Nach der Admeira-Übernahme durch Ringier

Thomas Spiegel spricht im HORIZONT-Interview über die Gesamtvermarktung

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Thomas Spiegel ist Head of Global Media und Geschäftsführer Blick-Gruppe. Von 2015 bis diesen Januar 2020 war Spiegel CEO von Dentsu Switzerland. Von 2010 bis 2012 arbeitete er für Google.
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Thomas Spiegel ist Head of Global Media und Geschäftsführer Blick-Gruppe. Von 2015 bis diesen Januar 2020 war Spiegel CEO von Dentsu Switzerland. Von 2010 bis 2012 arbeitete er für Google.
Vergangene Woche wurde bekannt, dass Ringier die Werbevermarkterin Admeira komplett übernimmt. Nach Roger Baur haben wir Thomas Spiegel zum Gespräch getroffen. Spiegel ist neu bei Ringier und trägt gleich drei Hüte. Der ehemalige Agentur-CEO ist Head of Global Media Ringier AG, CEO der Blick-Gruppe und zuständig für Vermarktung. Er spricht offen über erste Eindrücke, beantwortet Werbeauftraggeber-Fragen und äusserst sich zum Start von Blick-TV.
Thomas Spiegel, wie war Ihr erstes Aufeinandertreffen mit den Admeira-Leuten? Ein Gefühl von grosser Freude. Die Qualität der Leute ist der Wahnsinn. Echt! Und ich bin überzeugt, dass unsere neue Struktur mit dem klaren Produkt Fokus in der Vermarktung helfen wird, diese Qualität noch besser zu kanalisieren. Die Admeira hat dem Markt viel zu geben.


Können Sie die angesprochene Qualität präzisieren? Offenheit! Das mag jetzt abgedroschen klingen. Aber die Offenheit für den neuen Weg mit Fokus auf die Vermarktung ist grossartig. Trotz den einschneidenden Massnahmen mit dem leider unvermeidlichen Stellenabbau und strukturellen Veränderungen überwogen die vielen offenen Diskussionen mit Anregungen und konstruktiven Fragen, viele davon auch kritisch. Die Neugierde und die Bekundungen, nach vorne zu schauen, haben mich berührt und das sehe ich als grossartige Qualität.

Die Neuausrichtung der Vermarktungsstrategie in wenigen Sätzen? Admeira ist Broadcast und TV fokussiert. Print und Digital sind geschlossen bei Ringier. Beiden ist gemein, dass wir die Vermarktung entschieden näher an das Produkt bringen. Es ist wichtig, dass man sich versteht und kennt und dadurch die bestmögliche Form der Zusammenarbeit erreicht.


Besteht hier nicht die Gefahr der Vermischung promotioneller- und redaktioneller Inhalte? Nein. Michael Ringier als Verleger, Mark Walder als CEO würden das nicht zulassen.

Wieso Roger Baur? Roger Baur ist eine grossartige Verstärkung. Finden Sie mir eine Person im Markt, die die Medien- und Vermarkterseite besser kennt. Mit seinem Verständnis, insbesondere für Agenturen, hebt er die Entwicklung spezifischer Lösungen auf ein neues Level. Ein Beispiel dafür: Nicht jeder Agenturbesuch hat den Verkaufsabschluss zum Ziel. Die Inkubationszeit vom ersten Gespräch bis zur Kampagne ist heute länger. Ideen müssen nachhaltig und wohl überlegt sein. Roger Baur ist der Richtige dafür.

Mich erstaunt der Agenturfokus. Ich denke an die Auftraggeber, die gar keine Agenturen mehr beschäftigen wollen. Diese verursachen schliesslich auch Kosten. Das Team von Roger Baur ersetzt keine Agentur. Eine gute Mediaagentur wird immer mehr leisten können als der beste Vermarkter, wenn sie denn gut dafür bezahlt wird.

Die Crossmedialen Angebote von Admeira sollen beibehalten werden, fordert SWA-Direktor Roland Ehrler. Wie geht das mit der Struktur, wo Digital und Print vom Broadcasting getrennt sind?Diese Angebote gibt es weiterhin. Sie dürfen sogar eine Verbesserung erwarten. In Abstimmung mit den Agenturen und Werbekunden schnüren wir massgeschneiderte Crossmediapakete.

Können Sie sich eine Kooperation mit Goldbach vorstellen? Michi Frank reicht ja fast schon die Hand. In HORIZONT SWISS sagt er: "Um längerfristig gegenüber der amerikanischen Konkurrenz bestehen zu können, werden wettbewerbsfördernde Kooperationen mit anderen Partnern zunehmend wichtiger.» Ich bin froh, dass es zwei grosse Werbevermarkter gibt in der Schweiz. In einem kleinen Markt ist das Miteinander wichtiger als die Konfrontation. Es gibt hier einen Austausch. Ich schätze Goldbach-CEO Michi Frank sehr. Es ist wichtig, dass wir uns effektiv und partnerschaftlich austauschen. Wie ist das Verhältnis zu Facebook und Google? Egal wie gut wir mit Facebook und Google lokal kooperieren und allenfalls sogar zusammenarbeiten, sie sind global gesteuert und üben einen wahnsinnigen Druck auf die Industrie aus. Wir müssen als Schweizer Vermarkter ein Gegengewicht schaffen. Das ist die Strategie und die Digital-Allianz ist eine Massnahme davon.

Gratulation zum Start von Blick-TV. Ist eine redaktionelle Zusammenarbeit mit Bild-TV geplant? Aktuell nicht, nein.

Welche Kunden haben schon gebucht? Das würde ich jetzt ungern ausbreiten, weil ich niemanden vergessen möchte. Aber es sind einige. Wir sind sehr zufrieden mit dem Sponsoring und den Videobuchungen.

Ab wann muss Blick TV rentabel sein? Marc Walder gibt uns drei Jahre Zeit, in die Gewinnzone zu kommen. Das nimmt aber nicht den Druck von der Vermarktung. Wir sind sehr ambitioniert und das Produkt ist neu, innovativ und formbar. Daraus werden sich für die Vermarktung laufend neue Formen ergeben.

Welche? Wir starten mit skippable und non-skippable Videoanzeigen und mit verschiedenen Sponsoringformaten.
Thomas Spiegel
© Ringier AG
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Thomas Spiegel zieht in das Group Executive Board der Ringier AG ein und wird zuständig für Global Media sowie gleichzeitig Geschäftsführer der Blick-Gruppe. Alexander Theobald übernimmt die CEO-Funktion bei der Ringier Axel Springer Schweiz AG von Ralph Büchi. Dieser wird das Unternehmen wie geplant verlassen und sich auf sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der Axel Springer SE, Berlin, konzentrieren.

Sie tragen drei Hüte bei Ringier: Sie sind Head of Global Media Ringier AG, dann CEO der Blick-Gruppe und zuständig für Vermarktung. Wie führen Sie? Klare Strukturen und Ziele bilden die Grundlage. Alle sollen mit Selbstvertrauen und Energie loslegen können und in die richtige Richtung gehen. Alle müssen wissen, was sie tun dürfen, was möglichst viel ist, solange es dem Unternehmenserfolg dient und sie müssen wissen, auf welche Ressourcen sie zurückgreifen und mit wem sie reden können. Wer dies verinnerlicht hat und die quantifizierbaren Ziele anstrebt, kommt mit wenig operativer Führung aus. Das ist mein Ziel.
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