"Le Matin"

Streik der Westschweizer Redaktionen / Tamedia droht mit GAV-Kündigung

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Bricht für "Le Matin" noch ein neuer Morgen an? Oder soll tatsächlich einfach nichts mehr sein?
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Bricht für "Le Matin" noch ein neuer Morgen an? Oder soll tatsächlich einfach nichts mehr sein?
Seit gestern 16 Uhr und bis heute Mitternacht streiken die Redaktionen der Westschweizer Zeitungen von Tamedia. Sie protestieren damit gegen angekündigte Einstellung der Printausgabe von "Le Matin" und die Personalkündigungen. Tamedia seinerseits droht mit der Kündigung des GAV, wenn der Streik nicht abgebrochen wird.

Weil Tamedia im Zusamenhang mit der Schliessung von "Le Matin" bereits Kündigungen ausgesprochen hat, obwohl vor der kantonalen Einigungsstelle noch ein Schlichtungsverfahren im Gange gewesen sei, traten die Westschweizer Redaktionen von Tamedia gestern Dienstag, 16 Uhr, in den Streik. Dieser soll bis heute 24 Uhr dauern. Tamedia gibt in der Westschweiz die Zeitungen "Tribune de Genève", "24 heures", "Le Matin" und "Le Matin Dimanche" sowie die kostenlose Pendlerzeitung "20 minutes" heraus.



Die Streikaktion sei mit 88 Prozent der Stimmen beschlossen worden, heisst es in einer Mitteilung der Gewerkschaften. Die Belegschaften "verurteilen" das Verhalten des Konzerns, heisst es weiter. Und sie seien empört, dass Tamedia die Vorschläge der Redaktionen – mit denen die Auswirkungen der von Tamedia getroffenen Massnahmen begrenzt werden sollten – abgelehnt habe.

Die Gewerkschaften fordern zudem den Konzern auf "sich ernsthaft, intensiv und ohne vorherigen Ausschluss irgendeiner Lösung – einschliesslich der Preisgabe von Titeln – in einem Prozess engagiert, mit dem die Vielfalt der Westschweizer Presse gewahrt werden kann." Weiter fordern die Redaktionen, dass Tamedia den betroffenen Personen vorläufig die Rücknahme der seit Juni 2018 ausgesprochenen Kündigungen anbiete."

Konzern droht mit GAV-Kündigung

Tamedias Konzernleitung ihrerseits fordert alle Mitarbeitenden von "Le Matin" und "die Vertreter von Impressum" in einem Communiqué auf, "den Streik sofort zu beenden. Andernfalls könnte Tamedia den GAV kündigen."


Die Geschäftsleitung sei s
eit Beginn der Konsultationsphase am 8. Juni 2018 transparent gewesne, habe die relevanten Zahlen zur Verfügung gestellt "und in konstruktiven Sitzungen alle Fragen der beteiligten Parteien" beantwortet, hält Tamedia fest. zudem sei man letzte Woche "sehr detailliert auf die Vorschläge der Delegation von Mitarbeitenden und Gewerkschaften eingegangen". Danach habe man die Vertreter der Redaktionen und von Impressum aufgefordert, am 28. Juni 2018 mit der Erarbeitung eines Sozialplans unter Berücksichtigung des Gesamtarbeitsvertrages (GAV) zu beginnen. Und weiter: "Tamedia engagiert sich seit jeher für den sozialen Dialog. Insbesondere im Zusammenhang mit der Veränderung von 'Le Matin' ist es falsch, zu behaupten, Tamedia habe den Dialog einseitig eingestellt." pd / knö

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