Medienqualitätsrating Schweiz 2020

Ein Echo der Zeit

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Fast wie ein Influencer auf TikTok. Heiner Gautschy, die legendäre "Stimme aus New York", interviewt fürs "Echo der Zeit" einen Piloten im Cockpit. Aufgenommen 1949. 2020, 71 Jahre später, ist "Echo der Zeit" Schweizer Medienqualitätsmeister.
© SRF
Fast wie ein Influencer auf TikTok. Heiner Gautschy, die legendäre "Stimme aus New York", interviewt fürs "Echo der Zeit" einen Piloten im Cockpit. Aufgenommen 1949. 2020, 71 Jahre später, ist "Echo der Zeit" Schweizer Medienqualitätsmeister.
Die dritte Ausgabe des Medienqualitätsrating MQR-20 bringt bemerkenswerte Erkenntnisse die aufhorchen lassen: Die Qualität der Berichterstattung insgesamt ist gestiegen. Die Vielfalt hingegen ist gesunken, ebenso die regionale Politikberichterstattung. Das Medienqualitätsrating 2020 ist eben ein Echo der Zeit.

Qualitätsgewinne

Die Qualität der Berichterstattung insgesamt ist gestiegen, insbesondere die des Boulvevards und der Onlineausgaben, die teils sogar ihre Printschwestern überholt haben. Am meisten zulegen konnte Blick.ch mit plus 6 Punkten. Unangetastet bleibt die Qualitätsführerschaft der NZZ. Als einzelnes Format über allen thront das «Echo der Zeit». Diese Entwicklung ist erfreulich.

Die Qualitäts-Matrix

MQR-20 Qualtitäsmatrix. Lesebeispiel: Lesebeispiel: Die Sendung Echo der Zeit von Radio SRF erzielt sowohl in der Dimension der Berichterstattungsqualität (Inhaltsanalyse) als auch bei der Qualitätswahrnehmung (Befragung) die besten Ergebnisse.
© MQR-20
MQR-20 Qualtitäsmatrix. Lesebeispiel: Lesebeispiel: Die Sendung Echo der Zeit von Radio SRF erzielt sowohl in der Dimension der Berichterstattungsqualität (Inhaltsanalyse) als auch bei der Qualitätswahrnehmung (Befragung) die besten Ergebnisse.

Das Gruppenranking

© MQR-20

Vielfaltsverluste

Die Vielfalt hingegen ist gesunken. In nur zwei Jahren hat sich der Anteil der Mehrfachverwertungen («geteilte Beiträge») von 10 auf 21 % erhöht. Bei nationalen Politikthemen, Abstimmungen beispielsweise, betrug der Anteil geteilter Beiträge 2019 bereits 41 Prozent. Immer weniger Redaktionen entscheiden darüber, welche Themen, Meinungen, Personen und Organisationen Publizität erhalten. Vielfaltsverluste treten insbesondere bei Medien auf, die in Verbundsysteme integriert sind und über Zentralredaktionen mit Inhalten versorgt werden. Diese Entwicklung ist bedenklich.

Bedeutungsverluste

Nicht von der inhaltlichen Medienkonzentration betroffen ist das Regional-Ressort. Dieses wird selbst in Verbundsystemen von eigenständigen Redaktionen mit Inhalten versorgt. Jedoch ist in der Berichterstattung zu regionalen Themen, sowohl bei der TX Group als auch bei CH Media, eine Tendenz zur Boulevardisierung feststellbar. Der Anteil an HumanInterest-Themen legt zu, während insbesondere die regionale Politikberichterstattung an Bedeutung verliert. Diese Entwicklung ist für das föderale System Schweiz, wo die Verankerung im Lokalen, in den Gemeinden stattfinden soll, da wo Verantwortung spürbar ist, unerfreulich.

