Lockdown

Menschen nutzen TV und Radio intensiver

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Radio- und TV-Nutzung im Tagesverlauf vor und nach dem "Lockdown"
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Radio- und TV-Nutzung im Tagesverlauf vor und nach dem "Lockdown"
Die Corona-Krise und die von der Regierung verordneten Einschränkungen und Verbote wirken sich auf das Leben der Menschen und deren Medienkonsum aus. Fernsehen und Radio werden jeweils länger genutzt, wie aus einer Analyse von Mediapulse hervorgeht.
Die Nutzung von Radio- und Fernsehangeboten erhebt Mediapulse kontinuierlich auf Basis zweier bevölkerungsrepräsentativer Messpanels. Die Erkenntnis des veränderten Nutzungsverhaltens von Personen ab 15 Jahren aufgrund der Maßnahmen des Bundesrats ergibt sich aus der Gegenüberstellung von Nutzungswerten für die beiden Wochen vor und nach dem "Lockdown" am 16. März. Demnach haben die Angebote der in- und ausländischen TV-Sender in den ersten beiden Märzwochen dieses Jahres pro Tag 69 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren erreicht und damit ebenso viele wie im März 2019. In den beiden Wochen nach dem 16. März stieg dieser Reichweitenwert auf 75 Prozent, was in absoluten Zahlen einer Zunahme des täglichen TV-Publikums um 363.000 Personen entspricht. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Zeit, die ein TV-Zuschauer pro Tag mit der Nutzung von TV-Angeboten verbringt, von 214 auf 240 Minuten oder vier Stunden.


Legt man diesen Wert auf die Gesamtbevölkerung um, so sah eine erwachsene Person in der Schweiz in der zweiten Märzhälfte im Schnitt 179 Minuten pro Tag fern, eine Zunahme der täglichen Sehdauer pro Person um 31 Minuten im Vergleich zum Monatsanfang. Diese Zunahme ist laut Mediapulse "außerordentlich", denn sie wurde in den vergangenen sechs Jahren nur zweimal überboten: in der Neujahrswoche und in der Weihnachtswoche 2015. Der größte Zuwachs der TV-Nutzung lässt sich in der klassischen TV-Primetime zwischen 19 und 23 Uhr feststellen.

Das Medium Radio verzeichnet Mediapulse zufolge nach dem 16. März einen moderaten Rückgang der Tagesreichweite von 81 auf 77 Prozent und erreicht schweizweit weiterhin ein tägliches Publikum von gut 5,4 Millionen Personen ab 15 Jahren. Gleichzeitig nutzen diese Hörer das Angebot der Radiostationen pro Tag acht Minuten länger (127 statt 119 Minuten), was auf die Gesamtbevölkerung umgerechnet zu einer Zunahme der täglichen Hördauer von 96 auf 97 Minuten führt.


Nutzungspeaks jeweils zur vollen Stunde und vor allem in der Mittagspause belegen laut Mediapulse die Nachfrage nach den Nachrichtenangeboten der Radiosender und damit nach deren Informations- und Orientierungsfunktion in unsicheren Zeiten. Die leicht rückläufigen Nutzerzahlen in den Randstunden des Arbeitstages seien womöglich auf den verminderten Berufsverkehr zurückzuführen, in dem das Radio als Pendlermedium aktuell weniger zum Einsatz kommt.
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