Konsumentenschutz

Lang lebe die Langlebigkeit

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Die Nachfrage nach langlebigen Produkten ist auch eine Chance für Schweizer Firmen, die Qualität Ihrer Produkte in der Werbung herauszuheben.
© Jan Christopher Becke
Die Nachfrage nach langlebigen Produkten ist auch eine Chance für Schweizer Firmen, die Qualität Ihrer Produkte in der Werbung herauszuheben.
Langlebige Geräte bieten echte Sparmöglichkeiten. Geräte, die schnell kaputtgehen und nur schlecht repariert werden können, sind ein grosses Ärgernis für Konsumenten. Sie belasten aber auch die Umwelt erheblich. Verschiedene politische Vorstösse verlangen verbindliche Verbesserungen.

Konsumenten wünschen sich Langlebigkeit von Produkten

Der Konsumentenschutz titelt in seiner Medienmitteilung von gestern Sonntag 1. Dezember: "Kontrapunkt zu Schnäppchentagen". Die Umsätze am Black Friday steigen stetig und ein Ende ist nicht absehbar. Wer daraus aber einen Trend für den Konsum kurzlebiger Produkte ableitet, irrt. Die meisten Konsumenten und Konsumentinnen wollen nämlich gemäss Umfragen möglichst lange Freude an ihren gekauften Gegenständen haben.

Einreichen politischer Vorstösse

Der Bundesrat soll sich deshalb um eine höhere Qualität von Geräten kümmern, dies ist der klare Auftrag von mehreren Parlamentarierinnen, die politische Vorstösse zur Produktqualität einreichen werden. Das Ziel der Politiker und Politikerinnen: Die Schonung von Ressourcen und Klima, weniger Elektroschrott, höhere Transparenz und mehr Kaufkraft für Konsumenten. Langlebige Geräte führten zu Kosteneinsparungen, die das Haushaltbudget der Konsumenten merklich entlasten würden. Konkret sollen diese Ziele über Massnahmen erreicht werden, die der Konsumentenschutz seit Jahren fordert und mit der wachsenden 
Reparaturbewegung fördert. Mit dem neuen Parlament haben diese Anliegen nun hoffentlich eine Chance.

Höhere Reparaturfreundlichkeit und langfristige Verfügbarkeit von Ersatzteilen

Geräte sollen zukünftig so konstruiert werden, dass sie leichter zu reparieren sind. Wie gut ein Produkt repariert werden kann, soll auf der Verpackung ersichtlich sein. Weiter sollen Ersatzteile länger verfügbar bleiben. Neben günstigen Ersatzteilen müssen den Reparaturstätten auch Reparaturanleitungen von den Herstellern zur Verfügung gestellt werden. Dabei ist wichtig, dass auch ehrenamtliche Repair Cafés Zugang zu Ersatzteilen und Anleitungen erhalten.

Lebensdauer von Geräten kennzeichnen

Hersteller wissen heutzutage sehr genau, welche Lebensdauer ihre Geräte und die einzelnen Bauteile vorweisen. Sie machen die Information über die geplante Lebensdauer eines Geräts den Konsumenten aber nicht zugänglich. Zukünftig soll dies transparent auf der Verpackung stehen, was zu einer besseren Vergleichbarkeit beim Kauf führt.

Längere Garantiedauer

Manche EU-Länder geben auf Produkte bis zu sechs Jahre Gewährleistung. In der Schweiz beträgt diese Frist nur zwei Jahre und kann sogar durch die Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) umgangen werden. Viele Geräte geben kurz nach Ablauf dieser «Garantiefrist» den Geist auf. Eine Motion fordert den Bundesrat nun auf, die Gewährleistungsfrist in der Schweiz zu erweitern. Aus wirtschaftlichen Gründen würden Händler mittelfristig nur noch Produkte in die Schweiz einführen, die länger halten.

Beweislast sollen Unternehmen tragen

Wenn heute ein Produkt bereits mit einem Mangel in Verkauf kommt, muss dies aufwändig und unter hohen Kosten vom geschädigten Konsumenten bewiesen werden, was in der Realität praktisch nie geschieht. Dies lässt sich ändern, indem man die sogenannte Beweislast umkehrt: Neu soll per Gesetz die Vermutung gelten, dass ein Mangel schon von Anfang an vorgelegen hat. Behauptet der Verkäufer das Gegenteil, muss er dies – wie in EU-Ländern – beweisen.


Über den Konsumentenschutz
 Der Konsumentenschutz vertritt unabhängig, kompetent und engagiert die Interessen der Konsumentinnen und Konsumenten. Er ist in der Information und Beratung tätig, verhandelt mit Wirtschaft und Behörden und vertritt die Konsumenteninteressen auf politischer Ebene. Die Stiftung mit Sitz in Bern kann auf eine breit abgestützte Finanzierung zählen und agiert parteipolitisch unabhängig. Präsidentin: Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo, Geschäftsleiterin: Sara Stalder.

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