Mark Dittli, Chefredaktor von "The Market"

“Wir greifen relevante und spannende Themen heraus”

Mark Dittli, Initiant und Chefredaktor des neuen Wirtschaftsportals "The Market".
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Mark Dittli, Initiant und Chefredaktor des neuen Wirtschaftsportals "The Market".
Mark Dittli, Initiant und Chefredaktor von "The Market", sagt, was er mit dem neuen Anlegerportal bezweckt, weshalb er es mit der NZZ und nicht mit Tamedia lanciert hat und warum es auch für deutsche Leser interessant sein könnte.

 Herr Dittli, wie viele Personen haben sich in den ersten eineinhalb Monaten für ein kostenloses Probeabo von "The Market" angemeldet – und wie viele aus dem benachbarten deutschsprachigen Ausland?
Mark Dittli: Es sind deutlich über 500 Probeabos, der grösste Teil davon aus der Schweiz, aber auch einige aus Deutschland.



Und welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Unsere Ziele kommunizieren wir nicht.

Betrachtet man die beglaubigten Reichweiten (Unique User) anderer Schweizer Finanz-Portale wie cash.ch, finanzen.ch, fuw.ch oder finews.ch, so sind diese wachsend (HORIZONT Swiss berichtete), bei stabilen Nutzungszeiten pro Visit (je nach Portal zwischen 4 und 7 Minuten). Hat Sie das animiert, Ihr neues Portal zu lancieren?
Nein, nicht per se. Animiert hat uns die Idee, dem Markt etwas Neues, etwas Zusätzliches bieten zu können: Eine Plattform, die bewusst auf Lärm verzichtet, nur ausgewählte Themen präsentiert und diese vertieft beleuchtet. Insofern unterscheiden wir uns von den Portalen, die Sie genannt haben. Aber natürlich ist es ermutigend zu sehen, was die ganze Branche macht. Das zeigt ja, dass im Markt ein Bedarf besteht.
„Die NZZ ist das einzige Verlagshaus ist, das den Journalismus wirklich noch als Kerngeschäft definiert hat.“
Mark Dittli, Chefredaktor und Initiant von "The Market"
Was meinen Sie mit “Lärm”?
Der Wirtschafts- und Finanzmarkt besteht aus einem konstanten Newsflow, aus tausenden, ja abertausenden Informationsstücken. Wir verzichten aber bewusst auf das Abbilden dieses Flows und greifen stattdessen lieber relevante und spannende Themen heraus.


Bisher habe ich noch keine Werbung für "The Market" gesehen. Warum?
Einfach deshalb, weil wir noch keine Werbung gemacht haben. Wir sind zwar am 4. April gestartet, sind aber noch immer in einem Silent-Modus. Unser Marketing beginnt erst im Mai. Den April hindurch wollten wir bewusst noch still bleiben, auch um mögliche Kinderkrankheiten zu lösen.
Zur Person:

Mark Dittli ist Geschäftsführer und Chefredaktor von The Market. Er arbeitet seit fast zwanzig Jahren als Wirtschaftsjournalist, davon war er sechs Jahre Chefredaktor der „Finanz und Wirtschaft“ und berichtete während fünf Jahren als Korrespondent aus New York. Ab Ende 2017 schrieb er ein gutes Jahr für das Onlinemagazin „Republik“.#

Dittli hat in Winterthur Betriebswirtschaftslehre studiert und trägt den CFA-Abschluss als zertifizierter Finanzanalyst. Seine journalistischen Spezialgebiete sind globale makroökonomische Themen, Wirtschaftsgeschichte und Schweizer Aktien.

Mit welcher Agentur werden Sie für die Werbung zusammenarbeiten?
Beim Marketing arbeiten wir sehr eng mit unserem Partner, der NZZ-Mediengruppe, zusammen. Und die Werbekampagne wurde von Scholz & Friends Zürich entwickelt.

Sie tönten es an: Die NZZ-Mediengruppe ist zu 40 Prozent an "The Market" beteiligt. Sie will erklärtermassen im gesamten deutschsprachigen Raum wachsen – und auch "The Market" hat eine DACH-Strategie. Wie aber treten Sie in Deutschland und Österreich auf  – mit der Schweizer URL?
Ja, für unser Produkt, das ja klar ein Nischenprodukt ist, treten wir mit der Schweizer URL auf. Wir haben zwar nicht so grosse Ambitionen wie die NZZ in Deutschland, aber es ist ganz klar: Deutschland und generell der deutschsprachige Raum ist ein Markt, wo wir für uns tatsächlich ein Potenzial sehen.
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Wenn Sie mit der Schweizer URL im Ausland aufteten: Kokettieren Sie im Ausland mit der Swissness?
Nicht wirklich, das hat zunächst ganz praktische Gründe: Die entsprechende URL war in den beiden andern Ländern nicht mehr verfügbar. Es ist also kein bewusstes Kokettieren mit der Swissness. Aber es ist auch kein Nachteil: Denn aus einer Schweizer Perspektive sieht man die Welt zum Teil etwas anders als aus einer angelsächsischen oder deutschen Perspektive – und das kann für Leser im Ausland durchaus interessant sein.
„Aus einer Schweizer Perspektive sieht man die Welt zum Teil etwas anders als aus einer angelsächsischen oder deutschen Perspektive – und das kann für Leser im Ausland durchaus interessant sein.“
Mark Dittli, Chefredaktor und Initiant von "The Market"
Wird die Werbung von Scholz & Friends auch in Deutschland und Österreich zu sehen sein?
Nein. Der Zielmarkt ist in erster Linie die Schweiz.

