Kundenunfreundliche AGB

Konsumentenschutz verleiht Airbnb Negativpreis "klein aber gemein"

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Die AGB von Airbnb sind stark kundenunfreundlich, sagt der Konsumentenschutz
© Konsumentenschutz / Screenshot
Die AGB von Airbnb sind stark kundenunfreundlich, sagt der Konsumentenschutz
Der Konsumentenschutz in der Schweiz verleiht Airbnb den Negativpreis "klein aber gemein" für kundenunfreundliche AGB. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Unternehmens bestehen aus über 36000 Wörtern, sind unübersichtlich gegliedert und keinesfalls leicht erfassbar, so die Begründung.
Moritz Lauri hat es fast geschafft.  4 Stunden und 17 Minuten verlas der Konsumentenschutz-Mitarbeiter die Airbnb-Bestimmungen in eine Kamera. Dann waf er entnervt das Handtuch, trotz Wasser, Kaffee und Powersnacks. "Man müsste einen ganzen Tag investieren, um die AGB der Airbnb auch nur halbwegs zu verstehen", erklärt er.
Kunden ist so etwas nicht zuzumuten, findet der Konsumentenschutz. Ohnhin würden die AGB gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstoßen. Dieses untersagt Allgemeine Geschäftsbedingungen, die den Konsumenten "erheblich und ungerechtfertigt" benachteilgen. "Der Kunde muss in der Lage sin, sich mit Hilfe der AGB über seine Rechte und Pflichten zu informieren", erklärt die Verbraucherschutzorganisation. Genau das sei bei Airbnb nicht der Fall.


In weiten Teilen sind die AGB nur in Englisch verfügbar. Neben einem Hauptdokument sind diese in acht weitere separate Kapitel aufgeteilt. Zudem müsse der Kunde zu Beginn entscheiden, ob für ihn die Variante "european users" oder "non-european users" gilt. Für in der Schweiz lebende Personen sei die zweite Variante entscheidend, erklärt der Konsumentenschutz, was nicht jedem Nutzer auf Anhieb klar sein dürfte.

Aus diesen Gründen verleiht die Organisation gemeinsam mit dem Beobachter, der Acsi aus dem Tessin und der Westschweizer FRC der Onlinebuchungsplattform den Negativpreis "klein aber gemein". Allerdings ist die angsagte Wohnungsplattform, die aber auch zunehmend in das Visier von Metropolen und Städten gerät, kein Einzellfall. Es gäbe eine Vielzahl von Unternehmen, die im Kleingedruckten die Grundsätze von Fairness und Ausgewogenheit verletzen würden.


Eine Klage wird der Konsumentenschutz aber dennoch nicht erheben. "Viel zu gross sind die finanziellen und beweistechnischen Hürden", erklärt der Konsumentenschutz. Aber die Organisation gibt Airbnb zur Preisverleihung einen Tipp mit. Verständlichkeit könnten Unternehmen wie das Buchungsportal leicht erstellen. Sie müssen nur einen leicht verständlichen Überblick über die wichtigsten Punkte für die Konsumenten zu Beginn der AGB geben, etwa Zahlungs- und Lieferbedingungen, Konditionen zur Vertragsauflösung und Datenschutz. Das wäre auch eine Art Kundenzentriertheit.
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