Medienviefalt

Kleine und mittlere unabhängige Verlage gründen Interessengemeinschaft

   Artikel anhören
© Pexels
Derzeit diskutiert das Parlament Massnahmen, um die medienpolitische Vielfalt in der Schweiz zu erhalten, darunter auch ein neues Gesetz zur Förderung der Online-Medien, in dem eine Holdingklausel mit degressivem Zahlmodell vorgesehen ist. Anders als einige grosse Verlage unterstützt die neu gegründete IG "Kleine und mittlere Verlage" diese Massnahmen wie vom Bundesrat vorgesehen.
Die Schweizer Medien stehen – auch Covid-bedingt – unter grossem Druck. Ein zusätzlicher Kraftakt besonders für kleine und mittlere Lokal- und Regionalzeitungen sei die digitale Transformation, schreiben Gilbert Bühler von den Freiburger Nachrichten und Christof Nietlispach von den Freiämter Regionalzeitungen im Namen der IG Kleine und mittlere Verlage. Wegen der beschränkten Reichweite sind die Erträge von Bezahlmodellen (noch) nicht kostendeckend. Um die demokratiepolitisch bedeutsame Medienvielfalt in unserem Land zu erhalten, müssten auch die kleineren Medien Online-Angebote bereitstellen, um insbesondere jüngere Leserinnen und Leser ansprechen zu können.


Das geplante Bundesgesetz über die Förderung der Online-Medien (BFOM) sieht dafür Unterstützungsgelder vor. Auch die grossen Verlage würden von diesen Geldern profitieren: Die grössten acht Verlage sollen von den vorgeschlagenen 30 Millionen Franken 54 Prozent erhalten. Dank Holdingklausel und degressivem Zahlmodell würden die rund 100 kleinen und mittleren unabhängigen Zeitungstitel mit einem Auflagenanteil von 23 Prozent einen Anteil von 46 Prozent erhalten. Diese überproportionale Unterstützung ist zentral, damit unabhängige Lokal- und Regionaltitel wie beispielsweise Bote der Urschweiz, Engadiner Post, Freiburger Nachrichten, Luzerner Landzeitungen, Volksstimme, Wohler Anzeiger weiterhin ihren demokratiepolitischen Beitrag leisten können.

Um Holdingklausel und Degression zu unterstützen, die von den grossen Verlagen bekämpft werden, wurde quasi als Pop-up-Vereinigung die IG "Kleine und mittlere Verlage" gegründet. Denn für kleine Titel wie die oben erwähnten und zahlreiche weitere aus allen Sprachregionen der Schweiz sei die Umsetzung des BFOM in der vom Bundesrat vorgelegten Form überlebenswichtig.


Die weiteren Massnahmen des dreiteiligen Medienpakets - indirekte Presseförderung und Unterstützung von Brancheninitiativen - seien bei allen Mitgliedern des VSM unumstritten. Von der Presseförderung würden die sieben grössten Verlage gemäss dem vorgesehenen Modell mit rund 80 Prozent der zusätzlich vorgesehenen 60 Millionen Franken profitieren, die kleinen und mittleren unabhängigen Verlage würden mit 20 Prozent unterstützt.

Über alle Differenzen hinweg entscheidend sei, dass das Medienpaket möglichst rasch in Kraft gesetzt wird.
Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats