Neue Zürcher Zeitung

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Felix Graf, CEO der NZZ
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Felix Graf, CEO der NZZ
Den Werbemarkt nicht ganz aufgeben, den Lesermarkt konsequent digitalisieren: Die Neue Zürcher Zeitung sieht sich in ihrer Strategie bestätigt. Das sagt CEO Felix Graf im HORIZONT-Interview.
Dass Tageszeitungen immer digitaler werden, ist nichts Neues. Aber es gibt nicht viele Tageszeitungen, die inzwischen mehr Digital- als Printkunden haben. Zahlende Kunden, wohlgemerkt, nicht einfach Leser. Bei der Neuen Zürcher Zeitung ist das der Fall. Knapp 167.000 Kunden zahlen derzeit für digitale NZZ-Produkte. Das Ziel, bis 2022 auf 200.000 zahlende Kunden zu kommen, werde man vorzeitig erreichen, sagt CEO Felix Graf im HORIZONT-Interview. Beim Umsatz übertrifft der Printanteil aktuell noch das digitale Geschäft, das liegt an den höheren Abo-Preisen der gedruckten Zeitung.


Während sich Graf für das Geschäft auf dem (digitalen) Lesermarkt ausgesprochen zuversichtlich zeigt, ist er wenig optimistisch, was den Werbemarkt angeht. "Vor zwanzig Jahren machten die Werbeerlöse 80 Prozent des Umsatzes aus, heute ist das Verhältnis zwei zu eins zugunsten der Nutzer", so seine Analyse des Status-quo. Und die Zukunft: "Wir müssen davon ausgehen, dass der Rückgang sich bei Print noch fortsetzt." Aber das sei kein Grund, den Werbemarkt aufzugeben. Graf verweist auf neue Werbeformen, zum Beispiel das Sponsoring von Konferenzen, die für die NZZ immer wichtiger würden.

Eine Allianz der Schweizer Medien gegen die US-Plattformen Google und Facebook auf dem Werbemarkt hält der NZZ-Chef zwar prinzipiell für sinnvoll, aber: "Fünf Kleine sind immer noch klein, auch wenn sie ihre Kräfte bündeln." Den Schritt zu einer Login-Allianz haben die Schweizer Medienhäuser – im  Gegensatz zu den deutschen – bereits getan. Graf: „Wir führen gemeinsam eine harte Registrierung ein. Wenn das nur einer tut, funktioniert es nicht. Wenn es nicht funktioniert, dann sind wir die Deppen, denn Facebook und Netflix haben selbstverständlich das Login ihrer Kunden und deren Daten."


Eine Annäherung der NZZ-Vermarktung an Goldbach/Tamedia schließt Graf nicht aus: "Für uns gibt es keine Dogmen.“ Momentan fühle man sich aber sehr wohl mit der eigenen Digital-Vermarktung. "Und bei Print tun wir gut daran, die Marke NZZ selbst zu vermarkten. Das ist eine strategische Frage."
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