Medienmonitor Schweiz 2017

20 Minuten und SRG-Programme prägen Meinungsbildung

© zvg
Die Schweizer Medienlandschaft ist vielfältig und leistungsfähig genug, um die gesellschaftliche Funktion zur Sicherung der Meinungsvielfalt weitgehend zu erfüllen, heisst es im "Medienmonitor Schweiz 2017". Meinungsbildend sind vor allem 20 Minuten und die SRG-Programme.

Trotz schwieriger Markbedingungen und einiger Konzentrationstendenzen sei dies geschehen, heisst es in der Medienmitteilung von Publicom, die die Untersuchung durchgeführt hat. Die Vielfalt sei nicht nur in der deutschsprachigen sondern auch in der Westschweiz sowie den italienischsprachigen Gebieten der Schweiz gegeben. Überall gebe es genügend Alternativen, um Informationsbedürfnisse bei unterschiedlichen Quellen zu decken.



Klare Schweizer Nummer 1 für Meinungsmacht ist danach 20 Minuten, die als einzige tagesaktuelle Medienmarke ein grosses mehrsprachiges Publikum erreicht. Dabei ziehen gemäss der Studie vor allem jüngere Leser 20 Minuten zur Meinungsbildung bei.

© zvg
In den Landesteilen befindet sich die SRG in der klar stärksten Position. Die beiden ersten Programme belegen in den drei sprachregionalen Meinungsmacht-Rankings jeweils den Spitzenplatz (TV) und den dritten Rang (Radio), nicht weit gefolgt von zwei oder drei weiteren Angeboten der öffentlichen Rundfunkveranstalterin. Private Medienanbieter aus der Schweiz stellen etwa die Hälfte der 20 meinungsstärksten Angebote der Landesteile, sie erreichen aber nur wenige absolute Spitzenpositionen (Ausnahmen: 20 Minuten, 20 minutes und Corriere del Ticino mit zweitgrösster Meinungsmacht). Komplettiert werden die sprachregionalen Top 20 von einer (knappen) Handvoll ausländischer TV-Programme, die teilweise auch abseits ihres Kerngebiets eine beträchtliche Meinungsmacht ausüben können.


Auch in einem Grossteil der lokal-regionalen Medienräume liegt die SRG vorne. Je nach Gebiet verschaffen sich zwei bis vier regionale Medienmarken (meist Print oder Radio) eine starke Position und tragen so zur Meinungsvielfalt bei. Auffällig ist zudem die marginale Stellung des Schweizer Regionalfernsehens und das vergleichsweise schwache Abschneiden von reinen Onlinemarken (für Social Media resultiert wegen fehlenden Reichweitedaten keine Meinungsmacht.

Methodische Informationen

Der Medienmonitor Schweiz verknüpft drei Erhebungsmodule und vereint Daten aus vielfältigen Quellen:
1) Bevölkerungsrepräsentative Online-Befragung und persönliche Offliner-Befragung zur Bedeutung von 170 Schweizer Medienmarken für die individuelle Meinungsbildung (N=5'001)
2) Sekundäranalyse anerkannter Schweizer Währungsstudien zu den täglichen Kontaktleistungen von Medien-marken (Radio/TV: Mediapulse, Print: WEMF, Online: NET-Metrix)
3A) Sekundäranalyse von Branchenstudien und Geschäftsberichten zum wirtschaftlichen Gewicht der Akteure im Schweizer Medienmarkt
3B) Laufende Marktbeobachtung und Dokumentation der Besitz- und Beteiligungsverhältnisse in der Schweizer Medienlandschaft

In den Landesteilen befindet sich die SRG SSR in der deutlich stärksten Position. Die beiden ersten Programme belegen in den drei sprachregionalen Meinungsmacht-Rankings jeweils den Spitzenplatz (TV) und den dritten Rang (Radio), nicht weit gefolgt von zwei oder drei weiteren Angeboten der öffentlichen Rundfunkveranstalterin. Private Medienanbieter aus der Schweiz stellen jeweils etwa die Hälfte der 20 meinungsstärksten Angebote der Landesteile, sie erreichen aber nur selten absolute Spitzenpositionen. Neben der starken Pendlerzeitung 20 Minuten auf Rang 2 erzielen in der Deutschschweiz einzig der Blick und der Tages-Anzeiger eine grössere Meinungsmacht von mindestens 10 Indexpunkten. In der Romandie kommen neben 20 minutes (wiederum stark auf Rang 2) nur Le Matin (im Jahr 2017, die Printausgabe von Le Matin wurde inzwischen vom Markt genommen) und 24 heures in diesen Bereich. Etwas anders sieht die Situ-ation in der kleinen italienischen Schweiz aus, mit sechs grösseren privaten Konkurrenten der RSI-Programme, insbesondere dem Corriere del Ticino mit zweitstärkster Meinungsmacht).

Meinungsmacht vs. Marktmacht
© Publicom Medienmonitor Schweiz 2017
Meinungsmacht vs. Marktmacht
Zwar konzentriert sich die Meinungsmacht in der kleinen Schweiz auf wenige Medienkonzerne und in vielen Räumen formiert sich ein "Duopol" mit der SRG und Tamedia. Doch ist laut den Studienautoren nicht anzunehmen, dass in absehbarer Zeit ein einziger Anbieter in einem der untersuchten 18 Märkte zu dominant werden könnte. Publicom mahnt dennoch, wachsam zu sein: Zum einen wegen der mächtige Stellung der geförderten SRG, die es für regionale Anbieter schwer mache. Zum anderen bringe die anhaltende Tendenz zur Vereinheitlichung redaktioneller Strecken und Organisationen einige Medienhäuser in die Lage, beispielsweise durch regionale Kopfblattsysteme eine beträchtliche Meinungsmacht mit überregionalen Inhalten auszuüben. ems

stats