Fazit

Der steigenden journalistischen Qualität stehen eine sinkende mediale Vielfalt sowie ein Verlust an politischer Berichterstattung auf lokaler Ebene gegenüber. Die grossen Medienhäuser sind dazu angehalten, Vielfalt und Lokales bewusst in ihre Zukunftsmodelle einzubeziehen. Andernfalls werden dies andere tun, denn die Nachfrage nach Lokalem wächst, egal, ob für Dinge des täglichen Bedarfs oder nach Wissen darüber, was sich im Quartier um die Ecke abspielt. Trump oder Biden? Das entscheiden andere. Grünfläche oder Betonbau? Da kann ich mitentscheiden.

SRF-Titel als Vertrauensüberflieger

Keine Frage, das Ranking mit den Medientiteln mit dem höchsten Vertrauen dürfte in Leutschenbach Jubelgesänge auslösen. 
Ranking nach Vertrauen in Medientitel. Lesebeispiel: Am meisten Vertrauen hat das Publikum in die Radiosendung Echo der Zeit. Der Wert ist gegenüber 2018 unverändert. Am wenigsten Vertrauen wird der Onlineausgabe des Blick entgegengebracht, obwohl diese 4 Punkte zulegen konnte.
© MQR-20
Ranking nach Vertrauen in Medientitel. Lesebeispiel: Am meisten Vertrauen hat das Publikum in die Radiosendung Echo der Zeit. Der Wert ist gegenüber 2018 unverändert. Am wenigsten Vertrauen wird der Onlineausgabe des Blick entgegengebracht, obwohl diese 4 Punkte zulegen konnte.

Zur Studie

Die dritte Ausgabe des Medienqualitätsrating MQR-20 untersucht die Qualität der 49 wichtigsten Informationsmedien der Schweiz anhand wissenschaftlicher Methoden. Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich misst die Berichterstattungsqualität mittels eines inhaltsanalytischen Verfahrens. An der Universität Fribourg und der Hochschule Luzern wird die Qualitätswahrnehmung mit einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung gemessen. Diese zweifache Medienqualitätsmessung ist national wie international einmalig.


Die ganze Studie finden Sie hier.

Über die Qualitätsmatrix
Die Qualitätsmatrix funktioniert wie eine Lupe: Mit ihr lässt sich einfach erkennen, wie ein Medientitel im Hinblick auf die Berichterstattungsqualität (X-Achse) und die Qualitätswahrnehmung des Publikums (Y-Achse) innerhalb ihrer Vergleichsgruppe abschneidet. Die Einteilung unterscheidet nach unterdurchschnittlichen (–1), durchschnittlichen (0) und überdurchschnittlichen (+1) Qualitätseinstufungen. Die Mehrzahl der Medientitel liegt auf der diagonalen Achse. Dies bedeutet, dass beide Messverfahren (Inhaltsanalyse und Befragung) bei den meisten Medientiteln zu übereinstimmenden Qualitätsbefunden kommen. Landet ein Medientitel ausserhalb der Diagonale, bedeutet dies, dass die Methoden zu unterschiedlichen Befunden kommen. Ein Medientitel oberhalb der Diagonale schneidet beim befragten Publikum besser ab, ein Medientitel unterhalb der Diagonale schneidet in der Inhaltsanalyse besser ab.
Qualitätskriterien
Die Qualität der Medien wird auf der Grundlage von vier Qualitätsdimensionen operationalisiert, d.h. für die empirische Sozialforschung messbar gemacht:
  • Relevanz, d.h. Fokussierung auf gesellschaftlich relevante Themen, Verhältnis von Hardnews und Softnews, Einfluss auf die politische Meinungsbildung.
  • Vielfalt der Themen und Blickwinkel.
  • Professionalität in Form von Sachlichkeit, Quellentransparenz und Eigenleistung.
  • Einordnungsleistung in Form der Vermittlung von Hintergrundwissen zu aktuellen Ereignissen, des Aufzeigens von Ursache- Wirkung-Beziehungen, der Qualität journalistischer Recherche sowie in Form der Interpretations- und Orientierungsleistung.
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