New Work

"Wir werden erst in zwei Jahren wissen, welche Ideen sich nachhaltig durchsetzen"

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Facebook-Deutschlandchef Tino Krause: "Wir führen intensive und konstruktive Gespräche mit den Werbungtreibenden."
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Facebook-Deutschlandchef Tino Krause: "Wir führen intensive und konstruktive Gespräche mit den Werbungtreibenden."
Corona verändert die Arbeitswelt an vielen Stellen. Wir wollten von Entscheidern in der Branche wissen, wie sich New Work in ihren Unternehmen auswirkt. Vier kurze Fragen und viele unterschiedliche Antworten. Die Meinung der Managerinnen und Manger veröffentlichen wir mit den kompletten Aussagen in einer Serie. Heute bezieht Tino Krause, Länderchef Schweiz, Deutschland und Österreich bei Facebook, Stellung.
Wie haben sich Arbeitskultur und Arbeitsprozesse bei Ihnen durch Corona verändert?
Die Arbeit im Homeoffice hat die Arbeitsprozesse und den Alltag der meisten Menschen komplett auf den Kopf gestellt. Wir alle mussten uns erst an diese neue Art des Arbeitens anpassen und unsere eigenen Erfahrungen sammeln. Aus meiner Perspektive haben sich einige Dinge in diesen Zeiten als Erfolgsrezepte bewährt: mehr Energie in die Vorausplanung zu investieren, Entscheidungen proaktiver zu kommunizieren und generell besser zu dokumentieren. Und das wichtigste: Wir müssen uns gegenseitig unterstützen und Verständnis füreinander haben. Denn manche Menschen haben verständliche Herausforderungen mit der Situation im Homeoffice, weil sie zu Hause eventuell mit einer beschwerlichen Arbeitsumgebung umgehen müssen. Für diese Kolleginnen und Kollegen bieten wir interne Coachings und auch einen Ratgeber an, um sie dabei zu unterstützen, ihre persönliche Homeoffice-Situation zu verbessern. Mit den richtigen Ressourcen und den richtigen Tools ist das Arbeiten aus der Ferne nicht zwangsläufig eine Herausforderung. Es kann auch produktiv und erfüllend sein.
„Wir gehen davon aus, dass 50 Prozent unserer 45.000 Mitarbeiter in den nächsten fünf bis zehn Jahren vollständig aus der Ferne arbeiten könnten“
Tino Krause, Facebook

Ausserdem war es uns wichtig eine digitale Arbeitskultur zu etablieren, die weiterhin einen Austausch und eine Nähe mit den Kollegen ermöglicht, trotz der räumlichen Trennung. Wir haben virtuelle menschliche Kontaktpunkte wie das Coffee Chat Roulette kreiert. Dort bekommt man Kollegen aus anderen Facebook-Büros zugelost und kann eine virtuelle Kaffeepause mit ihnen machen. Und unser “Kick the week off”-Meeting, das wir normalerweise an jedem Montag haben, führen wir jetzt über unsere Plattform Workplace virtuell durch. In einer digitalen Arbeitskultur sind wir alle stärker dazu aufgefordert, aktiv und konzentriert zu arbeiten. Ansonsten kann man schnell den Anschluss verlieren.



Wie sieht das Büro der Zukunft aus - wird es bei Ihnen künftig ein Mischmodell aus Präsenz- und Home-Office geben? Wie wird da die Relation aussehen?
Mittlerweile beginnen viele Unternehmen in vielen Ländern in unterschiedlichen Geschwindigkeiten aus dem Lockdown herauszukommen. Trotzdem stellen wir uns die Frage, wie diese neue Normalität und die Zukunft des Arbeitens aussehen werden. Wir werden jedoch erst in zwei Jahren wissen, welche Ideen sich nachhaltig durchsetzen. Zum einen zeigt meine Erfahrung , dass nicht alle so begierig darauf sind, zu alten Gewohnheiten zurückzukehren. Denn diese Zeit hat für viele von uns neue Möglichkeiten eröffnet, wie, wann und wo wir arbeiten. Zum anderen sehe ich aber auch, dass die Menschen die kurze und spontane Unterhaltung mit den Kolleginnen und Kollegen, auch mal die Lautstärke und die Lebendigkeit im Büro vermissen. Das echte Büro ist unersetzlich. Ich denke, es wird sogar eine Renaissance erleben, weil die Leute realisieren, wie wichtig der menschliche Kontakt ist. Zuhause ist in meiner Erfahrung geprägt durch Fokus und Effizienz, während das Büro für die sozialen Kontakte und Kreativität unerlässlich bleiben wird. Wir überdenken bei Facebook gerade unsere Strategie der Fernarbeit. Wir gehen davon aus, dass 50 Prozent unserer 45.000 Mitarbeiter in den nächsten fünf bis zehn Jahren vollständig aus der Ferne arbeiten könnten. Der erste Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel ist die Einführung von Ferneinstellungen, die Zugang zu einem grösseren Talentpool ermöglichen. So können die besten Talente für den Job rekrutiert werden, unabhängig davon, in welcher Region sie leben.
„Mit den richtigen Ressourcen und den richtigen Tools ist das Arbeiten aus der Ferne nicht zwangsläufig eine Herausforderung. Es kann auch produktiv und erfüllend sein“
Tino Krause, Facebook

