Insight Jung von Matt/TECH

Das Gespräch zum Markteintritt, Teil 2: Wie arbeitet TECH?

   Artikel anhören
v.l.n.r. Stefan Bruggmann, Michelle Danilschenko, Christian Koop, Jan Rohleder
© JvM/Tech
v.l.n.r. Stefan Bruggmann, Michelle Danilschenko, Christian Koop, Jan Rohleder
Im Januar ging die Tech-Boutique Jung von Matt/TECH in der Schweiz an den Start. Was macht eine «Tech-Boutique», was ist ihr Angebot, was treibt das Team an und wie ist das Verhältnis zu den anderen Jung von Matt-Agenturen? HORIZONT Swiss hat sich mit den vier Managing Directors Michelle Danilschenko, Jan Rohleder, Stefan Bruggmann und Christian Koop an einen Tisch gesetzt. Lesen Sie die redigierte Aufzeichnung des lebhaften Gesprächs in zwei Teilen. Heute in Teil zwei mit der Schwerpunktfrage: «Wie arbeitet TECH?» 
Wann sollte ich Jung von Matt/TECH aufsuchen? Jan H. Rohleder: Wenn man über Technologie sprechen möchte, Webseiten, Plattformen oder Apps, die man erstellen oder weiterentwickeln möchte. Michelle Danilschenko: Den Markenaspekt gibt es bei uns natürlich auch, im Sinne von „Branded Interactions“. Das ist der feine Unterschied zu dem, was man beispielsweise darunter versteht, eine Marke erlebbar zu machen, mit Designelementen und Storys. Oftmals haben die Marken das Problem, dass sie dafür ein Brandbook in die Hand gedrückt bekommen, das sehr statisch ist und die Frage ist dann: wie soll sowas im interaktiven Umfeld funktionieren? Und hier kommen wir ins Spiel. Am Anfang steht das Verständnis für die Marke und dann die Übersetzung davon in digitale Interaktionen: Ist etwas einfach, kompliziert, seriös oder spielerisch? Damit beschäftigen wir uns. Wir machen keine Baukastenlösungen, sondern wir arbeiten eng mit dem Kunden zusammen, um herauszufinden, wie sich eine Marke letztlich für die Benutzerin, den Benutzer im digitalen Raum anfühlen soll.


Themen Customer Journey, Sales Funnel. Können Sie uns diese bezogen auf Ihr Angebot idealtypisch argumentieren? Michelle Danilschenko: Im Zentrum steht die Plattform, also die Webseite oder eine App und da gibt es eine ganze Reihe von Touchpoints. Das kann am Anfang die Wahrnehmung sein oder auch weiter hinten im Funnel eine Conversion. Jan H. Rohleder: Entscheidend für uns ist es, die Touchpoints und Painpoints zu verstehen, die der Endkunde erlebt und daraus Idealzustände abzuleiten. Das findet bei uns im Rahmen von Creative Sessions statt. Das Ziel dabei ist es, die Customer Experience weiterzuentwickeln. Dieser Prozess ist sehr spannend und das meiste davon hat nicht viel mit Werbung zu tun, sondern, wie jetzt gerade bei unserem Kunden Bauwerk, mit Dingen wie dem Vertriebsprozess und wie man diesen digitalisieren kann.
© JvM/Tech
Können Sie konkreter werden? Michelle Danilschenko: Bei Bauwerk hatten wir am Anfang der Zusammenarbeit beispielsweise festgestellt, dass man über die Website gar keinen Kaufabschluss tätigen kann. Wir haben also geschaut, wo der Kaufabschluss normalerweise stattfindet und haben die Lösung für Bauwerk entsprechend darauf ausgerichtet. Jan H. Rohleder: Wir stecken aktuell in einem spannenden Projekt mit Reka, das in den letzten Tagen gelauncht wurde. Reka steht, wie viele andere Unternehmen, vor den Herausforderungen der digitalen Transformation. Die Aufgabe ist also nicht getan, wenn wir eine Website entwickeln. Die Aufgabe bei Reka war, die Prozesse und die gesamte Infrastruktur von analog auf digital umzustellen.
© JvM/Tech
Die meisten Unternehmen sind ja aber zum Teil schon digitalisiert. Wie gehen Sie denn mit einem bestehenden digitalen Setting um, dass es weiterzuentwickeln gilt? Jan Rohleder: Eine saubere Analyse zu Beginn ist hier die halbe Miete. Wir müssen verstehen, was bei einem Kunden bereits vorhanden ist und das in unsere Lösungen einbeziehen. Wir bauen keine Paralleluniversen auf oder ziehen eine Schatten-IT hoch. Das bringt keinem was. Hier ist die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit sehr wichtig. Sonst baut man am Ende irgendein Tool, das der Kunde gar nicht benötigt oder brauchen kann.
JvM/Tech-Team
© JvM/Tech
Mehr zum Thema
Insight Jung von Matt/Tech

