Interview

Robert Iken: "Morrow erweitert das Angebot von Jung von Matt beim Aufbauen und Umsetzen von Business-Modellen."

   Artikel anhören
Niclas über Robert: "Beim Tischfussball kommt ab und zu der «wütende Robert» zum Vorschein." Robert über Niclas: "Er hat ein sehr positives Mindset und einen unvergleichlichen Tatendrang."
© Bild: Esther Michel (Porträt)
Niclas über Robert: "Beim Tischfussball kommt ab und zu der «wütende Robert» zum Vorschein." Robert über Niclas: "Er hat ein sehr positives Mindset und einen unvergleichlichen Tatendrang."
Heute hat Jung von Matt die Eröffnung der Business Building Boutique Morrow bekanntgegeben. Die Gründer von Morrow sind Niclas Delfs und Robert Iken. Im Verwaltungsrat sitzen zudem Roman Hirsbrunner, CEO von Jung von Matt/Limmat und Benjamin Herz, Managing Partner bei Jung von Matt/Impact. Wer ist Morrow? HORIZONT SWISS hat bei den Gründern nachgefragt.
Herr Delfs, Herr Iken, eine Neugründung in dieser Zeit erfordert Mut, verdient Respekt und setzt einiges an Know how voraus. Über welches Ihrer jeweiligen Talente bzw. Fähigkeiten sind Sie am meisten stolz? Robert: Ich würde Niclas am ehesten als smartes Allround-Talent beschreiben. Er hat ein sehr positives Mindset und einen unvergleichlichen Tatendrang, mit dem er sein ganzes Umfeld in Kürze für eine Idee begeistern kann. Ich habe immer das Gefühl, je grösser die Herausforderung ist, desto mehr Spass hat Niclas, mit einer Lösung zu verblüffen. Obwohl wir uns schon über 10 Jahre kennen, gelingt ihm das auch bei mir immer wieder.


Niclas: Bei Robert bin ich immer davon beeindruckt, wie schnell er das Gesamtbild eines Problems versteht und daraufhin in der Lage ist, für eine vermeintlich komplexe Fragestellung einen passenden und intuitiven Lösungsweg zu finden. Und: Er kann diesen Lösungsweg dann auch noch so erklären, dass er für alle Beteiligten wie eine Selbstverständlichkeit klingt und sich alle fragen, wieso sie nicht früher darauf gekommen sind (lacht).
„Es ist nicht immer ganz einfach, unsere Unternehmungslust mit den klassischen Entscheidungswegen eines Corporates in Einklang zu bringen.“
Robert Iken, Co-Founder morrow

Wo gibt es allenfalls Verbesserungsbedarf? Robert: Wir dachten immer, wir wären verhältnismässig gut im Tischfussball. Aber jetzt im Jung von Matt-Umfeld mussten wir uns eingestehen, dass wir sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung noch Schwachstellen haben (lacht). Aber wenn wir den Tischfussball mal ausklammern, denke ich, dass wir ab und zu an unserer Geduld arbeiten können. Es ist nicht immer ganz einfach unsere Unternehmungslust mit den klassischen Entscheidungswegen eines Corporates in Einklang zu bringen. Wir arbeiten aber daran.

Zankapfel Tischfussball. Niclas: Ab und zu kommt da der «wütende Robert» zum Vorschein.
© Foto von Stefan Steinbauer auf Unsplash
Zankapfel Tischfussball. Niclas: Ab und zu kommt da der «wütende Robert» zum Vorschein.
Worüber habt Ihr Euch das letzte Mal gestritten? Niclas: Das muss klar beim Tischfussball gewesen sein. Ab und zu kommt da der «wütende Robert» zum Vorschein.


Gibt es eine Gründerstory? Niclas: Wir haben uns vor über 10 Jahren an der Universität in Maastricht kennengelernt und schon damals viel Zeit damit verbracht, in neuen Geschäftsmodellen zu denken und uns gegenseitig Startup-Ideen zu pitchen. So ist unser erstes Vorhaben entstanden – Hangbetter – Antikater-Tabletten für Studenten auf Basis der offiziellen oral rehydration formula der WHO. Eigentlich nichts anderes als Salz und Zucker in Brausetabletten-Form. Diese gemeinsame Leidenschaft für Neues hat dazu geführt, dass wir stets im Kontakt geblieben sind und uns ein paar Jahre später in Zürich zusammengefunden haben, wo wir zuletzt als Partner den Bereich Innovation & New Business Building einer Strategieberatung geleitet haben. Dort haben wir realisiert, welche Innovationskraft entstehen kann, wenn man die bestehenden Assets und Erfahrung der Corporates mit dem Unternehmergeist der Startup-Kultur kombiniert.

