders liegt die Sache mit dem "Post Home Button": Hier wird damit kein Produkt bestellt, sondern ein Hausbesuch des Pöstlers: Er wird gebeten, beim nächsten Botengang nicht nur die Postsendungen im Briefkasten zu deponieren, sondern zu läuten und an der Türe die gewünschte Postdienstleistung anzubieten (Paket abholen, Briefe mitnehmen, Rechnungen bezahlen und mitnehmen, etc.). "Der Hausservice ist ja quasi die 'Poststelle an der Haustüre' für Daheimgebliebene, wenn im  Ort aufgrund mangelnder Nutzung die Poststelle geschlossen und nicht in eine Partnerlösung in einem Laden umgewandelt werden kann", schreibt Post-Mediensprecher Oliver Flüeler. Der Post Home Button übernehme im Hausservice Post die Avisierung des Postboten/der Postbotin, analog des heutigen Steckschildes am Briefkasten.


Im Gegensatz zu den Knöpfen von Amazon und Valora handelt es beim "Post Home Button" nicht eigentlich um einen Knopf, sondern um einen Scannerstift mit Auslöseknopf. Der Postkunde bentigt zur Auslösung zudem ein Printmedium (Katalog, Prospekt, Flyer etc.) nutzt, auf welchem alle notwendigen Informationen aufgeführt werden können. Der Kunde scannt den Code der gewünschten Dienstleistung mit seinem Scannerstift ein, worauf ein Signal über ein sogenanntes Low Power Network (LPN) drahtlos zur Post geht. Der Postbote/die Postbotin sieht dann vor der Zustelltour anhand einer Nachricht auf seinem Handscanner, welcher Service von welchem Haushalt gewünscht wird und kann so individuell auf die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden eingehen.

Flüeler fügt hinzu: "Der 'Post Home Button' kommt gut bei den Kunden an, wir haben viele durchaus positive Rückmeldung erhalten und aufgrund der Feedbacks den 'Post Home Button' weiter optimieren können." Auch habe es sich gezeigt, dass die Kunden den Button einer App-Lösung vorziehen würden. "Der Button ist mit einem Klick einfach anzuwenden, es braucht keine Konfiguration etc. und kann direkt nach Erhalt eingesetzt werden." Es sei geplant, den "Post Home Button" dieses Jahr in weiteren grösseren Piloten einzusetzen.

Post benützt den WLAN-Knopf auch intern ein

Im übrigen setzt die Post den Button nicht nur im kundenkontaklt ein, sondern auch intern: Low Power Network (LPN) biete der Post als Logistikerin vielfältige Möglichkeiten, um Dienstleistungen zu verbessern oder neue zu entwickeln, meint Flüeler. So habe die Post etwa im Raum Zürich Schränke mit Smart Buttons ausgestattet, damit das Personal mit einem einzigen Knopfdruck Verbrauchsmaterial nachbestellen kann. knö
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