Neue Onlineforschung

Was Branchenvertreter zum Aus für den SMDH sagen

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An der DEX nahm HORIZONT Swiss die Gelegenheit wahr und fragte diverse Branchenvertreter, was für sie und die Branche das Aus der neuen Onlineforschung rund um den Swiss Media Data Hub (SMDH) bedeutet.
Eine Vorbemerkung zur Einleitung: Da waren an der DEX doch gut 1000 hype Besucherinnen und Besucher der gesamten Digitalbranche anwesend, doch das vor Kurzem verkündete Aus für den SMDH, der neuen Onlineforschung von Wemf und Mediapulse, war an der ganzen Konferenz schlicht kein Thema.


Noch schlimmer: Nur wenige Exponenten wussten, was der SMDH sollte, dass es das Projekt überhaupt gab und wie es einzuordnen sei. Manche hatten noch gar nie davon gehört oder glaubten, es hätte mit ihnen oder ihrer Firma nichts zu tun, geschweige denn mit Kundenerwartungen. Offizielle Antworten waren deshalb nur von relativ wenigen Personen erhältlich.

David Burst, Präsident von IAB Switzerland

Die IAB Switzerland ist zu 2,5 Prozent an der Net-Metrix AG beteiligt, IAB-Präsident David Burst ist deshalb auch Verwaltungsrat der Onlineforscherin und damit quasi auch beim SMDH
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Die IAB Switzerland ist zu 2,5 Prozent an der Net-Metrix AG beteiligt, IAB-Präsident David Burst ist deshalb auch Verwaltungsrat der Onlineforscherin und damit quasi auch beim SMDH
"Das Aus des SMDH bedeutet, dass die Branche nicht so schnell weiter kommt, wie sie es sich erhofft hatte. Aber es zeigte sicherlich auch, dass es nicht so einfach ist, etwas zu lösen, das wohl in der Theorie sehr gut funktioniert, aber noch nirgends umgesetzt wurde.

Klar ist aber auch: Das Bedürfnis für eine neue Onlineforschung besteht weiterhin, wir müssen die Probleme  jedenfalls erneut anpacken.


Der Stopp ist alles andere als ideal, dennoch haben wir bestehende Messungen, die weiterhin funktionieren. Klar wollte man mit dem SMDH viele grosse Schritte voraus gehen. Dass wir es nun nicht geschafft haben, ist schade. Ich könnte mir vorstellen, dass es nun step by step vorwärts gehen muss. Mit dem SMDH hatte man das Ziel hoch gesteckt, er wäre die perfekte Lösung gewesen. Diesem Ziel muss man sich nun Schritt für Schritt nähern, etwa indem man bestehende Systeme optimiert oder ersetzt."

Manfred Strobl, CEO Mediaschneider

Manfred Strobl, CEO bei Mediaschneider
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Manfred Strobl, CEO bei Mediaschneider
"Die Sistierung des SMDH bedeutet, dass die Agenturen nun weiterhin mit ihren eigenen Tools arbeiten werden, dass logischerweise die „Silos“ in der Währungsthematik, die wir bislang hatten, bis auf weiteres bestehen bleiben, und es heisst logischerweise auch, dass eine Weiterentwicklung der Mediawährung, wie wir sie in der Schweiz unique im Vergleich zu anderen Ländern gehabt hätten, leider zum Stoppen gekommen ist. Grundsätzlich war der SMDH eine tolle Idee, doch manchmal passen halt das Timing oder die Ressourcen oder auch die notwendigen Partnerschaften nicht zusammen.

Aber für unsere konkrete Arbeit ist der Stopp nur halb so schlimm, weil wir natürlich aufgrund der vielen Erfahrungswerte mit Cases unserer Kunden über genügend Analogien und Eigenparameter verfügen, um Kanal-übergreifend sehr gut planen und steuern zu können.

Dennoch ist es zweifellos ein Desaster für die Branche, die mit grossen Hoffnungen und auch mit Investments in dieses Projekt reingestiegen ist. Nun wird es auf absehbare Zeit nicht stattfinden."

Martin Radelfinger, Business Development & Innovation Goldbach

Martin Radelfinger, Stategie Officer bei Goldbach
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Martin Radelfinger, Stategie Officer bei Goldbach
Das Aus für den SMDH ist insofern schade, als man in der Schweiz eine crossmedial vergleichbare Währung geschaffen hätte, die auch international einen Standard gesetzt hätte. Das Projekt beinhaltete aber eine enorme Komplexität, die wohl über das Ziel hinaus schoss. Es war halt ein sehr ambitiöses Ziel. Doch es wäre schön, wenn wir diese Messung hätten.

Dennoch ist der Stopp nur halb so schlimm ist. Denn obwohl das Ziel nicht erreicht wurde, glaube ich nicht, dass deshalb unsere Arbeit behindert wird."

Tobias Zehnder, Mitglied der Geschäftsleitung von Webrepublic

Tobias Zehnder, Mitglied der Geschäftsleitung von Webrepublic
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Tobias Zehnder, Mitglied der Geschäftsleitung von Webrepublic
"Aus unserer Perspektive ist das Aus für den SMDH zwar schade, aber kein Tragödie, die den Markt zurückwirft. Der SMDH war ein ambitioniertes Projekt mit guten Intentionen. Die angestrebte grössere Transparenz über Reichweiten und Werbekontakte hätte die digitale Mediaplanung und Optimierung bereichert. Aber auch ohne SMDH: Wir arbeiten konstant daran, neueste Technologien so einzusetzen, damit wir ein gutes Bild haben über unsere Kampagnenleistung. So messen wir beispielsweise Unique User-Reichweiten, Kontaktfrequenz und -qualität über verschiedene Geräte und Inventare hinweg - dank soliden Cross-Device-Daten und Metriken wie Time on Screen. Wir sind übrigens gespannt, ob ein anderer ambitionierter Schulterschluss - die Login-Allianz - weiterhin Fahrt aufnimmt. Schweizer Publisher haben spannende User-Daten, die es zu vereinheitlichen und transparent im programmatischen Ökosystem verfügbar zu machen gilt, natürlich unter Berücksichtigung des Datenschutzes."

Roland Kopf, Director Research Admeira

Roland Kopf, Director Research Admeira
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Roland Kopf, Director Research Admeira
"Admeira unterstützt den Entscheid, das Entwicklungsprojekt "Swiss Media Data Hub" einzustellen, wenn ich auch ganz persönlich bedaure, dass es den SMDH in angedachter Form nun nicht gibt. Das Bedürfnis im Markt nach einer integralen Währung ist unverändert hoch. Entsprechend begrüssen wir, dass Net-Metrix AG die Onlineforschung neu ausrichtet und beobachten den weiteren Verlauf mit hohem Interesse." knö
 
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