Long story short? Nachdem ich Anfang 2019 die Beratung verliess und Robert ein paar Monate später folgte, lag es auf der Hand, dass wir wieder etwas gemeinsames starten. Die Arbeit mit führenden Unternehmen hat uns Spass gemacht und jetzt hatten wir Zeit, unsere bisher gesammelten Erfahrungen zu reflektieren, Methodiken zu entwickeln und unser Netzwerk auszubauen. So haben wir auch Jung von Matt kennengelernt und die Kooperation zwischen Jung von Matt und Morrow kam zustande. Was treibt Euch an? Robert: Manche würden es vermutlich als Hyperaktivität bezeichnen, wir betrachten es eher als eine gesunde Besessenheit Neues zu lernen, neue Erfahrungen zu machen und etwas zu erschaffen.

„Morrow ist eine Business Building Boutique. Wir begleiten Unternehmen von einer strategischen Vision bis hin zur effektiven Marktrealität von Produkten, Services oder neuen Entities.“
Robert Iken, Co-Founder morrow
Ist Morrow also eine Strategieberatung? Niclas: Nein, Morrow ist keine Strategieberatung. Der Bereich Strategy und Ideation ist zwar ein Pfeiler, auf den wir uns stützen, fokussiert aber rein auf strategische Fragestellungen rund um Innovation und Business Building. Zum Angebot gehören zusätzlich das Prototyping und die evidenzbasierte Validierung von neuen Lösungen und anschliessend die ganzheitliche Umsetzung und Entwicklung der Services, Produkte oder Geschäftsmodelle. Wie der Name schon sagt: Morrow baut das Business von morgen, ist von den ersten strategischen Ideen bis hin zur Umsetzung eng mit dabei und treibt das entsprechende Projekt voran.

„Wie der Name schon sagt: Morrow baut das Business von morgen, ist von den ersten strategischen Ideen bis hin zur Umsetzung eng mit dabei und treibt das entsprechende Projekt voran.“
Niclas Delfs, Co-Founder Morrow
Ihr sprecht von evidenzbasierter Validierung – was ist damit gemeint? Robert: Es geht darum, Ideen gemeinsam mit den potenziellen Endkunden zu entwickeln und auszurichten, so dass das Kundenbedürfnis getroffen wird und ein Markt sowie eine Kaufbereitschaft vorhanden sind. Dafür greifen wir je nach Ausgangslage auf verschiedene Methoden und Daten-Tools zu. Dabei untersuchen wir nicht nur was der Kunde sagt – denn das weicht oft vom tatsächlichen Verhalten ab – sondern führen z.B. reale Kaufsimulationen auf Basis von Prototypen durch, bevor das Produkt, der Service oder das Geschäftsmodell überhaupt lanciert wurden. So erhalten wir Schritt für Schritt wertvolle Informationen, wie die Lösung ausgestaltet werden muss, um einen wirklichen Impact zu generieren und unsere Kunden erhalten eine evidenzbasierte Entscheidungsgrundlage für das weitere Vorgehen.

Geschieht das bereits aufgrund realer Verkäufe oder werden diese Versuchsumfelder künstlich erzeugt? Niclas: Teils, teils, es kommt stark auf den Reifegrad der Validierung an. Wenn es noch kein Endprodukt gibt oder es noch nicht sicher ist, dass es in der Form lanciert wird, erstellen wir künstliche Versuchsumfelder und ersetzen den Abschluss durch eine Newsletter-Registration. Im Anschluss tracken wir die Conversion Rate des Newsletters. Falls das Produkt fast final ist und wir Kanäle, Zielgruppe oder Kommunikation validieren, arbeiten wir mit realen Vorverkäufen.

