James-Studie 2020

22 Erkenntnisse zum Medienumgang von Jugendlichen in der Schweiz

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© Bild: Burst von Pexels
Die Internetnutzung verlagert sich aufs Smartphone, wo am häufigsten gechattet, gesurft und Soziale Netzwerke genutzt werden. Die beliebtesten Netzwerke sind Instagram, Snapchat und TikTok. Mädchen kommunizieren, die Jungs gamen. So weit, so gut. Was aber ALLEN Akteuren zu denken geben muss, ist die Zunahme sexueller Attacken auf Jugendliche. Die wichtigsten Erkenntnisse aus der James-Studie von ZHAW und Swisscom mit 1000 Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren in diesem HORIZONT Swiss Beitrag.
Gemäss den Verfassern der Studie bildet die alle zwei Jahre durchgeführte JAMES-Studie den Medienumgang von Jugendlichen in der Schweiz ab. JAMES steht übrigens für "Jugend, Aktivitäten, Medien – Erhebung Schweiz" Die Jugendlichen werden in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz zu ihrem Medien- und Freizeitverhalten befragt. JAMES wurde bereits zum sechsten Mal durchgeführt. 2020 mussten die Jugendlichen während des Lockdowns öfter zuhause bleiben. Das hat sich auf ihren Medienumgang ausgewirkt. So nutzten sie das Mobiltelefon auch deshalb intensiver als in den Jahren zuvor, sagt ZHAW-Forscher und Co-Studienleiter Daniel Süss. Das müsse man bei der Betrachtung der Ergebnisse mit in die Analyse einfliessen lassen. Welches sind nun die wichtigen Erkenntnisse und was hat sich verändert?



  1. Die Handy-Nutzung ist an Wochentagen mit rund fünf Stunden im Vergleich zu 2018 fast zwei Stunden höher, unter der Woche nutzen die Jugendlichen das Handy täglich über drei Stunden, was 40 Minuten länger als 2018 ist.
  2. Das Handy wird am häufigsten für Messenger-Dienste, Soziale Netzwerke oder zum Surfen benutzt. Da all dies im Internet stattfindet, sind Handy- und Internetnutzung fast nicht mehr voneinander zu trennen. Auch TV oder Serien schauen die Jugendlichen häufiger als früher auf dem Handy.
  3. Mädchen nutzen das Handy mehr zur Kommunikation in Sozialen Netzwerken oder via Sprachnachrichten. Ebenso hören sie häufiger Musik und erstellen mehr Fotos als Jungs.
  4. Für die Jungs sind Games und Onlinevideos wichtiger. Die Lieblingsgames haben sich dabei kaum verändert: seit 2010 sind Call of Duty, FIFA und Grand Theft Auto beliebt. Später hinzugekommen sind Minecraft und Fortnite.
  5. Knapp ein Viertel der minderjährigen Gamerinnen und Gamer gibt an, regelmässig Spiele zu spielen, die für ihr Alter nicht freigegeben sind. Die Forschenden empfehlen, dass sich Erwachsene mit den Videogames auseinandersetzen und auch selbst einmal spielen. So könnten sie die Faszination dieses Hobbys besser nachvollziehen, Minderjährige besser schützen und sie beim verantwortungsvollen Umgang mit den Games unterstützen.
  6. 90 Prozent der befragten Heranwachsenden haben ein Profil bei Instagram und bei Snapchat.
  7. TikTok ist in den letzten zwei Jahren immer beliebter geworden: Drei Viertel aller Jugendlichen verfügen heute über einen TikTok-Account. 2018 waren es erst 37 Prozent.
  8. Eine grosse Veränderung gab es bei Facebook: War das Soziale Netzwerk 2014 noch am beliebtesten (79 Prozent), wird es 2020 gerade noch von 14 Prozent der 12- bis 19-Jährigen regelmässig genutzt.
  9. Auf Tinder ist rund ein Viertel der Jugendlichen angemeldet, allerdings wird es nur von Einzelnen regelmässig genutzt.
  10. In den Sozialen Netzwerken schauen Jugendliche am häufigsten Beiträge von anderen an oder liken diese. Auch beliebt ist das Chatten.
  11. Jugendliche schützen ihre Privatsphäre auf Sozialen Netzwerken weniger mittels technischer Einstellungen als früher. Während dies 2014 noch 81 Prozent taten, sind es heute noch 66 Prozent. Wieso? Die ZHAW-Forschenden vermuten, dass die Art des Netzwerks dabei eine Rolle spielt. "Bei Plattformen wie Instagram und Snapchat ist das Sammeln von Likes wichtig", sagt Gregor Waller. "Wenn die Jugendlichen ihre Privatsphäre einschränken, sind sie weniger sichtbar und erhalten weniger Reichweite. Dies schränkt die Möglichkeiten ein, an Likes zu kommen".
  12. In den letzten zehn Jahren haben klassische publizistische Medienangebote stetig an Bedeutung verloren. Jugendliche lesen immer weniger Zeitungen und Zeitschriften – sowohl online als auch in gedruckter Form. Die Jugendlichen informieren sich über Suchmaschinen, Soziale Netzwerke und Videoportale.
  13. Auch Radio oder Fernsehen (TV 2010: 83 Prozent; 2020: 64 Prozent) werden immer seltener regelmässig genutzt.
  14. Konstant geblieben sind das Spielen von Videogames und das Lesen von Büchern: 34 Prozent respektive 23 Prozent tun dies täglich oder mehrmals pro Woche (2010: 32 Prozent respektive 26 Prozent).
  15. 86 Prozent der Mädchen erstellen häufig digitales Bildmaterial, gegenüber 62 Prozent der Jungen. "Diese Bilder werden dann in Sozialen Netzwerken verbreitet und durch die Peergroup in Form von Kommentaren und Likes bewertet. Dies ist ein wichtiger Aspekt in der Entwicklung der Geschlechtsidentität", sagt Co-Projektleiter Gregor Waller
  16. Zwei Drittel aller Jungen geben an, regelmässig zu gamen, während dies lediglich eines von zehn Mädchen tut. Die Forschenden vermuten, dass Jungen dabei ihre Wettbewerbsorientierung ausleben können oder sich an männlichen Rollenmodellen orientieren können.
  17. Eine deutliche Veränderung gibt es bei der Nutzung von unterhaltungsorientierten Streaming-Diensten: In drei Vierteln der Haushalte mit Jugendlichen ist heute ein Abonnement wie Netflix vorhanden, um Filme und Serien zu streamen (2016: 38 Prozent). Auch Musik-Streaming- (2016: 29 Prozent; 2020: 59 Prozent) und Game-Flatrate-Abonnements (2016: 12 Prozent; 2020: 38 Prozent) haben deutlich zugelegt Damit setzt sich ein Trend fort, der sich bereits 2016 abzeichnete.
  18. Ein weiterer Trend zeigt sich bei der non-medialen Freizeitgestaltung. Im Vergleich zu 2010 unternehmen die 12- bis 19-Jährigen häufiger etwas mit der Familie (2010: 16 Prozent; 2020: 29 Prozent täglich/mehrmals pro Woche), treffen demgegenüber aber seltener Freunde und Freundinnen (2010: 81 Prozent; 2020: 62 Prozent).
  19. Bei kreativen Beschäftigungen wie Musizieren oder Malen und Basteln zeigt sich eine tendenzielle Zunahme, die möglicherweise ebenfalls auf die coronabedingten Einschränkungen zurückzuführen ist. Wie in den Vorjahren treiben viele Jugendliche regelmässig Sport oder machen auch mal nichts.
  20. Ein Viertel der Jugendlichen hat bereits Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht. Auch bei den 12- und 13-Jährigen war schon eine/r von zehn davon betroffen. Mädchen erleben Cybermobbing etwas häufiger als Jungen.
  21. Noch häufiger als von Cybermobbing sind Jugendliche von sexuellen Belästigungen im Internet betroffen: Beinahe die Hälfte aller Jugendlichen (44 Prozent) wurde im Internet bereits einmal von einer fremden Person mit unerwünschten sexuellen Absichten kontaktiert. Seit 2014 ist diese Zahl deutlich angestiegen (2014: 19 Prozent). Mädchen sind davon häufiger betroffen als Jungen (55 Prozent vs. 28 Prozent). "Natürlich interessieren sich Jugendliche in diesem Alter immer mehr für sexuelle Inhalte. Es ist aber etwas ganz anderes, wenn Jugendliche ungewollt damit konfrontiert werden", sagt Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter bei der Swisscom.
  22. Bei den 18-/19-Jährigen hat gut die Hälfte bereits einmal pornografische Inhalte auf dem Handy oder Computer angeschaut oder schon einmal erotische Bilder von anderen zugeschickt bekommen.


Über die JAMES-Studie
Die JAMES-Studie bildet den Medienumgang von Jugendlichen in der Schweiz ab. JAMES steht für «Jugend, Aktivitäten, Medien – Erhebung Schweiz» und wird alle zwei Jahre durchgeführt. In der repräsentativen Studie werden seit 2010 von der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften im Auftrag von Swisscom über 1000 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz zu ihrem Medien- und Freizeitverhalten befragt. Mit der sechsten Durchführung 2020 lässt sich ein Bild der Mediennutzung über ein ganzes Jahrzehnt zeichnen. 2021 erscheint eine Jubiläumsausgabe mit den Trends und Ergebnissen der letzten 10 Jahre. Die diesjährige JAMES-Befragung fand im Zeitraum des coronabedingten Lockdowns statt und musste aufgrund der Schulschliessungen auf eine Online-Befragung umgestellt werden. Die Ergebnisse sind in diesem Zusammenhang zu interpretieren. www.zhaw.ch/psychologie/james  
Departement Angewandte Psychologie der ZHAW
Das ZHAW Departement Angewandte Psychologie ist das führende Kompetenzzentrum für wissenschaftlich fundierte Angewandte Psychologie in der Schweiz. Es besteht aus dem Psychologischen Institut und dem IAP Institut für Angewandte Psychologie. Mit dem Bachelor- und dem Masterstudiengang, dem Bereich Forschung & Entwicklung sowie dem Beratungs- und Weiterbildungsangebot wird wissenschaftlich fundiertes Wissen für Menschen und Unternehmen in ihrem Lebens- und Arbeitsumfeld nutzbar gemacht. www.zhaw.ch/psychologie 
Swisscom ist Kooperationspartnerin der ZHAW
Die Mediennutzung auf verschiedenen Endgeräten gehört heute zum Alltag von Jugendlichen. Medienkompetenz und Jugendmedienschutz zählen zu den Kulturkompetenzen wie Lesen oder Rechnen. Swisscom engagiert sich seit 2001 im Bildungswesen: Über 6‘000 Schweizer Schulen nutzen das Angebot «Schulen ans Internet», jährlich besuchen Medienexperten über 30'000 Schüler, Eltern und Lehrpersonen und fördern die Medienkompetenz. Im Rahmen ihres Markteintritts in die eSports-Branche misst Swisscom der Medienbegleitung der Kinder und Jugendlichen einen grossen Stellenwert bei und stellt diverse Informationsmaterialien bereit. Swisscom ist Auftraggeberin der JAMES-Studie, die im Zweijahres- Rhythmus von der ZHAW durchgeführt wird. www.swisscom.ch/james
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