Das Gespräch zum Markteintritt, Teil 1: Im Antrieb liegt die Kraft

Im Januar ging Jung von Matt/TECH in der Schweiz an den Start. Welches ist das Angebot, was treibt das Team an und wie ist das Verhältnis zu den anderen Jung von Matt-Agenturen? HORIZONT Swiss hat sich mit den vier Managing Directors an einen Tisch gesetzt. Lesen Sie die redigierte Aufzeichnung des lebhaften Gesprächs in zwei Teilen. Heute mit der Schwerpunktfrage: «Was treibt Euch an?»

Thema Schnittstellen. ERPs und PIM-Systeme stehen modernsten Systemen gegenüber, häufig unvereinbar. Wie gehen Sie vor? Christian Koop: Je grösser die Plattformen, desto öfter hat man eben auch mit Dritt- und Viertparteien zu tun. Also nicht nur mit der Kunden-IT sondern auch mit anderen Lieferanten, die ihr System eingebunden haben. Gemeinsam mit diesen Lieferanten und Anbietern eine Lösung zu finden, ist unsere Aufgabe. Und die macht Spass.

„Wir bauen keine Paralleluniversen auf oder ziehen eine Schatten-IT hoch. Das bringt keinem was“
Jan Rohleder
Wirklich? Braucht es da manchmal nicht auch psychologisches Geschick, in der Zusammenarbeit mit IT-Verantwortlichen, die teils schon sehr lange in den Unternehmen sind? Christian Koop: Psychologisches Geschick braucht es immer. Daneben hilft auch eine transparente Kommunikation und ein klares und strukturiertes Vorgehen. Was aber am Ende am meisten motiviert: Wenn wir sehen, wie die Daten fliessen, durch drei oder vier Stationen, dann weitere Prozesse auslösen und dies den Leuten in den Fachbereichen beim Kunden das Leben vereinfacht. Dann sind wir happy und erleichtert.