Ein weiterer Punkt ist der Nutzen für die Umwelt und das Klima. Wir haben uns als Unternehmen das ehrgeizige Ziel gesetzt, CO2-Neutralität im Jahr 2030 auch für unsere gesamte Wertschöpfungskette zu erreichen – einschliesslich Faktoren wie dem Pendeln von Mitarbeitern und Geschäftsreisen. Zu diesem Ziel kann das Arbeiten im Homeoffice massgeblich beitragen: es entfallen viele tägliche Pendelwege, ausserdem kann ein Teil der Dienstreisen durch Videokonferenzen ersetzt werden. Wie gut das bereits jetzt funktioniert, zeigen unsere Erfahrungen während der Corona-Krise.


Wenn Sie Home-Office zulassen, stellen Sie Ihren Mitarbeitern die Geräte wie Laptop, Smartphone und Drucker zur Verfügung oder müssen die Kollegen ihre eigenen Geräte nutzen?
Es ist meine feste Überzeugung, dass die Etablierung einer digitalen Arbeitskultur keine teure Technik erfordert. Sie erfordert vor allem digitale Kollaborations-Tools, die man einfach anwenden kann und die Menschen überall mitnehmen und benutzen können. Unabhängig davon, welches Arbeitsgerät sie benutzen oder ob sie überhaupt einen Schreibtisch haben. Trotzdem wollen wir unseren Mitarbeitern natürlich auch alle Geräte zur Verfügung stellen, die sie für ihre Arbeit benötigen. Dazu gehören im Wesentlichen ein Laptop und ein Handy. Vor kurzem haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch Portal-Geräte für zuhause bekommen. Das sind unsere eigenen Smart Displays, die es noch einfacher machen an Videokonferenzen teilzunehmen.
„Wir wollen Menschen helfen, ihre Home-Office-Arbeit erfolgreich zu gestalten, ihr Wohlbefinden und ihre Produktivität unterstützen“
Tino Krause, Facebook

Welche digitalen Kollaboration-Tools nutzen Sie?
Unsere Technologien und Tools, mit denen wir schon vor Corona täglich gearbeitet haben, tragen aktuell stark dazu bei, Beeinträchtigungen des Alltags zu minimieren und den Austausch aufrechtzuerhalten. Über Workplace zum Beispiel, das ich eben genannt habe, können sich Mitarbeiter online via Chat oder Videokonferenzen austauschen, Gruppen erstellen und an Projekten zusammenarbeiten. Kollegen, die aus der Ferne oder von zu Hause aus arbeiten, können so in Echtzeit informiert werden. WhatsApp enthält mit seiner Ende-zu-Ende Verschlüsselung eines der stabilsten und zugleich sichersten Videokonferenz-Tools am Markt. Facebook Messenger ist das ideale Videokonferenz-Tool, um Teilnehmer über Laptop und Smartphones hinweg zusammenzubringen und Inhalte per Screensharing direkt vom Rechner aus zu teilen.



Aus meiner Sicht waren und sind wir also gut darauf vorbereitet, unserer Arbeit wie gewohnt nachzugehen. Gleichzeitig haben uns in letzter Zeit immer wieder Unternehmen und Organisationen kontaktiert, um zu erfahren, was wir tun, um unsere Mitarbeiter zu unterstützen und zu führen. Deswegen haben wir uns entschieden, Unternehmen ein Toolkit zur Verfügung zu stellen mit unseren Tipps, Techniken und Best Practices. So wollen wir Menschen helfen, ihre Home-Office-Arbeit erfolgreich zu gestalten, ihr Wohlbefinden und ihre Produktivität zu unterstützen. Dazu gehören zum Beispiel allgemeine Tipps zur richtigen Infrastruktur und Organisation, Hinweise für virtuelle Team Meetings, Tipps für Manager, die ihr Team zusammenhalten müssen, sowie Eltern, für die Fernarbeit besonders herausfordernd sein kann.
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