Lauterkeitskommission

Erste Beschwerde zu Native Advertising

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Die Lauterkeitskommission hat getagt
zVg.
Die Lauterkeitskommission hat getagt
Die Grenze zwischen Native Advertising und Schleichwerbung ist schmal. Wie schmal zeigte jetzt die Lauterkeitskommission auf. Erstmals beurteilte die SLK eine Beschwerde, bei der die vorgeschriebene Trennlinie offensichtlich nicht eingehalten wurde.



In den beiden Sitzungen wurden insgesamt neun Beschwerden und fünf Rekurse behandelt. Hervorzuheben ist eine Beschwerde wegen ungenügender Kennzeichnung von Native Advertising. Ein Medienunternehmen aus der Westschweiz hatte auf seiner Website einen Videobeitrag über angeblich bedenkliche Inhaltsstoffe in traditionellen Kosmetikprodukten aufgeschaltet. Dieser war zwar über dem kurzen Einleitungstext mit dem Vermerk „Sponsorisé“ gekennzeichnet; im Video selbst war dagegen kein entsprechender Hinweis zu finden. Mehr noch war der Begriff selbst irreführend, da es sich keineswegs um einen redaktionellen Beitrag handelte, der von einem Sponsor finanziert worden ist, sondern um die kommerzielle Kommunikation eines Naturkosmetikherstellers, die den Anschein eines redaktionellen Beitrags erwecken wollte.

Damit verstiess der Beitrag nach Ansicht der Kommission eindeutig gegen den Trennungsgrundsatz Nr. 3.12, Ziffer 1 der Lauterkeitskommission, der eine klare Abgrenzung von Inhalt und Werbung verlangt. Die Zuständigen entschieden zudem, dass der Beitrag selbst unlauter sei, da er eine ganze Produktegruppe als schädlich für die Gesundheit und die Umwelt denunziert habe. Damit habe er gegen Art. 3 Abs.1 lit. e des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb UWG verstoßen. Demgemäss handelt unlauter, wer „sich, seine Waren, (…) in unrichtiger, irreführender, unnötig herabsetzender (…) Weise mit anderen (…) vergleicht“.


Eine weitere Beschwerde erhob ein Hotelier gegen eine Suchmaschine, die die günstigere Preise bei Direktbuchung unterschlagen habe. Mit dem Hinweis: „… zeigt den Preis für das Hotel, wenn du direkt dort buchst.“ bewarb die Suchmaschine für Hotels in einem TV-Spot ihre Dienstleistungen. Das stiess einem Hotelier sauer auf. Er beschwerte sich bei der SLK, weil in vielen Fällen die gegenüber den einschlägigen Buchungsplattformen oftmals günstigeren Preise bei einer Direktbuchung auf einer Hotel-Website unterschlage würden. Die Zweite Kammer hiess die Beschwerde gut, da der Durchschnittskonsument die Aussage dahingehend versteht, dass bei jedem Hotelvergleich der Preis für die Direktbuchung mitberücksichtigt wird.

In der Plenumssitzung hatten die versammelten drei Kammern außerdem fünf Rekurse zu beurteilen. Davon wurde einer gutgeheissen und drei abgewiesen, während ein Verfahren definitiv eingestellt worden ist. Erstmals seit vielen Jahren wurde wieder einmal einem Rekurs stattgegeben. Grund dafür war, dass die erstberatende Kammer nach Ansicht des Plenums zu wenig beachtet hatte, dass die eigentliche Zielgruppe der Werbung nicht der Endkonsument war, sondern der Fachhandel. Vor diesem Hintergrund war die Spezifizierung des allgemeinen Begriffs „Originalersatzteil – im Sinne der KFZ-Bekanntmachung bzw. der GVO“ genügend klar. pd/vg
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