Thema Lösungsansatz. Wie muss ich mir den Findungsprozess vorstellen, also die Phase, bis überhaupt mal klar wird, wie gross die Lücke ist, zwischen dem was ist und dem was gemäss Zielsetzung sein sollte? Jan H. Rohleder: Ein wichtiger Punkt ist sicher, dass wir nicht nur für unsere Kunden konzipieren, sondern auch für die Kunden unserer Kunden oder Drittparteien, die in einen Prozess involviert sind. Das definiert schon mal, wo man überhaupt ansetzt. Gerade bei grossen Plattformprojekten ist das enorm wichtig. Viele Unternehmen denken nach wie vor in Silos. In der Schweiz ist das etwas weniger verbreitet als in Deutschland. Jeder will seine eigene Baustelle behalten. Aber seit zwei, drei Jahren ist es so, dass Firmen das immer weiter auflösen. Die Erkenntnis reift, dass man vermehrt an die Endkunden denken und aus deren Perspektive entwickeln muss. Und den Endkunden interessiert dieses ganze Abteilungs- und Silodenken nicht. Kunden möchten Dienstleistungen und Erlebnisse aus einer Hand und einem Guss erhalten.
„Mit einer PWA können wir heute 80% der Funktionalitäten einer Native-App abdecken.“
Stefan Bruggmann
Sie entwickeln auch Apps? Wo stehen wir hier? Muss ich immer noch für alles Betriebssysteme je eine Version erstellen? Stefan Bruggmann: Wir setzen sehr stark auf Progressive-Web-Apps (PWA). Die Idee von PWAs ist, das Verhalten einer Native-Smartphone-App mit Webtechnologie bereitzustellen. So kann man die App mit einem gängigen CMS mit Content bestücken und alle kreativen Lösungen umsetzen, die man auch auf einer responsiven Website machen würde. Und: PWAs  sind ebenfalls responsive, funktionieren vom Desktop übers Tablet bis hin zum Mobile und das online wie auch offline. Mit einer PWA können wir heute 80% der Funktionalitäten einer Native-App abdecken.

Jan H. Rohleder: Das war auch der Case mit dem Grillbuddy. Da hatten wir alle Funktionen einer Native-App. Schön ist ja, dass man da keine App-Download-Kampagne starten muss. Wenn also eine Kampagne auf etwas führen soll, das kein Appstore ist, dann benötigen wir eine PWA. Stefan Bruggmann:  Letztendlich ist es auch eine Frage des Aufwands. Bei einer Native-App macht man die Entwicklung zweimal: Für Android und iOS. Und zwar bei jedem Update. Mit einer PWA ist man schneller und flexibler, und umgeht ganz nebenbei auch App-Store-Einschränkungen. Thema Kosten: Was können Sie dazu sagen? In welchen Grössenordnungen bewegen wir uns? Jan H. Rohleder: Es gibt keine Pauschalpreise. Wir arbeiten sowohl für KMUs als auch für grosse Konzerne. Stefan Bruggmann: Am Ende geht es um die Effizienz und das Finden der richtigen Tools und Prozesse für den Kunden. Am glücklichsten sind wir, wenn wir Open-Source-Lösungen einsetzen und agil mit dem Kunden zusammenarbeiten können.

Das heisst? Stefan Bruggmann: Wir arbeiten mit Neos CMS. Damit können die Kunden sehr einfach arbeiten, es ist open source und eignet sich sehr gut, um andere Provider einzubinden und die Inhalte in unterschiedlichen Kanälen auszuspielen. Christian Koop: Natürlich ist es ein gutes Argument für eine Zusammenarbeit, wenn man dem Kunden mit dem offerierten System eine grosse Freiheit zu überschaubaren Kosten liefert. Aber am Ende entscheidet die saubere Voranalyse, was wir wie machen. Das kann von einer kleinen Spielerei für eine Kampagne bis hin zu komplexen, technischen Plattformen reichen. Hauptsache es ist das System, was benötigt wird und es erfüllt einen spezifischen Zweck.
„Hauptsache es ist das System, das benötigt wird und es erfüllt einen spezifischen Zweck.“
Christian Koop
Wie darf ich mir das Zusammenspiel Jung von Matt/Limmat, Jung von Matt/Impact und jetzt Jung von Matt/TECH vorstellen? Michelle Danilschenko: Wir bauen für jeden Kunden den passenden Setup. Und der ist je nach Aufgabe anders. Aber immer duinkelgrün. Genau das ist der USP von Jung von Matt. Vieles entsteht in interdisziplinären Teams gemeinsam. Jung von Matt ist da sehr gut aufgestellt. Am besten funktionieren wir, wenn wir von Anfang an mit dem Kunden in einen Co-Creation-Modus kommen.

