Internet-Pranger

Hat Christa Rigozzi zu scharf geschossen?

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Die Social-Media-Influencerin Christa Rigozzi bucht online für sieben Personen. Die Reservation hat nicht funktioniert und das Restaurant ist ausgebucht. Frau Rigozzi postet auf Instagram als Story ein Bild der Reservationsbestätigung und schreibt, man solle das entsprechende Restaurant meiden. Der "Blick" meint: "Ein Internet-Pranger par excellence!" Auch das zweite, grosse Schweizer Online-Portal 20 Minuten treibt die Story voran.
Sven Ruoss, Sie sind Studienleiter Social Media an der HWZ. In Ihrem Lehrgang "CAS Social Media Management" wird der Umgang mit Konfliktsituation, wie sie das Restaurant und Frau Rigozzi erleben, geschult. Wie verbreitet sind solche Attacken? Social Media ist ein Dialog-Medium. Dank Social Media kann jeder und jede zu jedem Thema seine Meinung kundtun. Das ist gleichzeitig Fluch und Segen. Solche "Attacken" kommen regelmässig vor, weil jeder auf Social Media seine positive oder negative Meinung äussern kann. Da auf Social Media jeder niederschwellig innert wenigen Sekunden seinen Unmut publizieren kann, besteht die Gefahr, dass man emotional aufgeladen Inhalte postet, welche man später bereut.
Was sind die Treiber? Social Media dient häufig als Ventil. Früher hatte man seinen Frust einfach bei einem Bier am Stammtisch seinen Kollegen erzählt. Heute übernimmt diese Rolle des öfteren Social Media. Das Problem: Am Stammtisch haben jeweils die Kollegen die emotionale Aufgeladenheit abgekühlt. Auf Social Media übernimmt diese Funktion niemand vor der Publikation.
Was empfehlen Sie generell im Umgang mit solchen Momenten einer Krise? Eine "Krise" ist da vermutlich zu hoch gegriffen. Grundsätzlich gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Es soll versucht werden, die Emotionalität aus der Sache zu nehmen. Im konkreten Fall hat mE Christa Rigozzi zu scharf geschossen. Das Restaurant Alpenrose macht ebenfalls keine gute Falle. Viele User haben in den letzten Tagen mit positiven Reviews auf Google oder Tripadvisor Restaurant Alpenrose in Leukerbad der Kritik von Frau Rigozzi den Wind aus den Segeln genommen.
Wie integriert man das Thema in die Gesamt-Social-Media-Strategie - egal, ob als Privatperson, Influencerin oder als Firma? In drei Sätzen kann man dies leider nicht solide beantworten. Grundsätzlich ist ein regelmässiges Monitoring zwingend, um zu erfahren, wie auf Social Media über das Unternehmen oder über sich selbst gesprochen wird.


Damit solche Rigozzi-Restaurant-Shitstorms nicht entstehen, empfiehlt sich der Besuch einer entsprechenden Weiterbildung. Nicht nur dafür. Ganz generell stellt sich die Frage, ob insbesondere Firmen über genügend Wissen im Umgang mit den sozialen Medien verfügen. Ihre Bedeutung nimmt stetig zu und die Entwicklung verläuft in höllischem Tempo. Die Gefahr, abgehängt und überrollt zu werden, wächst mit jedem Tag der Untätigkeit. Die HWZ Hochschule für Wirtschaft in Zürich bietet den Lehrgang CAS Social Media Management an. 






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