Peter Brabeck-Letmathe

"Durchbrüche verhungern in der Schublade"

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Der ehemalige Nestlé-Chef Peter Brabeck spricht im SonntagsBlick-Interview Klartext: Die Politik sei so sehr mit dem Alltag beschäftigt, dass sie zu wenig Zeit finde, über langfristige Entwicklungen nachzudenken. Der wissenschaftliche Fortschritt fände dadurch keine Anwendung, weil der politische Rahmen fehle. Brabeck: "Durchbrüche verhungern in der Schublade."

"Nutze die Zukunft, um die Gegenwart aufzubauen" heisst das Motto der Geneva Science and Diplomancy Anticipator (GESDA), einer 2019 vom Bundesrat gegründeten Stiftung, die weltweite wissenschaftliche Entwicklungen verfolgt. Kernstück ist der Science Breakthrough Radar 2021, der einen Überblick über Wissenschaftstrends bietet und bahnbrechende Vorhersagen macht. Brabeck-Lethmathe ist ihr Stiftungspräsident. Man habe die Meinungen von weltweit rund 4000 Wissenschaftlern eingeholt. Diese haben in allen relevanten Forschungsgebieten Prognosen darüber erstellt, welche technologischen Durchbrüche in fünf, zehn und 25 Jahren zu erwarten sind, sagt Brabeck gegenüber dem SonntagsBlick. Damit konfrontiere man jetzt Politik und Diplomatie, was dringend notwendig sei, weil die Wissenschaft schneller voran schreite als die Politik, so Brabeck. Als Beispiel nennt er das Internet, das in Genf erfunden wurde und heute die Grundlage für die drei grössten Konzerne der Welt ist. Brabeck: "Erst heute merken Politiker, dass sie das Ganze hätten regulieren müssen, damit niemand so dominant wird. Mit GESDA hätte man das kommen sehen."

Der nächste grosse Durchbruch für die Menschheit kommt gemäss dem langjährigen Nestlé-Chef in rund zehn Jahren von Quantencomputern. Die heutigen Kapazitäten von Computern würden dadurch vertausendfacht. Das ermögliche echte künstliche Intelligenz. Eine Maschine werde dann so denken wie ein Mensch. Brabeck zum SonntagsBlick: "Sie ist nicht mehr abhängig von Daten, die der Mensch ihr gibt, sondern lernt selber." Darauf sollten sich auch die Playerinnen und Player der Werb-, Marketing- und Medienbranche vorbereiten. Das ganze Interview gibt es hier.

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