Anleger in der Schweiz greifen in erster Linie nach der NZZ, danach auch nach der “Finanz und Wirtschaft” (FuW), der “Bilanz” und andern Medien.  Wird "The Market" also ausgerechnet die NZZ kannibalisieren?
Nein, das denken wir nicht, es wird die NZZ eher ergänzen. Klar, die NZZ hat einen sehr starken Wirtschaftsteil, doch wir sehen uns als Zweitmedium, weil wir noch viel spezifischer die Perspektive und Interessen der Investoren im Auge haben.

Sie und fast die ganze "The Market"-Redaktion kommen von der FuW. ein Jahresabo kostet zudem ähnlich viel wie bei der FuW. Wollen Sie der FuW Nutzer abspenstig machen?
Natürlich haben wir zum Teil denselben Zielmarkt, aber es ist überhaupt nicht unsere Strategie, die FuW zu schwächen. Die FuW ist ein sehr gutes Produkt. Ich glaube deshalb auch hier, dass wir eher etwas Zusätzliches liefern.
„Wir sind noch immer in einem Silent-Modus.“
Mark Dittli, Chefredaktor und Initiant von "The Market"
Die FuW gehört zu Tamedia. Warum haben Sie "The Market" nicht bei ihrer ehemaligen Arbeitgeberin Tamedia lanciert?
Weil die NZZ das einzige Verlagshaus ist, das den Journalismus wirklich noch als Kerngeschäft definiert hat.

Was kostet "The Market" in Deutschland und Österreich?
Wir haben dort denselben Abopreis wie in der Schweiz (348 Franken), einfach umgerechnet in Euro.

Warum sollten deutsche und österreichische Anleger "The Market" lesen. Haben sie zu wenig gute eigene Wirtschafts-Medien?
Einerseits haben wir thematisch eine wirklich sehr globale Perspektive, das heisst, dass wir uns sehr intensiv mit der globalen Wirtschaft und den globalen Aktienmärkten befassen – ohne dezidierten Schweiz-Fokus. Diesen Fokus nehmen wir einzig dann ein, wenn wir uns einzelne Unternehmen genauer ansehen. Ich würde deshalb sagen, dass über 70 Prozent der Inhalte auf The Market für einen deutschen Leser ebenso relevant sind wie für einen Schweizer Leser. Und was die Wirtschaftsmedien in Deutschland und Österreich anbelangt, so existieren in beiden Ländern sehr wohl sehr gute Medien. Allerdings ist keines der absolute Platzhirsch, wenn es um die vertiefte Betrachtung der Finanzmärkte und der Investoreninteressen geht. Darum sehen wir auch hier ein Potenzial für uns.
Die fixen externen Autoren von "The Market"

Alfons Cortés, Senior Partner und zuständig für den Bereich Research bei Unifnanz Trust, Vaduz (FL)
Karen Horn lehrt ökonomische Ideengeschichte und Wirtschaftsjournalismus an der Universität Erfurt (D)
Peter E. Huber ist Gründer und Geschäftsführer der Huber Portfolio GmbH in Oberursel (D).
Felix W. Zulauf ist Gründer und Inhaber der Zulauf Asset Management in Baar (CH)
William White ist Senior Fellow am C.D. Howe Institute in Toronto (CD) und hat schon vor 2008 vor der Gefahr einer globalen Finanzkrise gewarnt.
Jörg Wuttke ist Chefrepräsentant eines grossen deutschen Dax-Konzerns in China und lebt seit 30 Jahren in Peking.
Russell Napier, Edinburgh (UK), ist Autor des Solid Ground Investment Report und Mitgründer des Investment-Research-Portals ERIC.
Christoph Geyer, Frankfurt (D), betreibt Technische Analyse seit gut 40 Jahren und ist ähnlich lange im Bankgeschäft tätig.
Christina Kehl, Zürich (CH) ist eine Schweizer Fintech-Unternehmerin und Vordenkerin der digitalen Transformation.
Erwin W. Heri ist Professor für Finanztheorie an der Universität Basel (CH).
Charles Biderman ist der Gründer von TrimTabs Investment Research und lebt auf Hawaii.
Marc Chandler ist Chefstratege bei Bannockburn Global Forex in New York (USA)

Ihre Kernredaktion besteht aus lauter Schweizern, im erweiterten Kreis der Autoren finden sich aber auch Personen aus UK, USA, Deutschland oder China (siehe Kasten). Bringen diese in erster Linie die globale Sichtweise ein?
Sie haben recht: Die Mitglieder der festen Redaktion sind Schweizer, wobei einer davon – Christoph Gisiger – in Kaliformien lebt und von dort berichtet. Aber auch wir andern haben einen sehr globalen Fokus und beobachten die Finanzmärkte global. Das ist das eine. Das Zweite: Beim erweiterten Kreis der fixen Autoren war es uns wichtig, zusätzliche Expertisen einzubringen, die wir selbst nicht haben – etwa  die Erfahrung von Jörg Wuttke, der uns einen sehr vertieften Einblick in den chinesischen Markt geben kann. Mit Russell Napier haben wir zudem einen ausgewiesenen Finanzhistoriker, mit Karen Horn eine Politökonomin, die eine ökonomisch-philosophische Perspektive einbringt, oder mit Felix Zulauf einen ausgewiesen Praktiker und Investoren etc. knö

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