Und wie würden Sie sich denn selbst positionieren? Michelle Danilschenko: Wir sind ein eigener Jung von Matt-Baustein mit ganz spezifischen Kompetenzen. Wir sprechen dieselbe Sprache wie alle anderen Jung von Matt-Agenturen. Das ist entscheidend. Wir hören oft von Kunden, dass sie irgendwo eine Webseite „einkaufen“, umsetzen lassen und dann damit alleingelassen werden. Das ist bei uns nicht so. Das ist nicht unser Anspruch. Wenn jemand eine Webseite hat und diese auch bewerben muss, dann arbeiten wir dafür mit /Limmat zusammen. Andere Agenturen müssen sich dafür externe Partner holen.

„Wir stossen gerne zusammen an – ob physisch oder virtuell. Meistens am Freitag, manchmal auch schon vorher.“
Michelle Danilschenko

Was für Leute arbeiten bei Jung von Matt/TECH? Jan Rohleder: Wir sind alle kreative Tech-Nerds. Wer bei uns arbeitet ist ein kreativer Mensch mit einem technischen Verständnis - oder umgekehrt.


Wie schaut es mit Kooperationen aus? Disney, Google und Evernote sind hier gleich um die Ecke? Christian Koop: Bisher hat sich da noch nichts ergeben, wir sind aber natürlich offen für Kooperationen aller Art – nicht zuletzt in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Welches Ritual ist bezeichnend für die Kultur von Jung von Matt/TECH? Michelle Danilschenko: Neben virtuellen Calls wegen Corona? (lacht). Wir stossen gerne zusammen an – ob physisch oder virtuell. Meistens am Freitag, manchmal auch schon vorher.

Über Jung von Matt/TECH
JvM/TECH steht für technologiegetriebene Brand Experiences und Business Solutions. Mit hohem Markenverständnis entwickelt das Unternehmen Webseiten, PWAs und Plattformen. Sie vernetzen kundenrelevante Schnittstellen und Corporate Webseiten zu umfassenden Businesslösungen und integrieren Innovation in Digital Services und Products. Das Netzwerk aus 70 Experten aus Zürich, Hamburg und Warschau bietet ein breites technologisches Fachwissen mit Fokus auf Neos.

Die Gesprächspartner

Michelle Danilschenko ist Managing Director Creation & Experience bei Jung von Matt/TECH. Zuvor war sie als Senior Art Director Digital bei Jung von Matt/Limmat tätig und davor mehrere Jahre als UX Designerin bei Agenturen wie Notch Interactive. Michelle Danilschenko verfügt über einen Bachelor of Arts in Webdesign & Development. Ihre Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit 18 Awards am BOSW und BOSA.

Stefan Bruggmann ist Managing Director Development bei Jung von Matt/TECH. Seit über 10 Jahren arbeitet Stefan Bruggmann in der Webbranche als Software-Engineer, zuletzt als Geschäftsführer der Webagentur webexcess. Stefan Bruggmann hat langjährige Erfahrung in der Entwicklung und technischen Betreuung von digitalen Plattformen, mit Auszeichnungen am BOSW und Neos Award.

Jan H. Rohleder ist Managing Director Project Management bei Jung von Matt/TECH. Jan Rohleder ist seit 17 Jahren im Agenturbusiness tätigt, davon fast fünf Jahre bei Jung von Matt/Limmat, unter anderem als Project Director. Vor seinem Wechsel in die Schweiz war Jan Rohleder 11 Jahre in Kreativagenturen in Hamburg und Berlin tätig. Seine Projekte wurden unter anderem beim BOSW und Swiss Effie ausgezeichnet.

Christian Koop ist Managing Director Technical Consulting bei Jung von Matt/TECH. Der erfahrene Technical Consultant hat eine langjährige Historie in der Marketing- und Werbebranche, zuerst für über 15 Jahre in Hamburg, seiner Heimatstadt und seit 2017 in Zürich für Jung von Matt/Limmat. Christian Koop hat etliche Grossprojekte im internationalen Umfeld umgesetzt, die vielfach ausgezeichnet wurden.
Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats