NZZ Unplugged

Haben alte weisse Männer ausgedient? - Influencerin und Autorin Sophie Passmann im NZZ unplugged Gespräch

Sophie Passmann während Ihrer Lesung ihres Buches "Alte weisse Männer - Ein Schlichtungsversuch" im Bernhard Theater für NZZ Unplugged.
© HORIZONT/hür
Sophie Passmann während Ihrer Lesung ihres Buches "Alte weisse Männer - Ein Schlichtungsversuch" im Bernhard Theater für NZZ Unplugged.
Schauplatz ist das prall gefüllte Bernhard Theater Zürich: Sophie Passmann, 25, die auch eine Marke ist, sitzt im Le Corbusier und liest auf Einladung der NZZ aus ihrem Bestseller "Alte Weisse Männer - Ein Schlichtungsversuch". Autorin und Feminstin Passmann, die für das ZEITMagazin eine Kolumne schreibt, mit Jan Böhmemann im NEO MAGAZIN ROYAL auftritt und der auf Instagram und Twitter zehntausende Fans folgen, hat mit 16 einflussreichen Männern gesprochen. Alles ist wenig schmeichelhaft. Dennoch schlägt das (noch) SPD-Mitglied aus bürgerlichem Hause im Gespräch mit Peer Teuwsen auch versöhnliche Töne an.
Weisser NZZ-Mann Peer Teuwsen: Wieso das Buch? Passmann zählt auf: Weiss, männlich, hetero, mittelständisch, reaktionär, traditionell und mit allen erdenklichen Privilegien ausgestattet. Die, gemäss Passmann, gängig herumgereichte Mängelliste alter weisser Männer ist lang, stereotyp und sie ist für viele, wie sie sagt, auch ein Pseudoargumentarium.
Peer Teuwsen, Ressortleiter Kultur "NZZ am Sonntag" im Gespräch mit Sophie Passmann
© HORIZONT/hürl
Peer Teuwsen, Ressortleiter Kultur "NZZ am Sonntag" im Gespräch mit Sophie Passmann
In 16 Gesprächen mit alten weissen Männern ist die 25-jährige, die über das Studium an der Uni Freiburg zur linken Feministin fand, der Frage nachgegangen: Kann man verhindern, ein alter weisser Mann zu werden? Sie liest auf der Bühne Passagen aus dem Gespräch mit Kommentatorenlegende und Wahlzürcher Marcel Reif:


"Seine Frau ist eigentlich viel wichtiger als er, sie ist Staatsministerin für Kunst in Bayern. (...) Marcel Reif war bis gestern im Urlaub. Er sieht aus wie ein braungebrannter Ibizaurlauber mit weissblauem Polohemd, Sonnenbrille, edlem Goldschmuck und einem Ausdruck im Gesicht, der die bestechene Schönheit des Zürisee höchstens nüchtern quittiert, als hätte er ein Anrecht darauf."
Bestseller "Alte Weisse Männer" von Sophie Passmann. Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.
© HORIZONT/hürl
Bestseller "Alte Weisse Männer" von Sophie Passmann. Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.
Das Buch ist ein Erfolg mit Schattenseiten. Die Autorin, die sich eine Fernsehshow und ihre Ruhe wünscht, wird im Social Web mit Lob überschüttet aber auch mit krassen Hasskommentaren eingedeckt. Ihren Facebookaccount hat sie inzwischen gelöscht:
© HORIZONT/hürl
„Auf eine gewisse Art von Hass ist man nicht gefasst. Aber alles geht zum Anwalt. Ich kenne inzwischen Staatsanwälte in allen Bundesländern. “
Sophie Passmann
Teuwsen: Kann man Selbstbewusstsein lernen? "Ja, in der Psychotherapie. Alle sollten in die Psychotherapie. Ich machte eine mit 20. Was geschah? "Es gab Medikamente und die Frage, woher die Dinge kommen, die einem belasten." Wieso tun Sie sich das an? "Wegen der guten Sache. Ich will eine Debatte anstossen, angriffig aber mit Humor und Selbstironie. Sind Sie eine Marke? "Ich bin die Junge, Freche, Wilde, Schlaue. Auf Instagram denken sie einfach, die ist cool. Eigentlich mag ich den Begriff Marke nicht. Es tönt nach was Durchgeplantem. Aber ja, ich bin eine Marke und das ist auch ein Privileg." Was haben Sie gelernt? "Jede Passage im Buch bietet eine Angriffsfläche und die Frage ist, was man wie stehen lassen kann. Und ich habe was über das eigene Ironieverständnis und das der LeserInnen gelernt."

Passmann über Schmidt und die Schweiz

Vorbilder hat die Feministin keine, die NZZ-Mann Teuwsen im Verlaufe des Gesprächs als Undercover-Agentin des Feminismus bezeichnet. Ihr Lieblings-Alter-Weisser-Mann ist Harald Schmidt und ein Wunsch ist, dass sie auch weiterhin unbehelligt mit der Jogginghose ein Croissant holen gehen kann. Über die Schweiz liest sie aus ihrem Buch folgendes: "Gibt es Sie überhaupt? Sie ist ein direktdemokratischer Witz. (...) Alles in der Schweiz ist irre gut. Ausser der Minderheitenschutz und der Sozialpolitik. Ich treffe heute Marcel Reif, von dem ich gar nicht wusste, dass er in der Schweiz wohnt ..."
stats