OC&C-Ranking

"Gespür für Trends hat sich bei Nestlé stark verbessert"

Ist die Benchmark in der Konsumgüterindustrie: Nestlé
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Ist die Benchmark in der Konsumgüterindustrie: Nestlé
Gerade hat Nestlé wieder das Ranking der 50 grössten Konsumgüterhersteller der Unternehmensberatung OC&C Strategy Consultants deutlich dominiert. Wir haben bei Experte Christoph Treiber nachgefragt, was den Giganten mit Sitz in Vevey so erfolgreich macht.

 Seit über zehn Jahren steht Nestlé an der Spitze des renommierten Rankings der 50 grössten Konsumgüterunternehmen von OC&C Strategy Consultants. Zwar fuhr der Konzern mit einem Umsatz von 93,4 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr keinen neuen Rekord ein - 2011 lag der höchste Wert bei 106,9 Milliarden Dollar - trotzdem lässt sich der anhaltende Erfolg erklären. Das jedenfalls sagt Christoph Treiber. HORIZONT Swiss hat dem Partner bei OC&C drei Fragen gestellt.




Nestlé ist weltweit das größte FMCG-Unternehmen. Was ist das Erfolgsgeheimnis? Nestlé verfügt über ein grosses Produkt- und Markenportfolio und ein ausgezeichnetes Distributionsnetz. Das Unternehmen expandiert darüber hinaus stark in Schwellenländer und erzielt dort bereits heute signifikante Marktanteile. Auf dieser Grundlage erzielt der Konzern konstant hohe Umsätze. In den vergangenen Jahren hat Nestlé die operative Marge in den Griff bekommen. Und zuletzt hat auch das organische Wachstum angezogen, 2018 um 3 Prozent. Der Trend setzt sich auch 2019 fort – mit 3,4 Prozent organischem Wachstum im ersten Quartal. Das Gespür für Trends hat sich bei Nestlé – wie auch bei einigen anderen grossen FMCG-Herstellern – stark verbessert. So setzt der Konzern etwa auf nachhaltige, gesunde Produkte und den Bereich "Healthy Snacking". Auch der Erwerb der Lizenz, die es Nestlé erlaubt, Starbucks Produkte im Handel zu vertreiben, dokumentiert die Fähigkeit des Konzerns heute von Konsumententrends profitieren zu können.
OC&C-Experte und Partner Christoph Treiber
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OC&C-Experte und Partner Christoph Treiber
Sehen Sie dennoch Schwächen im Portfolio und in der Unternehmensstrategie? Nestlé ist ein echter Gigant in der Konsumgüterbranche. Der im LEH erzielte Umsatz liegt deutlich über dem Niveau der ersten Verfolger P&G und PepsiCo. Die Grösse hat viele Vorteile – etwa beim Einkauf oder hinsichtlich der Distributionsmacht. Doch große Tanker stehen bisweilen in puncto Dynamik und Innovationskraft vor Herausforderungen – gerade im Vergleich zu kleinen, agilen Wettbewerbern. So bereinigt Nestlé das Portfolio vergleichsweise zaghaft. Die Fokussierungsstrategie auf wachstumsstarke Regionen und Kategorien wie Kaffee, Tiernahrung oder Babynahrung wird jedoch in den kommenden Jahren Desinvestitionen an anderer Stelle nach sich ziehen. In der jüngeren Vergangenheit wurde bereits die Eiscremesparte ausgelagert und in das Joint Venture Froneri überführt. Nischenkategorien oder weniger profitable Segmente wie Nestlé Skin Health stehen kurz vor dem Verkauf oder wurden – wie das Süßwarengeschäft in den USA – bereits abgestoßen. Auch einige eher lokale Marken, wie beispielsweise Herta, könnten bald Teil eines weiteren Bereinigungsprozesses werden. Bei strategischen Zukäufen könnte Nestlé etwas risikofreudiger sein, gerade hinsichtlich des Erwerbs von digitalen Start-ups.
„Grundsätzlich hat sich die Innovationsfähigkeit des Konzerns aus meiner Sicht zuletzt deutlich verbessert“
Christoph Treiber, OC&C

Digitalisierung, Transformation und Customer Experience sind Themen, die Nestlé insgesamt stark beschäftigen. Sehen Sie den Konzern trotzdem auf einem guten Weg? Mit Blick auf die genannten Faktoren gibt es von Marke zu Marke grosse Unterschiede. Grundsätzlich hat sich die Innovationsfähigkeit des Konzerns aus meiner Sicht zuletzt deutlich verbessert – beispielsweise im Süsswarengeschäft. Viele FMCG-Riesen haben erkannt, dass sich vor allem für Produktinnovationen höhere Preise durchsetzen lassen. Daher investieren sie verstärkt in Forschung und Entwicklung, so auch Nestlé. CEO Ulf Schneider ist zudem ehrgeizig, was die Zeitspanne für die Platzierung von Innovationen in LEH-Regalen betrifft: Von der Produktidee bis zur Platzierung soll künftig nicht mehr als maximal ein Jahr vergehen. Diese Haltung ist ebenso mutig wie richtig, denn kleinere Player sind nicht nur agiler und schneller, sie haben in der Regel auch ein höhere Innovationsquote. mir


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