Herzog & de Meuron

Lernen von den Besten

   Artikel anhören
© Canva
Die weltbekannten Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron gaben der NZZ am Sonntag ein Interview. Die beide Basler kennen sich seit dem Kindergarten. Architektur und Werbung sind beides Berufsgattungen, die von Menschen ausgeübt werden sollten, denen es niemals an Kreativität und Inspiration mangeln sollte. Deshalb liefern die beiden Star-Architekten mit Ihren Antworten auch Denkanstösse an die Vertreterinnen und Vertreter der Medien- und Werbeindustrie.

Architektur hat mit Denken zu tun, nicht mit Glauben

De Meuron und Herzog haben für Andeer eine Autobahnkapelle entworfen. Jacques Herzog sagt, er müsse nicht religiös sein, an etwas bestimmtes glauben, um eine Kapelle entwerfen zu können. Es ginge um die spannende architektonische Aufgabe. Man plane auch eine Moschee im Kontext eines Projekts in Katar.

Eine Kappelle als Wahrnehmungsinstrument

Herzog sagt im Interview mit der NZZ am Sonntag, das Hier und Jetzt wäre für den Menschen zum einzigen Halt geworden. Man atme und nehme wahr, was um einen herum geschehe, mit allen Sinnen. Diese Wahrnehmung stellt die geplante Kapelle in den Vordergrund. Die Wahrnehmung von dem, was von Draussen nach Innen tritt, allem voran der Strassenlärm und dem, was aus dem Innern der Kapelle und von sich selbst an Wahrnehmung ins Bewusstsein drängt. Auch Medien- und Markenräume sollten als Wahrnehmungsräume verstanden werden und dabei den Zustand ihrer Besucherinnen und Besucher in den Vordergrund stellen. Das schafft Raum für neue Ideen der Inhalts- und Rumgestaltung, Ideen für Design ganz allgemein.

Physische Orte als Gegenentwurf zu virtuellen Räumen

De Meuron sagt, dass in unserer Zeit vieles virtuell geschehe und gerade deshalb physische Erlebnisse mit all unseren Sinnen wichtig seien. Weiter: «In unserer Zeit, in der vieles virtuell geschieht, sind diese physischen Erlebnisse mit unseren Sinnen, dem Sehen, Hören, Fühlen, wichtig. Wir sind immer noch körperlich und analog unterwegs.» Er könne sich auch vorstellen, dass sich Paare und Gruppen hineinbegeben in die Kapelle und ihre gemeinsamen Wahrnehmungserfahrungen austauschen würden. Auch über Formen, Farben und architektonische Gegebenheiten. De Meuron: «Das sind archaische Fragen, die in uns stecken. Sie zu ermöglichen, gerade wenn man in den Süden rast oder wieder nach Hause zurückkommt, dafür sind solche Orte sehr wichtig.»


Das ganze Interview, in dem sich weitere Parallelen zwischen Architektur und Werbung entdecken lassen, finden Sie in der NZZ am Sonntag Ausgabe vom 23. Februar
Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats