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Printausgaben werden länger gelesen

Die Lesezeit ist für Printausgaben länger. Online sinkt die Aufmerksamkeit.
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Die Lesezeit ist für Printausgaben länger. Online sinkt die Aufmerksamkeit.
Print-Publikationen wie Wochenmagazine erhalten weniger Aufmerksamkeit, wenn sie ihre gedruckte Ausgabe abschaffen und nur noch online Inhalte veröffentlichen. Zwar nimmt so die Userzahl zu, jedoch verbringen diese dann deutlich weniger Zeit mit dem Online-Auftritt als mit der Printausgabe. Das ergibt eine Studie der City, University of London.
"Printmedien haben den Vorteil, dass sich Leser besser im Raum orientieren können. Sie wissen immer, an welcher Stelle sie beim Lesen sind, wie viele Seiten sie gelesen haben und wie viele noch übrig sind. Online ist das eine viel abstraktere Menge an Inhalt, Leser können einfach abbrechen, ohne dass sie das Gefühl haben, sie hätten etwas verpasst. Im Internet gibt es auch deutlich mehr Ablenkungen", erklärt Lukas Heymann, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Lesen.


Für die Studie haben die Autoren die Reichweiten des britischen Musikmagazins "New Musical Express" (NME) analysiert, dessen Printausgabe im März 2018 nach 66 Jahren Publikation eingestellt wurde. Die wöchentlichen Leserzahlen haben sich seit dem Ende der Druckversion um 19 Prozent gesteigert, die monatlichen Zahlen sogar um 27 Prozent. Jedoch verringerte sich die Zeit, die Leser mit dem NME verbringen, um 72 Prozent. Pro Monat verbringen Leser durchschnittlich drei Minuten mit der NME-Website, während sie mit der wöchentlich erscheinenden Printausgabe noch jeweils 31 Minuten verbrachten.

Ähnlich wie bei "The Independent"

Die Forscher weisen auf eine frühere Studie hin, die sie bei der britischen Tageszeitung "The Independent" durchgeführt hat. Die Zeitung stellte schon 2016 ihre Printausgabe ein, seither verbringen die Leser um 81 Prozent weniger Zeit mit der Publikation. "Der NME und The Independent unterscheiden sich stark voneinander - In ihrer Periodizität, ihrer Zielgruppen und ihrem Inhalt. Deswegen ist es bemerkenswert, dass die Veränderungen bei der Zeit, die Leser mit beiden Publikationen verbringen, nach der Einstellung der Printausgabe so ähnlich verlaufen sind", meint Neil Thurman, Koautor der Studie.
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