Marketing-Studium

Wie die Uni St. Gallen ihren Marketing Master umgebaut hat

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Sven Reinecke, Direktor des Instituts für Marketing der Universität St. Gallen
© Sven Reinecke
Sven Reinecke, Direktor des Instituts für Marketing der Universität St. Gallen
Marketing ohne digitale Massnahmen, Marketingjobs ohne digitale Skills –beides ist nahezu ausgestorben. Grund genug für das Institut für Marketing der Universität St. Gallen seinen Masterstudiengang neu aufzusetzen. Rund 15 Jahre nach der Bologna-Reform und dem damit verbundenen Start der Studienprogramme in ganz Europa, wurde so aus dem MSC der MiMM, der Master in Marketing Management.

Die beschleunigte Veränderung im Marketing hat auch die Lehre getrieben, sich zu wandeln. Auch in St. Gallen sind es die Werbeauftraggeber beziehungsweise die digitale Transformation ihres Marketings, die die Veränderung anstossen. „Wir haben uns gefragt, was verlangen Unternehmen von unseren Absolventen – und was verlangen wir als Universität von ihnen“, erzählt Sven Reinecke, Direktor des Instituts für Marketing der Universität St. Gallen. Die Antworten auf die beiden Fragen lieferten die Grundlage für die neue Struktur des Studiengangs sowie dessen inhaltliche Gestaltung. „Veränderung im Marketing führt zu veränderten Schwerpunkten in der Marketingarbeit und zu neuen Berufsprofilen“, sagt Reinecke. Die Datenflut und Methodenvielfalt würde zusätzliche analytische Kompetenzen erfordern, Marketing nicht mehr nur als Funktion, sondern als Gesamtaufgabe verstanden, und die  Bedeutung des Marketings nehme angesichts des Innovationsdrucks auf Geschäftsmodelle zu.

Pietro Beritelli, Titularprofessor und Ständiger Dozent für Betriebswirtschaftslehre
© Pietro Beritelli
Pietro Beritelli, Titularprofessor und Ständiger Dozent für Betriebswirtschaftslehre
Um die Absolventen für einen solchen Arbeitsmarkt auszurüsten, ist der Studiengang nun in die drei Tracks „Kunde“, „Unternehmensführung“ und „Funktion“ aufgeteilt. Vor allem die Tracks 1 und 2 sollen dem digitalen Wandel im Marketing Rechnung tragen. So sind unter der Überschrift „Kunde“ Pflichtkurse zu Marketing Analytics und Consumer Behavior sowie Pflichtwahlkurse wie Exploring Consumer Culture, Machine Learning und Web Data & Digital Analytics angesiedelt. Der Track „Unternehmensführung“ bietet die inhaltliche Klammer für den Pflichtkurs Marketing-Management sowie Pflichtwahlkurse wie Customer Oriented Leadership, Geschäftsmodellinnovationen und Customer Experience Management. Die Inhalte zu den klassischen Marketingfunktionen sind im Track „Funktionen“ gebündelt. Entsprechend heisst der Pflichtkurs auch Marketingfunktionen. Die Pflichtwahlkurse widmen sich Themen wie Influencer Marketing, Cross Media, Sales Force Management und Programmatic Advertising.

Bewusst haben Reinecke und seine Kollegen keinen der Tracks und Pflichtkurse nach einem der angesagten Digital-Buzzwords benannt. „Es gibt keine Veranstaltung, die Digital Marketing heisst, genau wie es keine gibt, die Analog Marketing heisst. Digitale Themen gehören heute zu jedem Arbeitsgebiet im Marketing dazu, deshalb macht es keinen Sinn mehr, das mit dem Titel von Veranstaltungen zu betonen. Die neue Benennung macht es uns zudem möglich, die Inhalte der einzelnen Kurse an die Veränderungen im Marketing anzupassen, ohne den Studiengang umzubauen“, sagt Pietro Beritelli, Titularprofessor und Ständiger Dozent für Betriebswirtschaftslehre.  

Alle drei Tracks haben das verpflichtende Bootcamp gemein, einen zweiwöchigen Kurs, an dem alle Studierenden teilnehmen müssen, um auf einem gemeinsamen Kenntnisstand ins eigentliche Studium zu starten. „Da einige unserer Master-Studenten von anderen Universitäten kommen, vermitteln wir allen im Bootcamp die gleichen Grundlagen im Marketing-Management“, erklärt Reinecke. Ebenfalls für alle Master-Aspiranten gilt, dass sie an den sogenannten Anwendungsprojekten mitarbeiten - egal ob sie am deutsch- oder englischsprachigen Masterprogramm teilnehmen. Dabei führen sie in Kleingruppen während drei Semestern bei Unternehmen je ein Projekt wie unter anderem ein Social Media Audit oder ein Benchmarking durch, das sie zugleich auf die spätere Arbeitsrealität vorbereitet. „Bei studienbegleitenden Firmenprojekten sind unsere Master-Studenten gern gesehene temporäre Mitarbeiter da sie kein Blatt vor den Mund nehmen“, erzählt Beritelli.ems

 




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