Jahresrückblick Teil 2

Branchenpersönlichkeiten bewerten 2018 und schauen ins 2019

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© CCO / Pixabay /Nick Gesell
Ich weiss nicht wie es Ihnen geht, mein 2018 war ein schnelles Jahr. Kaum die Enter-Taste gedrückt, ist es schon wieder vorbei. War es ein gutes Jahr? In vielen Belangen ja. Ich finde es war aber auch ein durchschnittliches Jahr. Ich habe selten so wenig Musik gekauft, die Politik ist trotz neuen Bundesrätinnen spurlos an mir vorbei gerauscht und in der Werbung hat mich nur wenig berührt. Wie sehen das die Branchenpersönlichkeiten? Erfahren Sie mehr: 22 Personen haben sich die Zeit genommen und die Fragen beantwortet. Die ersten sieben gaben Auskunft in Teil 1 der Umfrage. Heute lesen Sie Teil 2 mit weiteren 7 Branchenpersönlichkeiten, in den nächsten Tagen folgen die letzten 8 Interviews.



Michael Kamm, CEO Agence Trio
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Wie hat sich das Geschäft 2018 entwickelt? Ein positives Trio aus zufriedenen Kunden, Neukunden und einem starken Team hat beste Resultate erzeugt. Als erster "Publicitaire de l’année" ernannt zu werden, war für mich eine grosse Ehre, eine Anerkennung der Branche und gleichzeitig eine grosse Verantwortung.

Was erwartest du von 2019? Neue Talente werden bei Trio in den Vordergrund kommen, um die Tradition der Innovation bei der ältesten Werbeagentur fortzusetzen. Relevante Markenstrategien bauen wir seit 1931 und so werden wir weiterarbeiten.


Wie verbringst du die Festtage? "Le travail, c’est la santé" und Festtage sind bei uns glücklicherweise alle Tage. Aber bei guter Kondition geht es auf Skitouren: Mit Fellen rauf, im Tiefschnee runter!

Matthias Kiess, CEO TBWAZürich
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Wie hat sich das Geschäft 2018 entwickelt? Nach einem anfänglichen Durchhänger hat sich das Jahr ganz gut entwickelt und endete nun mit zwei Höhepunkten: zum einen durften wir Coop als neuen Grosskunden gewinnen und zum anderen erwarten wir im Creative Ranking 2018 eine Top 3 Position, was aus meiner Sicht schon als sehr erfreulich bewertet werden darf.

Was erwartest du von 2019? Da wir mit Schwung ins Jahr starten werden, wird die Herausforderung sein, die Dynamik beizubehalten und dabei das Wachstum zu verdauen. Zentral dabei wird die Weiterentwicklung und ständige Neuausrichtung der Agentur sein. Hierfür halten wir einige Pfeile im Köcher parat.

Wie verbringst du die Festtage? Im üblichen Rahmen mit Familie und Freunden. Für einmal ist kein längerer Ausflug in die Berge geplant, was ich bereits etwas bedaure. Denn dies hilft schon, etwas Abstand zu gewinnen, zu reflektieren und neue Energie für ein spannendes 2019 zu gewinnen.

Dennis Lück, Chief Creative Officer Jung von Matt/Limmat
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Wie hat sich das Geschäft 2018 entwickelt? Das Geschäftsjahr startete ja gleich mit der Ernennung zur kreativen Nr. 1 in der Schweiz. Das war schon mal ein super Start. Von da an konnte es ja nur noch schief gehen (lacht). Nein, im Ernst, in unserem Achterbahn-Business hatten wir es über das Jahr gesehen wirklich sehr, sehr gut. Die meisten Auszeichnungen in Cannes, die meisten Awards beim Schweizer Effie, auch Auszeichnungen in den zukunftsweisenden Kategorien wie Creative Data, Mobile, PR und Brand Experience haben mich stolz gemacht. Mit den „Grillitariern“ haben wir eine neue Food-Gattung ins Leben gerufen, unser Digital Detox Service für die Hotelkette Ibis ging um die Welt, ein paar Hammer-Neugeschäfte gab es auch noch oben drauf. 2018 hat sich also zu einem geilen Jahr entwickelt.

Was erwartest du von 2019? 2019 findet kein grosses Fussball-Turnier statt. Das hat positiven Einfluss auf die gesamte Branche. Endlich wird was gearbeitet. Deshalb erwarte ich von uns und von der gesamten Branche: Ideen mit transformativem Charakter, Arbeiten, die die Gesellschaft bewegen, Kommunikation, die weit mehr leistet, als nur Produkte anzupreisen. Neue Talente, die mit ihrer Leidenschaft anstecken. Ein noch engerer Austausch zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber. Ich erwarte kollaborative Schwarmintelligenz auf noch höherem Niveau. Ich erwarte das Beste von uns allen.

Wie verbringst du die Festtage? Ich werde der Glühwein-Industrie zu schwarzen Zahlen verhelfen, die Lego-Expertise meiner Kids fördern, Heavy-Metal-Weihnachtslieder summen und an Sylvester den halben Aargau in die Luft sprengen. In etwa so.

Katja Metz, Managing Director Leo Burnett Schweiz
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Wie hat sich das Geschäft 2018 entwickelt? Mit dem Managementwechsel, der hinter uns liegt, haben wir Leo Burnett erwartungsgemäss ein wenig auf den Kopf gestellt. Das Geschäftsjahr 2018, zumindest das halbe Jahr seit ich in der Schweiz bin, war daher entsprechend gespickt mit einer Menge Herausforderungen. Das Jahresende können wir nun mit einem sehr positiven Ergebnis und einer tollen, wenn auch noch geheimen Erfolgsmeldung abschliessen.

Was erwartest du von 2019? Ich hoffe, dass wir 2019 die ersten Früchte ernten können, die wir mit der Umstrukturierung von Leo Burnett gesät haben. Wir starten mit einer neuen Positionierung ins neue Jahr, und neue Arbeitsweisen werden zum Tragen kommen, die den immer komplexeren Anforderungen unserer Branche gerecht werden. Als Teil von Power of One fühle ich mich mit Leo Burnett gut gerüstet für eine spannende Zukunft.

Wie verbringst du die Festtage? Ich werde Weihnachtslieder von Elvis hören, die Kekse von Mami essen und dabei Kraft tanken für alles, was in 2019 kommt. Nicht zu vergessen, gute Vorsätze fürs neue Jahr aufschreiben, die ich eh nicht einhalten werde. Silvester werde ich dann zum ersten Mal in Zürich verbringen.

Sacha Moser, Founder, Creative Partner FOUNDRY Berlin | Zurich
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Wie hat sich das Geschäft 2018 entwickelt? Das Jahr lässt sich recht einfach zusammenfassen: Es ging hoch her, Urlaub haben wir kaum gemacht und es gab noch keine Zeit, um Weihnachtsgeschenke zu besorgen. In Berlin würde man sagen: Läuft! Aber ernsthaft. Wir blicken stolz auf unsere gemeinsam geschafften Arbeiten, ein paar Highlights davon sind: PŸUR, eines der größten Telekommunikationsunternehmen in Deutschland hat, nachdem wir in 2017 die Marke ins Leben rufen durften, mit uns die ersten Kampagnen realisiert. Mit BUMBLE, der schnellst wachsenden Networking App, dürfen wir mit plakativen Kampagnen Singles empowern. Für die SWISS haben wir ein zweites Mal eine waschechte Schnellballschlacht in London zelebriert. Für das erfolgreiche FinTech crowdhouse durften wir erfolgreiche Markenauftritte konzipieren und umsetzen. Die Globalance Bank bekam ein schickes Concept-Office in München. Für das außergewöhnliche SIGNAU House & Garden durften wir Branding und viele Inhalte schaffen. Mit dem Französischen Konzern Decayeux, arbeiten wir an einer Revolution von smarten Briefkästen und last but not least war es uns eine Ehre, Amnesty International Finnland eine sehr emotionale Weihnachtskampagne anlässlich des 70. Geburtstages der UN Menschenrechtscharta zu schenken.

Was erwartest du von 2019? Mit Erwartungen bin ich vorsichtig. Doch „The trend is your friend“ und wir werden alles daran setzen die positive Entwicklung fortzusetzen. Wir alle hoffen und wünschen, dass unsere Kunden-Partner auch im nächsten Jahr weiter mit Vertrauen, Inspirationen und Spaß mit uns wachsen wollen. Zusätzlich zu unserem Standort in Zürich und Berlin verfolgen wir auch den Aufbau unseres neuen Standortes New York. Natürlich wollen wir auch gerne neue Kunden-Partner in der Foundry begrüßen.

Wie verbringst du die Festtage? Das ganze Team hat – wenn ich den Flurfunk richtig abgehört habe – den Plan, zwischen den Feiertagen die Füße hoch zu legen. Digital Detox steht ebenfalls ganz oben auf unserer Agenda. Wir würden es niemandem verübeln, wenn er zwischen den Feiertagen die Charger für Laptop und Handy verlegt. Selbst werde ich die Zeit wie jedes Jahr mit meiner lieben Frau und unseren genialen drei Kids im geliebten Engadin verbringen. Ohne Smartphone, dafür mit Snowboard, Uno Karten und Familie und Freunden.

Sven Oeschger, Mitinhaber und Geschäftsführer fastr
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Wie hat sich das Geschäft 2018 entwickelt? Insgesamt betrachtet zeigt sich 2018 für fastr als ein weiteres, erfolgreiches Jahr. Unsere Kunden schätzen unsere transparenten, schlanken und effizienten Prozesse. Unsere kreativen Lösungen sind sowohl digital als auch analog, weil wir das Kommunikationsverhalten ins Zentrum stellen. Und wir legen eine Leistungsbereitschaft an den Tag, die wohl nur von einer unabhängigen und inhabergeführten Agentur erwartet werden kann. Dieses Erfolgsmodell werden wir auch im kommenden Jahr fortsetzen.

Was erwartest du von 2019? Es sind bereits spannende Projekte in der Pipeline. Unter anderem dürfen wir die Entstehung eines neuen Marktes begleiten. Ich würde es aber vorziehen, Erwartungen in Wünsche umzuformulieren. Wir haben tolle Kunden – ich wünsche mir also, mit ihnen gemeinsam spannende Projekte umzusetzen und dabei Spass zu haben. Und wenn neue Kunden an unsere Tür klopfen, dann freue ich mich natürlich auch sehr darüber.

Wie verbringst du die Festtage? Im Kreis der Familie und auf hoffentlich wunderbar verschneiten Skipisten.

Markus Ruf, Creative Director und Mitinhaber, Ruf Lanz, Zürich
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Wie hat sich das Geschäft 2018 entwickelt?
Prächtig! Wir haben zum einen namhafte neue Kunden wie Swiss Life, Migrol oder die ETH Zürich Foundation gewonnen, zum anderen von langjährigen Kunden zusätzliche Aufträge erhalten. Gleichzeitig blieben wir kreativ auf Kurs, konnten relevante Awards gewinnen für unsere Auftraggeber und beschliessen das Jahr 2018 als bestklassierte Schweizer Agentur auf Rang 13 des globalen Ad Agency Rankings von Lürzer’s Archive.

Was erwartest du von 2019? Wir halten uns auch 2019 an den Leitsatz: Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, trägt sie an der falschen Stelle. Nur Marken, die ihre Botschaft überraschend vermitteln, werden in der heutigen Informationsflut überhaupt noch wahrgenommen und können die gewünschte Wirkung erzielen. Dafür arbeiten wir mit Herzblut für unsere Kunden. Und weil man im Advent bekanntlich wünschen darf, hier unsere Wunschliste für 2019: Eine Schweizer Fleischspezialität, ein Mandat vom Bund, ein Schokoriegel, ein Möbelhaus, ein Halsbonbon, ein Getränk, eine Käsesorte, eine Unterwäschemarke, eine Qualitätszeitung und eine Klubschule.

Wie verbringst du die Festtage? Nach einem intensiven Jahr gönne ich mir über Weihnachten eine Werbepause. Ab 20. Dezember reisen meine Liebste und ich durch Kolumbien. Ich freue mich auf Reggaeton in Medellin, Trekking in der Sierra Nevada, Márquez lesen in Mompox, Kunst in Cartagena, komatöse Hitze auf der Isla Baru – und auf die Chicas der Kaffeekette Juan Valdez, die statt Markus gerne Narcos auf meinen Becher schreiben.

©Interview: Yves Seiler

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