„Dabei kombinieren wir den Tatendrang der Startup-Kultur mit strukturierter Methodik und strategischem Denken“
Robert Iken, Co-Founder Morrow
Wie unterscheidet sich Morrow von «klassischen» Digitalberatungen oder Company Builder? Robert: Zum einen verstehen wir uns als unternehmerischer Partner und nicht als Berater. Das heisst, wir arbeiten sehr ergebnisorientiert und verzichten auf unnötige Komplexität. Dabei kombinieren wir den Tatendrang der Startup-Kultur mit strukturierter Methodik und strategischem Denken. Zum anderen übernehmen wir Verantwortung: Wir treiben jedes Projekt als wäre es unser eigenes Startup. Und am Ende stehen wir für das Ergebnis unserer Arbeit und das unserer Partner gerade. Zu guter Letzt: wir haben viel Spass an dem was wir machen und machen jede Herausforderung zu einem bereichernden Abenteuer für alle Beteiligten.

In welchen Branchen seid ihr aktiv? Niclas: Grundsätzlich arbeiten wir mit unserer Methodik branchenübergreifend. Manchmal hilft es sogar, weniger Vorwissen zu haben und ein frisches Mindset einzubringen. Die meiste Projekterfahrung haben wir im Gesundheitswesen, der Finanzbranche, im Retail und im Versicherungswesen.

Wie sieht die Zusammenarbeit genau aus? Ist JvM ein exklusiver Partner von Morrow? Niclas: Ein wichtiger Erfolgsfaktor im Business Building ist ein starkes on-demand Netzwerk. Das ermöglicht es, eine Vielzahl an Ressourcen und Fähigkeiten effektiv und je nach Situation zu verbinden. Mit Jung von Matt hat Morrow einen Partner, der hohe Qualitätsansprüche teilt und ein breites Spektrum an Services abdeckt. Wir arbeiten jedoch punktuell auch mit anderen Partnern zusammen, wenn das für ein Projekt Sinn macht.

Roman Hirsbrunner, CEO von Jung von Matt/Limmat, ist als strategischer Berater und Verwaltungsrat bei Morrow mit an Bord.
© Esther Michel
Roman Hirsbrunner, CEO von Jung von Matt/Limmat, ist als strategischer Berater und Verwaltungsrat bei Morrow mit an Bord.

Ist JvM die Gründerin von Morrow, die Inhaberin oder nur Kooperationspartnerin? Robert: Jung von Matt und Morrow arbeiten im Rahmen einer engen Kooperation zusammen und Jung von Matt ist an Morrow beteiligt. Zudem ist Roman Hirsbrunner, CEO von Jung von Matt/Limmat, als strategischer Berater und Verwaltungsrat bei Morrow mit an Bord.

Warum beschäftigt sich JvM mit Business Building? Das war bisher nicht Teil ihres Leistungsangebots? Robert: Morrow erweitert das Angebot von Jung von Matt in der Schweiz an vorderster Front , beim Aufbauen und Umsetzen von Business-Modellen, aus denen im Endeffekt Markenkommunikation entsteht.

„Natürlich sind wir uns aber bewusst, dass in der Realität jedes neue Venture unvorhersehbare Herausforderungen mit sich bringt“
Niclas Delfs, Co-Founder Morrow
Beratungen gibt es wie Sand am Meer. Warum jetzt noch eine? Niclas: Wir sind sind überzeugt, durch die Kooperation zwischen der Kommunikations- und Business Building Branche eine Schnittmenge für interessante und zukunftsträchtige Projekte gefunden zu haben. Genau wie die Customer Journey muss heute auch ein Business-Entwicklungsprozess von Anfang bis Ende gedacht werden. Mit den gebündelten Kompetenzen ist das nun möglich.

Gibt es eine Zusammenarbeit mit JvM in Deutschland? Niclas: Zurzeit gibt es keine Zusammenarbeit da wir erstmal das Schweiz-Geschäft etablieren möchten.

Woran wird Morrow scheitern, falls Morrow scheitern sollte? Niclas: Wir sind von unserem Team und Angebot überzeugt. Das macht es schwer, die Frage heute zu beantworten. Natürlich sind wir uns aber bewusst, dass in der Realität jedes neue Venture unvorhersehbare Herausforderungen mit sich bringt – besonders im Jahr 2020. Grundsätzlich machen wir uns darüber aber keine Gedanken; Ich würde da Henry Ford zitieren: «Scheitern ist einfach nur eine Möglichkeit, es nochmals zu versuchen. Dieses Mal intelligenter.»




Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats