Konsumentenschutz

Krummes Gemüse und kleine Früchte bereits wieder vom Tisch?

   Artikel anhören
© SKS
Im Frühling während des Corona-Lockdowns vergrösserten Coop und Migros ihr Angebot an Gemüse und Früchten, die nicht der Norm entsprechen. Eine Umfrage der drei Konsumentenorganisationen Konsumentenschutz, FRC und ACSI zeigt: Zwei Drittel der Konsumentinnen und Konsumenten sind bereit, mehr solche Produkte zu kaufen. Stichproben in den Läden zeigen allerdings: Im August sind diese Angebote wieder weitegehend verschwunden. Die Konsumentenorganisationen verlangen mehr Engagement von den Grossverteilern gegen Foodwaste.
Schaffen es nicht nur die perfekt aussehenden Produkte in die Auslagen der Detailhändler, kann dies einen bedeutenden Beitrag zur Vermeidung von Foodwaste darstellen: Denn  unförmige Kartoffeln, krumme Rüben und Früchte mit Flecken werden gar nicht erst geerntet oder finden nicht immer anderweitig Verwendung. Eine Abnehmerin solcher Produkte ist die Gastronomie. Während dem Lockdown, als diese Betriebe geschlossen blieben, boten Coop und Migros vermehrt solche Produkte ausserhalb der Norm an. Diese fanden offenbar guten Absatz bei den Kundinnen und Kunden.

Angebot fehlt

Inzwischen sucht man wieder oft vergebens nach Gemüse und Früchten, die etwas aus dem Rahmen fallen. Stichproben in verschiedenen Orten und verschiedenen Detailhändlern zeigen: In kleineren und mittleren Läden von Coop und Migros sowie bei anderen Anbietern (Denner, Aldi, Lidl)  ist das Angebot gleich null, einzig in grossen Filialen findet man vereinzelt Produkte. Auch in den Online-Shops ist das Angebot quasi inexistent. In der Migros ist es ohnehin schwierig, diese Produkte zu erkennen: Im Gegensatz zu Coop, welche diese unter der Marke «Ünique» anbieten, hat Migros dafür keine eigene Linie.

Konsumenten sind bereit

Eine nicht-repräsentative Online-Umfrage vom Konsumentenschutz, FRC und ACSI mit 4150 Teilnehmenden hat gezeigt: Knapp die Hälfte der Konsumentinnen hat solche Produkte in den Läden bereits wahrgenommen, über 50 % gaben an, während dem Lockdown, als das Angebot verfügbar war, mehr davon gekauft zu haben. 66 % Prozent wollen dies auch in Zukunft vermehrt tun und immerhin ein Viertel der Antwortenden geben an, dass solche Früchte und Gemüse nicht zwingend günstiger angeboten werden müssen.


Das zeigt, dass die Kaufbereitschaft der Kundinnen und Kunden grösser ist als die Bereitschaft der Detailhändler, diese auch anzubieten. Die drei Konsumentenorganisationen sind die Detailhändler angegangen und haben sie aufgefordert, das Angebot wieder zu auszuweiten. Konsumentinnen und Konsumenten können diese Produkte nur dann berücksichtigen und kaufen, wenn sie in den Läden auch erhältlich sind. Dabei gilt es auch neue Verkaufsstrategien und  -kanäle auszuprobieren.

Jeder Schritt gegen Foodwaste ist wichtig: Vom Feld bis zum Teller geht in der Schweiz ein Drittel aller Lebensmittel oder knapp 3 Millionen Tonnen Lebensmittel verloren.


Background
Der Konsumentenschutz vertritt unabhängig, kompetent und engagiert die Interessen der Konsumentinnen und Konsumenten. Er ist in der Information und Beratung tätig, verhandelt mit Anbietern und Behörden und vertritt die Konsumenteninteressen auf politischer Ebene. Die Stiftung mit Sitz in Bern kann auf eine breit abgestützte Finanzierung zählen und agiert parteipolitisch unabhängig. Präsidentin: Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo, Geschäftsleiterin: Sara Stalder.

 
 

Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats